Nicht nur Kinder stehen auf Süßes. © Pixabay
  • Von Joachim Haid
  • 12.07.2019 um 17:36
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Zucker ist böse. Getreide beziehungsweise Gluten ist böse. Vollkorn jedoch gesund. Fett ist mal gut, mal schlecht. Fleisch ist gut für uns, das rote jedoch weniger. Im nächsten Moment ist dieses dann doch wieder nicht so schlimm. Und jetzt soll uns auch noch Gemüse krank machen? Es wird Zeit, Licht in das Durcheinander zu bringen.

Gefährliche Abfallstoffe

Wenn im Körper Kohlenhydrate mit körpereigenen Eiweißstoffen reagieren, kann es zur Bildung von Abfallstoffen, den AGEs, kommen. Aus Sicht der Biochemie läuft hier die sogenannte Maillard-Reaktion ab. Die kennt jeder, der schon einmal einen Braten beim Backen übergossen hat, sodass dieser eine braune Kruste erhält. Was im Backofen erwünscht ist, kann im menschlichen Körper zu unangenehmen Folgen führen. Vor allem wer unter Stress steht, produziert diese AGEs. Denn jetzt reagiert der Blutzucker mit Körpereiweiß. Diese Abfallstoffe lagern sich an den Gefäßen ab, wodurch diese ebenfalls verengen können.

Alles das fördert wieder die Entstehung von Diabetes, Atherosklerose, Niereninsuffizienz, Schlaganfall, Herzinfarkt und Impotenz. Hinzu kommt, dass AGEs die Produktion von aggressiven Sauerstoffspezies fördert. In der Fachsprache Reactive Oxygen Species – kurz ROS – genannt. Umgangssprachlich auch freie Radikale. Diese rauben anderen Molekülen Elektronen, wodurch diese selbst zu freien Radikalen werden. Eine Kettenreaktion, wie in einem Atomreaktor. Verfügt der Körper nun nicht über ausreichend Antioxidantien, werden Zellen und damit Gewebe geschädigt. Doch woher sollen die Antioxidantien kommen, wenn primär nährstoffarme, schnelle Kohlenhydrate gegessen werden?

Tricks der Nahrungsmittelindustrie

Die deutsche Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln schreibt vor, dass in abfallender Reihenfolge die Inhaltsstoffe zuerst aufgeführt werden müssen, die am meisten enthalten sind. Möchte man nun bei einem Produkt den Eindruck erwecken, dass es wenig Zucker enthält, gibt es einen einfachen Trick. Es gibt über 60 Bezeichnungen für Zucker. Viele davon sind auf den ersten Blick für den Laien nicht als Zucker zu erkennen oder werden sogar als besonders gesund dargestellt, wie Agavendicksaft oder Honig. Einen kleinen Auszug davon finden Sie in der folgenden Tabelle. Werden nun verschiedene Zucker verwendet, steht der bekannte Haushaltszucker nicht gleich ganz vorne. Obwohl das Produkt in der Summe nur so vor Zucker strotz, wirkt es beim Durchlesen so, als wäre kaum Zucker enthalten.

Agavendicksaft, Ahornsirup, Ahornzucker, Biorohrzucker, Brauner Rohrzucker, Brauner Zucker, Buttersirup, Carbosirup, Demerara-Zucker, Dextran, Dextrose, Ethylmaltol, Farinzucker, Feinzucker, Fruchtsaft, Fruchtsaftkonzentrat, Fruchtzucker, Fruktose, Fruktose-Glukose-Sirup, Galaktose, gehärteter Zuckkerrohrsaft, Gelbzucker, Gerstenmalz, Glukose, Glukose-Fruktose-Sirup, Glukosesirup, Honig, HFCS-Sirup, Invertzucker, Isoglucose, Kandisfarin, Karamell, Kristalline Fruktose, Kristallisierter Zuckerrohrsaft, Laktose, Maissirup, Maltodextrin, Maltose, Malz, Malzsirup, Mannose, Melasse, Milchzucker, Muskovade, Palmzucker, Puderzucker, Reissirup, Rohrohrzucker, Rohrzucker, Rohzucker, Rübenkraut, Rübensirup, Rübenzucker, Saccharose, Sorghumsirup, Stärkesirup, Stärkezucker, Traubenzucker, Turbinado-Zucker, Zucker, Zuckerhirsesirup, Zuckerrohrmelasse, Zuckersirup

Wie man sich richtig ernährt

Der Trend zu Produkten mit reduziertem Zuckeranteil ist also nicht nur ein aktueller Modetrend, sondern gesundheitlich sinnvoll. Essen Sie möglichst nährstoffhaltige, komplexe Kohlenhydrate in Form von Gemüse. Dieses können Sie entweder roh oder leicht gedünstet verzehren. Achten Sie nun noch auf saisonale und regionale Ware, im Idealfall aus biologischer Landwirtschaft. So wird es reif geerntet, hat nur kurze Transportwege bis zu Ihnen nach Hause, enthält möglichst viele Nährstoffe und möglichst keine Pestizide.

Achten Sie beim Einkauf industriell gefertigter Produkte darauf, dass diesen möglichst wenig Zucker zugesetzt ist – mit welchem Namen auch immer. Im Idealfall liegt der Zuckeranteil bei maximal 5 Prozent. Lassen Sie sich nicht mit Hinweisen wie „enthält von Natur aus Zucker“ täuschen. Damit ist in der Regel Fruchtzucker gemeint. Der ist in Maßen in Ordnung, wenn er aus der vollen Frucht stammt, die frisch gegessen wird.

Vermeiden Sie möglichst auch Diätprodukte und/oder spezielle zuckerfreie Zero-Produkte. Diesen sind oft künstliche Süßstoffe zugefügt. Viele davon täuschen Ihrem Gehirn durch den süßen Geschmack vor, dass nun Zucker in den Körper kommt. Das Gehirn reagiert darauf, sendet Signale an die Bauspeicheldrüse, die mit der Produktion von Insulin beginnt. Dies wird kephale Phase genannt. Da nun aber kein Zucker kommt, packt das Insulin den Blutzucker in die Zellen. Der Spiegel kann nun auf einen kritischen Wert sinken. Das alarmiert, wie oben beschrieben, das Gehirn: Gefahr des Verhungerns der Hirnzellen, sofort Kohlenhydrate essen. Und schon greift man nach der Diät-Limo zum Schokoriegel.

Da Zucker als Geschmacksträger inzwischen fast überall eingesetzt wird, bekommen Sie noch immer genug davon. Deshalb sollten Sie, wo immer Sie es selbst in der Hand haben, vermeiden, Zucker zu sich zu nehmen. Am Anfang können regelrechte Entzugssymptome entstehen, wenn Sie bewusst auf Zucker verzichten. Haben Sie einen solchen Zucker-Detox überstanden, werden Sie jedoch sehr viele positive Erlebnisse haben. Entzündungen (was macht zum Beispiel Ihr Zahnfleisch?) gehen deutlich zurück, der Schlaf verbessert sich, Sie werden insgesamt leistungsfähiger, auch im Kopf. Ihre Triglyceridwerte sinken. Weiterhin verändern sich Ihre Geschmacksknospen. Was Ihnen früher geschmacklich zu fad war, ist nun angenehm süß. Dafür werden Ihnen viele Speisen plötzlich viel zu süß vorkommen.

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Joachim Haid

Joachim Haid ist Geschäftsführer von Softfin und Initiator des Fitness- und Ernährungsprogramms PaleoMental, zudem Ernährungsberater und Fitnesstrainer mit A-Lizenz.

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