Meine Großeltern haben auch keine Zusatzprodukte zu sich genommen und sind dennoch über 80 Jahre alt geworden. Solche oder ähnliche Aussagen kann man häufig lesen und hören. Das mag sein. Jedoch haben viele unserer Großeltern auch noch ganz anders gelebt und waren anderen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Fertigprodukte, Convenience-Food auf Neudeutsch, gab es damals noch nicht. Da wurde frisch gekocht. Dafür wurden oft Zutaten verwendet, die entweder vom Bauern um die Ecke stammten oder aus dem eigenen Garten. Geerntet wurde, wenn das Gemüse und die Früchte reif waren. Regional, saisonal und frisch.

Unreife Ernten, damit die Lebensmittel auf dem Transportweg nicht verfaulen, lange Lagerungen, ein „Zu-Tode-kochen“ und stundenlanges Warmhalten in Kantinen und Restaurants waren unseren Großeltern noch eher unbekannt. Ebenso genetisch veränderte Pflanzen, damit diese den massiven Pestizideinsatz überleben. Die Tiere lebten damals noch zum größten Teil auf Weiden und wurden artgerecht ernährt. Antibiotika und Hormone wurden nicht zu Mastzwecken eingesetzt.

Alle diese Methoden, die sich verstärkt in den vergangenen 50 Jahren entwickelt haben, verringern jedoch massiv den Vitamin- und Nährstoffgehalt der pflanzlichen und tierischen Lebensmittel.

Regional und frisch gekocht – reicht das?

Die Lösung wäre also, wieder mehr auf regionale Lebensmittel zu setzen und frisch zu kochen. Achtet man nun noch auf biologischen Anbau, ist das ein sehr guter Ansatz. Im Biolandbau wird auf Kunstdünger verzichtet und die Pestizidrückstände sind deutlich reduziert. Wer sich entsprechend ausgewogen ernährt, hat gute Chancen, ausreichend mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt zu sein.

Mangel im Überfluss

In Europa haben wir einen Überschuss an Lebensmitteln. Dennoch kann es zu Mängeln kommen. Deutschland ist zum Beispiel Selen-Mangelgebiet. Die Böden enthalten nur wenig von diesem seltenen Spurenelement, das unter anderem für die Schilddrüse und zur Entgiftung sehr wichtig ist. In Süddeutschland ist die Jodversorgung schlechter als an der Küste, wo mehr frischer Fisch gegessen wird. Auch Jod ist wichtig für die Schilddrüsenfunktion sowie für den Stoffwechsel, den Wärmehaushalt, den Energiestoffwechsel, das Wachstum und die Organentwicklung.

Lagerung, langes Erhitzen und Aufwärmen reduzieren den Folsäuregehalt einer Mahlzeit stark. Da dieses B-Vitamin unter anderem für das Zellwachstum und die Embryonalentwicklung wichtig ist, erhalten es Schwangere standardmäßig verschrieben. In den Monaten zwischen Oktober und April steht in Mitteleuropa die Sonne so tief, dass selbst dann nicht ausreichend Vitamin D in der Haut produziert werden kann, wenn man sich in der Sonne aufhält. Sogar im Sommer leiden heute viele an Vitamin-D-Mangel. Schuld daran ist die Fahrt mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. Dort angekommen, wird in geschlossenen Räumen so lange gearbeitet, bis die Sonne wieder sehr tief steht.