Pfefferminzia: Mit gerade einmal 18 Jahren sind Sie bereits gefragter Redner zur Cybersicherheit und Gründer Ihres eigenen Unternehmens in diesem Bereich. Wie kamen Sie mit der IT-Branche in Berührung?

Philipp Kalweit: Mit neun Jahren hatte ich den ersten Kontakt mit einem Computer. Es war ein alter Rechner, den ich auseinandergeschraubt habe. Als ich mich mit der Software beschäftigte, interessierte ich mich mehr und mehr für die Funktionsweise dahinter. Und damit wurde eine Leidenschaft geweckt, die heute, zehn Jahre später, noch genauso besteht.

Gab es durch Ihre Familie oder in der Schule eine besondere Förderung Ihres starken Interesses?

Nein, alles was ich seither gelernt habe, habe ich mir durch Ausprobieren selbst beigebracht. Es wurde zu meinem Hobby, das ich letztlich zum Beruf gemacht habe. Die Professionalität nahm zu, je länger ich mich mit der Materie beschäftigte. Vergleichbar vielleicht mit einem Kind, das Fußballspielen erlernt: Es beginnt in der Kreisklasse und nach ein paar Jahren spielt man in der A-Jugend. Wenn man besonders talentiert ist und viel trainiert, schafft man es als Profi in die Bundesliga und vielleicht sogar ins internationale Business.

Warum ist das Thema Informationssicherheit für Sie so spannend?

Ich kann Dinge erreichen, die bei der Programmierung nicht beabsichtigt waren. Denn durch "ein paar Tricks und Kniffe" und durch das Ausnutzen von Fehlprozessen macht das informationstechnische System eben nicht, was der Entwickler ursprünglich wollte, sondern was der Hacker, in dem Fall ich, erwirken wollte. Und je mehr man sich in die Tiefen begibt, umso mehr Fehler sind zu finden. Es ist doch extrem faszinierend, mehr zu erfahren als andere.

Woher kam der Wunsch, mit 16 ein eigenes IT-Unternehmen zu gründen anstatt das Ganze als Hobby weiterzuführen?

Zum einen hatte ich mir, wie schon gesagt, über die Jahre immer mehr Wissen angeeignet. Mit 14 Jahren hielt ich meinen ersten Vortrag zum Thema Sicherheit auf der Hacker-Konferenz „Chaos Communcation Congress“ vor rund 500 Fachleuten und zwei Jahre später beauftragte mich bereits eine Bundesbehörde mit einem Fachvortrag im Rahmen des BSI-Projektes "Smarte und sichere Informationsgesellschaft". Dadurch wurden Kunden auf mich aufmerksam. Zum anderen bin ich wohl eher als Unternehmer glücklich als im Angestelltenverhältnis. Zwar wollte ich zunächst keine Mitarbeiter aufgrund der dadurch resultierenden Verantwortung einstellen, doch letztlich ging es aufgrund der Auftragslage nicht anders. Ich konnte mich zum damaligen Zeitpunkt den Projekten nicht in Vollzeit widmen, weil ich ja noch zur Schule ging.

Wie war denn das Unternehmerleben mit dem schulischen vereinbar?

Das war nicht immer leicht. Ein paar Lehrer unterstützten das nicht. Aber andere wiederum halfen mir, indem ich online auf Lehrmaterial zugreifen konnte. Denn wenn ich im Zug unterwegs war, konnte ich schlecht sämtliche Unterlagen dabei haben. Für einen Vortrag vor einer Bundesbehörde beispielsweise wurde ich zunächst nicht von der Schule befreit. Doch nachdem ein paar Hebel in Bewegung gesetzt wurden, konnte ich den Vortrag doch noch halten.

Und Sie mussten sich mit 16 bereits voll geschäftsfähig erklären lassen…

Ja, zunächst war ich als freiberuflicher Sicherheitsberater tätig. Mit der Gründung der Kalweit ITS als GmbH jedoch musste ich diesen Schritt gehen und mir von einem Amtsrichter die volle Geschäftsfähigkeit bescheinigen lassen.