Bessere Versorgung auf dem Land, erträgliche Pflegeheime Was die Bürgerversicherung nicht lösen wird

Ein Arzt behandelt eine Patientin: Mit einer Bürgerversicherung will die SPD der vermeintlichen Zwei-Klassen-Medizin ein Ende setzen.
Ein Arzt behandelt eine Patientin: Mit einer Bürgerversicherung will die SPD der vermeintlichen Zwei-Klassen-Medizin ein Ende setzen. © dpa/picture alliance

Die SPD will die sogenannte Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland abschaffen. Ihre Lösung: Eine Bürgerversicherung, die dafür sorgen soll, dass alle Patienten gleich behandelt werden. „Diagnose richtig, Rezept falsch“, kommentiert die Süddeutsche Zeitung den Plan der Sozialdemokraten – und beschreibt, was es stattdessen für ein „echtes Konzept“ bräuchte.

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Die Arztpraxis sei der Ort, an dem die Deutschen den Nutzen der Bürgerversicherung spüren sollen – das meint die Süddeutsche Zeitung (SZ) in einem Kommentar über die Gesundheitspläne der SPD. Doch SZ-Journalistin Kristiana Ludwig hält dieses Ziel für zu kurz gesprungen. Zwar wäre es „sicher ein Erfolg“, wenn es sich für Ärzte nicht mehr lohnen würde, Privatpatienten zu bevorzugen, weil alle Menschen gleich versichert wären.

Privatversicherte oft gar nicht das Problem

Allerdings seien Privatversicherte in vielen Regionen Deutschlands gar nicht das Problem – nämlich dort nicht, „wo Bürger die größten Schwierigkeiten haben, einen Arzttermin zu bekommen oder sehr weit zur nächsten Praxis fahren müssen“. Also vor allem: Auf dem Land und in Ostdeutschland. Dort fehlten schlicht die Mediziner, schreibt Ludwig – und meint: Eine neue Krankenversicherung allein werde „sicher keinen Neurologen oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt motivieren, in den Osten umzuziehen“.

Konzepte für ländliche Regionen gefragt

Um allen Bürgern den gleichen Zugang zum Gesundheitssystem zu sichern, bräuchte es daher „kluge Lösungen für ländliche Regionen“. Dies könnten zentrale Kliniken sein, in denen auch Hausärzte praktizierten, so Ludwig. Zudem fehle ein Plan, wie Pflegeheime zu „erträglicheren Orten“ werden könnten. „Wenn sich hier nichts ändert, dann werden die Abgehängten, von denen Sozialdemokraten in ihren Gerechtigkeitsreden stets erzählen, weiterhin abgehängt bleiben“, folgert die Autorin.

Um mehr Gerechtigkeit im Gesundheitswesen zu schaffen, fehle den Sozialdemokraten „ein echtes Konzept“. Zwar wolle die Partei „ein solidarisches Krankenkassensystem“ einführen, das auch wohlhabende Bürger an den Gesundheitsausgaben beteilige. Doch hier hakt es aus Sicht der Autorin: Denn das tatsächliche Vermögen der Bürger solle für ihren Beitrag keine Rolle spielen, sondern nur ihr Verdienst. „Firmenchefs aber können ihr Einkommen leicht kleinrechnen“, kritisiert Ludwig.

SPD-Pläne lassen Medikamenten-Zuzahlungen vollkommen außen vor

Zudem lasse die Reform das Thema Medikamenten-Zuzahlungen vollkommen außen vor. Ein Fehler, findet die Autorin. Denn die Realität in Deutschland sehe leider so aus, dass zu oft das Einkommen darüber entscheide, wie gut ein Mensch medizinisch versorgt sei. „Wer arm ist und Schulden hat, ist nachweislich häufiger krank und geht seltener zum Arzt. Oft können diese Leute die Zuzahlungen für Medikamente nicht aufbringen“, so Ludwig.

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