Nach Beitragserhöhungen PKV-Kunden erhalten ungebetene Werbeanrufe von Tarifoptimierern

Sven Hennig ist Versicherungsmakler aus Bergen auf Rügen.
Sven Hennig ist Versicherungsmakler aus Bergen auf Rügen. © privat

Nach den hohen Beitragserhöhungen der vergangenen Jahre sind viele privat Krankenversicherte offen für die Sparangebote der Tarifoptimierer. Doch deren Akquise von potenziellen Kunden steht jetzt wieder in der Kritik von Versicherungsmaklern und Verbraucherschützern.

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„Wie kommt die Deutsche Gesellschaft für Privatversicherte mbH an meine Daten?“, zitiert Sven Hennig, Versicherungsmakler aus Bergen auf Rügen, auf seiner Internetseite aktuell eine Frage seiner Kunden, die über Werbeanrufe zum Thema Private Krankenversicherung (PKV) berichten.

„Diese Frage kann ich Ihnen so nicht beantworten“, schreibt Hennig weiter. „Klar ist, weder ich als Makler, noch die Gesellschaft bei der Sie versichert sind, geben solche Daten an Dritte weiter.“ Datensätze mit Angaben zum Beispiel zu Telefonnummern könnten aber auch erworben werden.



„Dabei handelt es sich aber nicht um Vertragsdaten oder die Information wie Sie versichert sind“, erklärt Hennig. „Vielmehr können Sie Daten von Selbstständigen, Freiberuflern und so weiter kaufen, aber auch gutverdienende Angestellte.“ Die Daten würden beispielsweise über öffentlich zugängliche Register gewonnen.

Woher genau die Daten stammen, wollte auch unser Schwerstermagazin DAS INVESTMENT.com erfahren und fragte nach bei der Deutschen Gesellschaft für Privatpatienten (DGFP) an, die von Hennigs Kunden als Anrufer genannt wurde. Entsprechende Einzelfälle seien nach Angaben des Hamburger PKV-Beitragsoptimierers „in der Klärung“.

Gesetzliche Regeln und Rahmenbedingungen

„Aufgrund möglicher geschäftsschädigender Wirkungen ist uns eine Aufklärung dieses Falles wichtig“, teilte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage von DAS INVESTMENT.com mit. Und weiter: „Die DGFP beachtet gesetzliche Regeln und Rahmenbedingungen.“

Das gelte auch für die Call-Center, mit denen die DGFP zur Gewinnung neuer Kunden zusammenarbeitet: „Unsere Werbepartner sind sowohl gesetzlich als auch einzelvertraglich auf die Einhaltung von gesetzlichen Regelungen hin verpflichtet.“

Das Einhalten dieser Pflichten werde regelmäßig kontrolliert. Und im Fall von Beanstandungen, werde dem nachgegangen und entsprechend gegengesteuert.

Hohe Kostenersparnis bei der PKV möglich

Nicht alle Angerufenen reagieren auf das DGFP-Angebot niedriger PKV-Beiträge empört. „Wünschen Interessenten die Überprüfung Ihrer privaten Krankenvollversicherung, so überprüfen wir gemeinsam die individuelle Situation und erstellen in den Fällen, in denen es möglich ist, dazu ein Gutachten“, erklärt der DGFP-Sprecher das Prozedere.

Doch bei Verbraucherschützern kommt die Werbestrategie der DGFP gar nicht gut an: Der Bund der Versicherten (BdV) hat die aus seiner Sicht unlauteren Werbemethoden Hamburger Unternehmens bereits im vorigen Jahr abgemahnt.

Kein Hinweis auf Versicherungsmakler-Tätigkeit

Konkret hatte der BdV kritisiert, dass die DGFP in ihren Werbe-Flyern unzulässiger Weise nicht auf ihre Tätigkeit als Versicherungsmakler hingewiesen hatte. Zudem wurde mit Hochrechnungen gearbeitet, die nicht hinreichend auf mögliche Beitragsentwicklungen hingewiesen hätten.

Daraufhin gab der Tarifwechselanbieter eine Unterlassungserklärung ab und passte seinen Flyer sowie die Homepage entsprechend an: „Die DGFP bietet als eingetragener Versicherungsmakler Privatpatienten Unterstützung bei Vertragsangelegenheiten sowie PKV-Interessenten eine unabhängige Beratung zur Neuversicherung“, heißt es in der Unternehmensvorstellung.

Beiträge und auch Leistungen der Anbieter wichtig

Versicherungsmakler Hennig warnt seine Kunden aus diesem Anlass davor, nur auf die in Aussicht gestellten Kostenersparnisse eines möglichen Tarifwechsels zu achten. Stattdessen sollten sie unbedingt immer auch die jeweiligen vertraglichen Leistungen miteinander vergleichen.
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