Die gute alte Akte aus Papier: Obwohl die digitale Erfassung der Patientendaten längst Einzug in Kliniken und Krankenhäuser gehalten hat, wird vielerorts parallel eine analoge Patientenkartei angelegt, die naturgemäß immun gegen jede Art digitaler Angriffe ist. © dpa/picture alliance
  • Von Anette Bierbaum
  • 07.01.2019 um 09:40
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Das deutsche Gesundheitswesen hinkt digital hinterher. Nach 20-jähriger Planungsphase soll nun 2021 endlich die digitale Krankenakte kommen. Noch sieht die Lage in deutschen Praxen und Krankenhäusern aber anders aus. Größte Baustellen: der Netzausbau und sinnvolle digitale Prüfstandards.

Nachteile der elektronische Patientenakte: Sicherheitslecks und fehlende Kontrollen

Beispielsweise hätten Hacker auf persönliche Daten wie das Geburtsdatum und Alter des Patienten, die E-Mail-Adresse und Versicherungsnummer sowie das Profilbild und den Namen des behandelnden Arztes auslesen können. Außerdem sei es möglich gewesen, auf die einzelnen Befunde zuzugreifen. Mittlerweile sind die Sicherheitslecks behoben.

Um solche bedenklichen Online-Risiken gar nicht erst aufkommen zu lassen, stehen aus Sicht des Experten die Landesdatenschutzbeauftragten in der Pflicht, vorbeugende Kontrollen auszuarbeiten: „Denn wenn es erst einmal zu Datenabflüssen kommt, ist es zu spät“, betont IT-Experte Glied. Bei der Anzahl an Diagnose-Apps, die auf den Markt strömen, kommt derzeit noch ein ganz anderes Problem hinzu: Die fehlende Evidenz. Virtuelle Diagnosen können sowohl mit als auch ohne eine zusätzliche ärztliche Begleitung durchgeführt werden, es kann sich um digitale Programme handeln, die auf Symptombeschreibungen basieren, oder um Software, die körpereigene Proben examiniert und hiermit Diagnosen durchgeführt. All das erschwert eine systematische Evaluation und Kontrolle erheblich.

Dass Krankenkassen mit privaten IT-Anbietern kooperieren, ist aus Sicht von Fachmann Glied dennoch sinnvoll. Versicherungsnehmer könnten so zum Beispiel die Möglichkeit bekommen, ohne bürokratische Hürden mit den persönlichen Krankendaten von einer Krankenkasse zur anderen zu wechseln. Um das zu regulieren, seien allerdings Standards durch die öffentliche Hand erforderlich.

Verschlüsselung medizinischer Daten

Ein weiteres wichtiges Thema: die Verschlüsselungsproblematik. Mediziner und Krankenhausverwaltungen müssten darüber aufgeklärt werden, welche Technologien bei der Übertragung genutzt werden dürften. Auch an dieser Stelle sei die Bundesregierung in der Pflicht, klare Maßnahmen und Sicherheitsvorschriften vorzugeben – beispielsweise müsse das Bewusstsein dafür geschaffen werden, mit welchen Tools Ärzte die Telemedizin umsetzen dürften, ohne die Daten des jeweiligen Patienten zu gefährden.

Dass das deutsche Gesundheitswesen nach wie vor digitales Niemandsland ist, hat aber auch eine andere Erklärung: den unzureichenden digitalen Netzausbau – angefangen mit der  einer schnellen und flächendeckenden Internetverbindung: „Der Breitbandausbau ist durch 5G nicht zu ersetzen und wer weiß, wann die neue Technologie im ländlichen Bereich überhaupt ankommt?“, gibt Karsten Glied zu bedenken.

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Anette Bierbaum

Anette Bierbaum schreibt seit 2015 als freie Redakteurin für Pfefferminzia. Darüber hinaus unterstützt die gelernte PR-Fachfrau seit über zehn Jahren Medienhäuser, PR-Agenturen und redaktionell geprägte Content-Plattformen.

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