Die Investitionsbereitschaft in mittelständischen Unternehmen ist seit Jahren rückläufig. © Pixabay
  • Von Achim Nixdorf
  • 25.11.2021 um 13:15
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Die Unternehmensinvestitionen in Deutschland sind zu niedrig – speziell im Mittelstand. Zu dieser Einschätzung kommt eine Untersuchung des Analysehauses KfW Research. Schuld an dieser Entwicklung hat vor allem die Corona-Pandemie. Aber auch das Alter der Firmenchefs spielt eine große Rolle.

Die Corona-Krise hat die Investitionslaune des Mittelstands erheblich gedämpft. Noch nie haben so viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ihre ursprünglichen Investitionspläne nicht wie vorgesehen umgesetzt. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung von KfW Research, einem Analysehaus, das zur Förderbank KfW gehört.

Die Neuinvestitionen gingen demnach 2020 um rund 14 Milliarden auf 173 Milliarden Euro zurück. Parallel dazu verloren die mittelständischen Investitionen auch kontinuierlich an Bedeutung für das gesamte Investitionsgeschehen im deutschen Unternehmenssektor. Ihr Anteil schrumpfte seit 2008 von 49 auf 42 Prozent.

Hohes Durchschnittsalter drückt Investitionsfreude

Wie die Untersuchung verdeutlicht, hängt die mangelnde Investitionsbereitschaft aber nicht nur mit der Corona-Pandemie zusammen, sie ist auch sehr stark an die Person der Unternehmensinhaber geknüpft. Gravierend wirkt sich hier insbesondere die demografische Entwicklung aus, denn die Neigung zu investieren sinkt mit dem Alter des Inhabers erheblich.

In Zahlen sieht das wie folgt aus: Während im langjährigen Mittel (2004 bis 2020) etwa 57 Prozent der jüngeren Inhaber unter 40 Jahren Investitionen vornahmen, sinkt dieser Anteil bei den älteren Inhabern (über 60 Jahre) auf nur noch 36 Prozeent. Zudem investieren jüngere Chefs einen größeren Anteil ihres Gesamtvolumens in Kapazitätserweiterungen (50 Prozent gegenüber 20 Prozent), weisen häufiger positive Nettoinvestitionen (38 Prozent gegenüber 22 Prozent) sowie eine deutlich höhere Investitionsintensität auf (Investitionsvolumen je Beschäftigten von durchschnittlich 9.200 Euro gegenüber 7.600 Euro).

„Die Neigung zu investieren sinkt mit zunehmendem Alter massiv – sowohl das Investitionsvolumen wie auch der Hang, Kapazitätserweiterungen umzusetzen. Zusammen mit dem rasanten Anstieg des Durchschnittsalters der Unternehmensinhaber verhindert dieses Muster enorme Investitionen“, sagt Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW.

Aktuell liegt das Durchschnittsalter eines Inhabers im Mittelstand bei 52,8 Jahren. In den letzten zehn Jahren ist dieser Wert um drei Jahre gewachsen, seit 2002 sogar um acht Jahre. Zum damaligen Zeitpunkt waren gerade einmal 20 Prozent der Firmenlenker 55 Jahre oder älter. Aktuell ist es mit einem Anteil von 50 Prozent bereits jeder Zweite.

Ungeklärte Nachfolgeregelungen

Darüber hinaus blockiert laut KfW Research auch die Frage nach der Unternehmensnachfolge die Investitionsfreude im Mittelstand. Konkret bedeutet das: Je näher der Zeitpunkt der geplanten Nachfolge rückt, desto seltener werden Investitionen angegangen. Ungeklärte Nachfolgen drückten das Investitionsniveau zusätzlich.

Die aktuelle Analyse von KfW Research basiert auf einer Auswertung des KfW-Mittelstandspanels 2021. Der Mittelstandspanel ist eine jährliche Erhebung unter rund 15.000 kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland mit einem Jahresumsatz von maximal 500 Millionen Euro.

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Achim

Achim Nixdorf

Achim Nixdorf ist seit April 2019 Content- und Projekt-Manager bei Pfefferminzia. Davor arbeitete er als Tageszeitungs- und Zeitschriftenredakteur mit dem Fokus auf Verbraucher- und Ratgeberthemen.

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