Ute Thoma ist Leiterin Betriebliche Vorsorge Vertrieb bei der Bayerischen. © die Bayerische
  • Von René Weihrauch
  • 10.06.2021 um 13:49
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Wie groß ist das Nachfragepotenzial von nachhaltigen Anlageprodukten wirklich? Wie finden Vermittler heraus, wie nachhaltig ein Anbieter oder Produkt ist? Und schneiden „grüne“ Vorsorgeprodukte wirklich schlechter ab, wenn es um die Rendite geht? Das fragten wir Ute Thoma, Leiterin Betriebliche Vorsorge Vertrieb bei der Bayerischen.

Pfefferminzia: Immer mehr Versicherer erklären das Thema Nachhaltigkeit zu DEM Zukunftsthema in der Altersvorsorge. Wie groß ist das Nachfragepotenzial hier wirklich?

Ute Thoma: Im öffentlichen Diskurs rangiert Nachhaltigkeit heute auf der Themen-Agenda ganz oben. Die Bereitschaft, sich auch in Vorsorgefragen mit Themen wie Klimaschutz, ökologischer und sozialer Verantwortung auseinanderzusetzen, wächst rasant. Mit unserer nachhaltigen Tochtermarke Pangaea Life spüren wir dieses Interesse am eigenen Leib: Im vergangenen Jahr konnten wir die Beitragssumme unserer grünen Vorsorgeprodukte um 53 Prozent steigern. Dass dies erst der Anfang ist, zeigen jüngste Studien: Demnach achtet jeder zweite Kunde bei der Wahl einer Versicherung schon heute auf das Thema Nachhaltigkeit. Der Bewusstseinswandel ist also in vollem Gange und wird diesen Anteil in den nächsten Jahren weiter vergrößern. Grüne Vorsorgeprodukte treten aus der Nische und werden zum Zugpferd der Branche – und das ist gut so.

Welche konkreten Produkte gibt es, die Maklerinnen und Makler guten Gewissens empfehlen können? Und wie findet man die?

Der Markt bietet heute in diesem Bereich eine ganze Palette attraktiver Produkte. Auch in der betrieblichen Altersversorgung, kurz bAV, erkennen immer mehr Unternehmen die Chance, sich mit grünen betrieblichen Vorsorgelösungen zu positionieren. Welches Produkt das beste ist, entscheiden vor allem die konkreten Umstände, Bedürfnisse und Ziele des Kunden. Was aus meiner Sicht dagegen nicht verhandelbar sein sollte, ist das Thema Transparenz. Kunden reagieren hier mit Recht zunehmend sensibel. Sie wollen wissen: Wie lösen Anbieter ihr Nachhaltigkeitsversprechen konkret ein. Makler sollten ihren Kunden daher plausibel erklären können, wohin ihr Geld fließt und welchen Beitrag für unseren Planeten es dort leistet. Ein Blick in die Kapitalanlage liefert hier Aufschlüsse.

Was kennzeichnet eine wirklich nachhaltig orientierte Geldanlage?

Der Schlüssel zu echter Nachhaltigkeit liegt in der Art und Weise, wie Versicherer die ihnen von Kunden anvertrauten Beiträge investieren. Die Kriterien ESG – also Environment, Social und Governance – spielen dabei eine wichtige Rolle. Klare Ausschlusskriterien geben Kunden die Sicherheit, dass ihre Beiträge keinesfalls ökologisch, sozial oder ethisch fragwürdige Branchen fördern. Doch das Wissen, mit der Geldanlage keinen Schaden anzurichten, reicht vielen Kunden heute nicht mehr – sie möchten echtes Impact Investing. Das heißt: Mit meiner Vorsorge will ich aktiv etwas zum Besseren bewirken. Vermittler punkten hier mit Detailkenntnissen: Sie sollten ihren Kunden erklären können, wie zum Beispiel die Unternehmen eines nachhaltigen Fonds die Welt zu einem besseren Ort machen. Je konkreter, desto besser. Ideal sind messbare Belege, wie zum Beispiel Aussagen über die Menge an CO2, die eine Investition einzusparen hilft.

Wie können Makler prüfen, ob ein bAV-Produkt diese Kriterien auch wirklich erfüllt?

Gerade in der bAV sind Garantien häufig fester Bestandteil – auch getrieben vom Gesetzgeber. Egal, ob es sich um ein klassisches, indexgebundenes oder fondsgebundenes Produkt handelt, landet ein beträchtlicher Teil des Beitrags im Sicherungsvermögen des Anbieters. Insofern steht die Kapitalanlage des Versicherers im Fokus. Hier können Anbieter mit Transparenz punkten. Die Bayerische veröffentlicht jährlich einen gesonderten Kapitalanlagebericht, der neben ökonomischen Faktoren auch ESG-Aspekte detailliert beleuchtet. Gerade bei fondsgebundenen Lösungen lohnt sich auch ein Blick auf die Einzeltitel des Fonds – denn nicht überall, wo nachhaltig draufsteht, ist auch nachhaltig drin. Labels, Zertifizierungen und Ratings anerkannter und unabhängiger Stellen können für zusätzliche Glaubwürdigkeit sorgen. Doch auch hier ist ein Blick hinter die Kulissen ratsam.

Zudem veröffentlichen viele Anbieter mittlerweile Nachhaltigkeitsreportings, zum Beispiel nach den Kriterien des Deutschen Nachhaltigkeitskodex. Wie Sie sehen, hängt viel an der Transparenz des jeweiligen Versicherers: Wie weist er nach, dass die Beiträge der Kunden im Sinne der Nachhaltigkeit eine positive Wirkung entfalten?

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René

René Weihrauch

René Weihrauch arbeitet seit 35 Jahren als Journalist. Einer seiner Schwerpunkte sind Finanz- und Verbraucherthemen. Neben Pfefferminzia schreibt er für mehrere bundesweit erscheinende Zeitschriften und international tätige Medienagenturen.

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