Zerstörte Häuser nach der Juli-Flut im Ahrtal: 2021 war das teuerste Naturgefahrenjahr bisher © picture alliance / imageBROKER | Stefan Ziese
  • Von Juliana Demski
  • 18.05.2022 um 15:31
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2021 dürfte bei den deutschen Versicherern in die Geschichtsbücher eingehen – als das bis heute teuerste Naturgefahrenjahr. Unwetter verursachten Schäden in Höhe von rund 13 Milliarden Euro. Besonders betroffen waren Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Im vergangenen Jahr haben die deutschen Versicherer das höchste Schadenaufkommen ihrer Geschichte verzeichnet. Insgesamt 12,7 Milliarden Euro mussten sie hinblättern, schreibt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im Rahmen seiner „Regionalen Naturgefahrenbilanz 2021“.

Die laut GDV höchsten Kosten hatte die Sachversicherung mit 11,0 Milliarden Euro. Die verbleibenden 1,7 Milliarden Euro betrafen die Kfz-Versicherung.

Dafür verantwortlich war insbesondere das Extremwetterereignis „Bernd“, welches im Juli 2021 im Süden und Westen Deutschlands für verheerende Flutwellen gesorgt hatte. „Spitzenreiter im Vergleich der Bundesländer war Nordrhein-Westfalen mit einer Schadensumme von 5,5 Milliarden Euro – gefolgt von Rheinland-Pfalz mit 3,0 Milliarden Euro“, bestätigt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen im Rahmen der Bilanz.

Für Asmussen steht fest:

„Die Sturzflut hat erneut gezeigt, wie verwundbar wir sind und wie wichtig flächendeckender Hochwasserschutz ist.“ Allein im Ahrtal hätten sich die Schäden auf rund 2 Milliarden Euro summiert.

Von Sturm und Hagel hingegen waren laut dem Verband insbesondere Kraftfahrzeuge im Süden Deutschlands betroffen. So entfielen auf die Unwetterserie im Juni 202 Kfz-Schäden von rund 700 Millionen Euro. „Insgesamt ist die Unwetterserie für die Kraftfahrtversicherer der viertgrößte Hagelschaden seit Beginn der Statistik“, sagte Asmussen.

Eine Grafik aus der GDV-Naturgefahrenbilanz
Quelle: GDV
Versicherer wollen gegensteuern

Um künftige Schäden zu vermindern, fordert der GDV deshalb „ein nachhaltiges Umsteuern der öffentlichen Hand“, wie es im Bilanzpapier heißt – etwa durch klare Bauverbote in hochwassergefährdeten Gebieten und indem man schon bei Baugenehmigungen die Pflicht hat, Klimagefahren mit zu beurteilen. „Als Folge des Klimawandels müssen wir künftig immer öfter mit Wetterextremen und schweren Schäden rechnen“, so Asmussen.

Die Einführung einer Pflichtversicherung gegen Elementarschäden löse das Problem jedoch nicht. Die deutschen Versicherer haben stattdessen Vorschläge für ein Gesamtkonzept zur Klimafolgenanpassung erarbeitet. Das Ziel sei eine Absicherung aller privaten Wohngebäude gegen Extremwetterrisiken.

Darin fordern sie unter anderem:
  • Anpassung an den Klimawandel im Bauordnungsrecht als allgemeine Anforderung und damit als Schutzziel verankern
  • Klare Bauverbote in exponierten Gebieten
  • Einrichtung und Betrieb eines bundesweiten Naturgefahrenportals
  • Eine verpflichtende Klima-Gefährdungsbeurteilung bei Baugenehmigung
  • Nationales Managementsystem für klimawandelbedingte Risiken mit systematischem Schadenmonitoring und einem regelmäßigen Planungsrat und Risikodialog nach Schweizer Vorbild

Bisher hat sich – GDV-Zahlen zufolge – nur etwa die Hälfte aller Hausbesitzer in Deutschland gegen Elementargefahren wie Starkregen oder Hochwasser versichert. Viele seien sich ihrer individuellen Bedrohung durch Naturgefahren nicht bewusst, heißt es.

>>> Aber auch dagegen will der Verband vorgehen – mithilfe des sogenannten „Naturgefahren-Checks“. Immobilienbesitzer und Mieter erfahren dort, welche Schäden Unwetter in der Vergangenheit an ihrem Wohnort verursacht haben.

>>> Details zur Gefährdung durch Flusshochwasser und Starkregen liefert darüber hinaus der „Hochwasser-Check“ des Verbands.

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Juliana

Juliana Demski

Juliana Demski ist seit 2021 Junior-Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört sie seit 2016 an.

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