Die beiden Versicherungmakler Matthias Helberg (links) und Gerd Kemnitz. © privat
  • Von Redaktion
  • 06.04.2016 um 09:15
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Immer heftiger geraten die Versicherer wegen der ausufernden Berufsgruppenspreizung in der BU in die Kritik. Und das auch völlig zu Recht, meinen die beiden Versicherungsmakler Gerd Kemnitz und Matthias Helberg. Pfefferminzia sprach mit den beiden über das Berufsgruppenbingo, eine Unijob-BU und einer möglichen Rückkehr zum staatlichen Schutz.

Pfefferminzia: So ziemlich jeder wirft den Versicherern die immer feiner werdende Berufsgruppendifferenzierung vor. Ist das nicht einfach risikogerechtes Kalkulieren?

Gerd Kemnitz: Im ersten Moment könnte man das vermuten. Aber dann stelle ich mir die Frage, warum das Bestreben nach dieser „risikogerechten“ Kalkulation in den vergangenen Jahren so zugenommen haben könnte. Und wenn ich mir noch die Entwicklung der BU-Ursachen und der Prämienunterschiede zwischen günstigster und ungünstigster Berufsgruppe bei den einzelnen Versicherer anschaue, dann drängt sich mir eher der Verdacht der Rosinenpickerei auf. Allerdings bin ich bei dieser existenziell wichtigen Versicherung auch der Meinung, dass ein bezahlbarer Versicherungsschutz für alle Berufstätigen wichtiger ist, als eine risikogerechte Prämienkalkulation für immer kleiner werdende Versicherungskollektive.

Matthias Helberg: Nach meinem Empfinden ist es überhaupt nicht so, dass hier massiv genug Kritik geübt wird. Es sind eher einzelne Organisationen und Kollegen, die bislang auf dieses Problem aufmerksam machen. Das Phänomen einer „risikogerechten Kalkulation“ findet sich auch nicht nur bei der BU, sondern in immer mehr Versicherungssparten. Die Differenzierung geht immer weiter, sodass der eigentliche Versicherungsgedanke – jeden kann es treffen, jeder soll die Möglichkeit der Absicherung haben – immer weiter ausgehöhlt wird. Weiter gedacht gelangen wir eines Tages an den Punkt, an dem jeder sein eigenes Risiko trägt. Nur wofür braucht es dann noch Versicherungen?

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Verbraucherschützer und Gewerkschaften fordern eine Rückkehr zur staatlichen BU – hat das private System tatsächlich versagt?

Kemnitz: Nein, das glaube nicht. Und eine Rückkehr zum gesetzlichen BU-Schutz wäre nach meiner Ansicht nicht erstrebenswert. Aber als die Politik diesen gesetzlichen Schutz aufgab und mehr private Eigenvorsorge forderte, hätte sie den privaten BU-Versicherern auch einen Rahmen für den Wettbewerb vorgeben müssen. Eigenvorsorge setzt die Möglichkeit hierfür voraus. Zu vielen Berufstätigen wurde diese Möglichkeit durch die Berufsgruppendifferenzierung genommen. Deshalb muss dieser Rahmen jetzt vorgegeben werden – entweder durch eine Selbstverpflichtung aller BU-Versicherer oder durch den Gesetzgeber.

Helberg: Ein Teilversagen muss sich die Branche sicherlich vorwerfen lassen. Wer allerdings zurück zum staatlichen System will, wird auch sagen müssen, wie das finanziert werden soll. Derzeit sind wir bei durchschnittlichen Erwerbsminderungsrenten aus der gesetzlichen Rentenversicherung um 650 Euro pro Monat und bei Anerkennungsquoten unter 50 Prozent. Auch die gesetzliche Rentenversicherung ist offensichtlich nicht in der Lage, auch nur annähernd solchen Versicherungsschutz zu bieten, wie man es sich wünschen könnte.

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