Andreas Maul (links) ist Geschäftsführer von „grün versichert“, Oliver Lang ist Chef des Maklerversicherers One. © grün versichert/One
  • Von Jens Lehmann
  • 09.04.2020 um 11:50
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Das Thema Nachhaltigkeit hat bei vielen Versicherern bislang kaum eine Rolle gespielt. „Grün versichert“ ist 2014 angetreten, das zu ändern. Im Herbst hat das Unternehmen eine exklusive Kooperation mit der One Versicherung geschlossen. Wir sprachen mit „grün versichert“-Geschäftsführer Andreas Maul und One-Chef Oliver Lang über die Partnerschaft, grüne Policen und die Vision einer nachhaltigen Versicherungsbranche.

Welche Rolle spielt die „Fridays for Future“-Bewegung für nachhaltige Versicherungen?

Lang: Sie beflügelt die Nachfrage nach grünen Produkten. Umgekehrt ist die „Fridays for Future“-Bewegung auch ein klares Zeichen dafür, dass sich das Denken in der Gesellschaft verändert hat.

Werden grüne Policen also künftig eher die Regel als ein Nischenprodukt sein?

Lang: So weit würde ich für die nähere Zukunft nicht gehen. Aber die Bedeutung grüner Versicherungen wird erheblich zunehmen. Das ist einer der Gründe für unsere langfristig angelegte Kooperation mit „grün versichert“.

Maul: Von einem Nischenprodukt kann man mit Blick auf nachhaltige Versicherungen schon heute nicht mehr sprechen. Zwischen 7 und 15 Prozent der Kunden würden gerne grüne Policen abschließen. Mit steigender Tendenz. Ich erlebe jeden Tag durch Mails und Anrufe von Interessenten, wie dynamisch sich die Nachfrage entwickelt.

Hat es sich unter potenziellen Kunden herumgesprochen, dass es überhaupt grüne Versicherungen gibt?

Maul: Da ist noch etwas Luft nach oben. Doch das Interesse an unseren Produkten ist schon jetzt groß. Über ein Wochenende gehen schon mal 1.100 E-Mails mit Nachfragen zu unseren grünen Produkten ein. Aber natürlich wollen wir „grün versichert“ und das Thema Nachhaltigkeit noch größer und bekannter machen.

Mit welchen Argumenten können Versicherungsmakler Kunden für grüne Policen interessieren?

Maul: Das beste Argument ist ganz einfach die Nachhaltigkeit der Produkte. Wer grüne Policen anbietet, hat ein Alleinstellungsmerkmal und ist damit klar im Vorteil. Ein Makler, der das nicht versteht, wird langfristig keine Chance haben.

Gibt es Pläne, den Vertrieb auszubauen?

Maul: In diesem Jahr noch nicht. Wir warten ab, wie 2020 läuft. Ohnehin machen wir alles digital über unsere Internetseite. Das ist unser Fahrplan fürs laufende Jahr. Unser Ziel ist es nicht, eine Vertriebstruppe aufzubauen.

Lang: One als Maklerversicherer bietet die nötige Vertriebsstruktur für „grün versichert“. 95 Prozent des Geschäfts gehen über unser Maklerportal, an das aktuell über 2.500 Makler angeschlossen sind. Jeder dieser Makler kann seinen Kunden sowohl „grün versichert“-Produkte als auch klassische One-Tarife anbieten. Das reine Endkundengeschäft läuft direkt über „grün versichert“.

Makler müssen also eine Kooperation mit One eingehen, um „grün versichert“-Produkte verkaufen zu können?

Lang: Das ist der übliche und unkomplizierte Weg. Um in das One-Maklerportal zu gelangen, benötigen Makler eine Direktanbindung. Dann steht ihnen unsere gesamte Produktpalette zur Verfügung.

Wann wird die gesamte Versicherungsbranche nachhaltig und klimaneutral sein?

Maul: Ich bin jetzt 58 Jahre alt und werden meinen Job noch 10 bis 15 Jahre machen. Ich hoffe, dass etwas passiert sein wird, bis ich abtrete. Das Ziel 2050, das beispielsweise die Allianz ausgegeben hat, ist nicht akzeptabel. Die Branche muss viel schneller grün werden.

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Jens Lehmann

Jens Lehmann ist diplomierter Publizist und Betriebswirt und arbeitet als freier Journalist und Autor in Hamburg. Er ist thematisch auf Wirtschafts-, Finanz- und Mobilitätsthemen spezialisiert. Seine Beiträge erscheinen in Publikationen großer Zeitungsverlage, Unternehmensveröffentlichungen sowie bei Pfefferminzia.

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