Magen- und Darmprobleme beieinflussen auch die seelische Gesundheit eines Menschen. © Copyright: Panthermedia
  • Von Joachim Haid
  • 29.10.2019 um 09:36
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Im dritten und letzten Teil dieser Reihe begeben wir uns an einen dunklen, geheimnisvollen Ort, der in den vergangenen Jahren immer mehr Aufmerksamkeit erhalten hat: den Darm. Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Darm und Gehirn und was hat das alles mit unserem Immunsystem zu tun?

Fragt man Menschen, was unser größtes Organ sei, wird meist als erstes die Haut genannt. Diese bedeckt schließlich unseren kompletten Körper. Im Durchschnitt kommt sie bei einem erwachsenen Menschen auf eine Fläche von etwa 2 Quadratmetern. Das klingt nach viel. Da geht aber noch mehr. Die Lunge beispielsweise hat bereits eine Fläche, die etwa 50 Mal so groß ist und erreicht damit rund 100 Quadratmeter. Dies liegt an den feinen Verästelungen. Im Vergleich zu unserem größten Organ ist das jedoch noch immer wenig. Der Darm erreicht durch seine Ausstülpungen und feinsten Strukturen eine Oberfläche von 400 bis 500 Quadratmetern. Das entspricht der Größe von gut zwei Tennisplätzen – ohne Berücksichtigung der Auslaufflächen.

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Gregor Hasler, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Freiburg, schreibt in seinem Buch „Die Darm-Hirn-Connection“ folgendes über den Darm: „Am Anfang war der Darm. Im Darm entwickelte sich das Hirn. Störungen der Darm-Hirn-Connection tragen zu den häufigsten Krankheiten bei, welche die Lebenszeit massiv verkürzen: Übergewicht, Diabetes und Herzkrankheiten. Sie führen aber auch zu psychischen und neurologischen Krankheiten wie Ess-Störungen, Depressionen, Autismus, posttraumatische Belastungsstörung, Schizophrenie und Demenz“.

Der Zusammenhang zwischen dem Zustand des Darms und Krankheiten ist sehr beachtlich. Besonders spannend am obigen Zitat ist, dass Hasler vom Darm als Anfang spricht. Aus evolutionärer Sicht ist dies nachvollziehbar. Tatsächlich war zuerst der Darm, das Bauchhirn, vorhanden. Das Gehirn entwickelte sich erst später. Wächst ein Fötus im Mutterleib heran, so entwickeln sich Darm und Gehirn aus dem gleichen Keimblatt. So gesehen wäre unser Darm nicht das zweite Gehirn, wie er oft genannt wird, sondern unser erstes. Sowohl Darm als auch Gehirn verfügen über ähnliche Nervenstrukturen, einem Schmerzgedächtnis, ja selbst Geschmackssensoren kommen im Darm vor.

Darm und Erkrankungen

In unserem Darm leben geschätzt bis zu 100 Billionen Mikroben. Das entspricht etwa der Zahl der menschlichen Zellen im gesamten Körper. Allein das Darmmikrobiom bringt es damit auf ein Gewicht von 2 bis 2,5 Kilogramm. Das durchschnittliche Gehirn eines erwachsenen Menschen wiegt etwa 1,3 Kilo. Inzwischen sind über 1.000 verschiedene Bakterienspezies bekannt, die in unserem Darm leben. Wie oben bereits gesehen, besteht bei vielen Krankheiten ein Zusammenhang mit unserem Darm. Immerhin befinden sich im und um den Darm etwa 80 Prozent unseres Immunsystems.

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Joachim Haid

Joachim Haid ist Geschäftsführer von Softfin und Initiator des Fitness- und Ernährungsprogramms PaleoMental, zudem Ernährungsberater und Fitnesstrainer mit A-Lizenz.

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