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Berufsunfähigkeitsversicherung Makler ärgern sich erneut über WWK

Versicherungsmakler Tobias Bierl
Versicherungsmakler Tobias Bierl © privat

Bis zu 40 Prozent mehr sollen versicherte Kunden der WWK Leben für ihre Berufsunfähigkeitsversicherung zahlen. Neben dem drastischen Preissprung stößt aber vor allem die Kommunikationspolitik des Versicherers bei Maklern auf Unverständnis – so auch bei Tobias Bierl, der in seinem Blog über den Vorgang berichtet hat. Pfefferminzia hat bei ihm nachgefragt, ob sich die WWK inzwischen bei ihm gemeldet hat. Die Antwort gibt es hier.

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Viele Kunden, die sich bei der WWK Leben gegen Tod und Berufsunfähigkeit versichert haben, ist das neue Jahr mit einer unschönen Nachricht gestartet. Zum Jahreswechsel hat der Münchener Lebensversicherer die Zahlbeiträge, in der Branche auch als Netto-Beiträge bekannt, in manchen Tarifen der Berufsunfähigkeitsversicherung um bis zu 40 Prozent erhöht, in der Risikolebensversicherung gar um mehr als 100 Prozent – ohne dass sich zugleich die jeweiligen Leistungen verbessert hätten. Das berichten der Versicherungsmakler Tobias Bierl am 22. Dezember 2017 auf seinem Blog sowie mehrere Makler in Online-Foren.

Dabei ist vielen Vermittlern noch die ähnlich starke Beitragserhöhung der WWK zum Januar 2016 in guter beziehungsweise unguter Erinnerung – auch damals waren Kunden in der BU- und Risikolebensversicherung betroffen (wir berichteten).

Die abermals deutliche Verteuerung des BU-und Risikoleben-Schutzes ist aber nicht der einzige Aufreger für die Makler. So ärgert sich Tobias Bierl vor allem über die Art und Weise, wie die WWK bei der ganzen Angelegenheit vorgegangen ist. Er berichtet von einem Fall, wonach ein BU-Kunde statt 1.089 Euro künftig knapp 34 Prozent mehr zahlen soll, nämlich rund 1.458 Euro. Der Brief flatterte dem Versicherten laut Bierl drei Tage vor Heiligabend ins Haus – obwohl dieser noch im November einen normalen Beitragsnachtrag erhalten hatte. Demnach sollte die Prämie aufgrund einer Beitragsdynamik lediglich um 3 Prozent höher ausfallen, womit aber – anders als im Schreiben im Folgemonat – auch die abgesicherte Leistung steigt.

„Das Thema rumort in Maklerkreisen“

Pfefferminzia hat am vergangenen Freitag bei Tobias Bierl nachgefragt, ob die WWK bereits auf ihn zugegangen sei. „Nein, ich habe von der WWK bisher keine Rückmeldung erhalten“, erklärt er uns. Das würde er aber auch nicht erwarten, so Bierl, da er die WWK auch nicht direkt angefragt habe.

„Wir haben bei der WWK genau einen Vertrag“, so Bierl weiter, deshalb hält er die Lage auch für „überschaubar“. Allerdings seien viele besorgte Kunden in den vergangenen ein bis zwei Wochen auf sein Maklerbüro zugekommen. Zudem „rumort das Thema sehr in Maklerkreisen“, so Bierl. So hätten manche Kollegen 50 bis 100 BU-Verträge der WWK in ihrem Bestand. „Auch diese bekamen aber keine Info vorher. Das ist natürlich sehr ärgerlich“, echauffiert sich der Makler.

Darüber hinaus hätten viele Kunden sogar erst am 28./29. Dezember die Info der Beitragserhöhung erhalten, fährt Bierl fort. Die Kunden hätten dann umgehend bei der WWK angerufen, aber über zwei Tage hinweg habe es nur eine Tonbandansage gegeben und es sei niemand zu erreichen gewesen, so der Vorwurf des Maklers.

Mittlerweile hat sich unter anderem auch der Finanzjournalist und Chefredakteur des Verbraucherportals Finanztip, Hermann-Josef Tenhagen, dem Thema angenommen. In seiner aktuellen Kolumne auf Spiegel Online kritisiert er nicht nur das Kommunikationsverhalten der WWK in harschem Ton („Pressestelle und Geschäftsführung der WWK haben vom 21. Dezember 2017 bis zum Redaktionsschluss am 5. Januar 2018 um 12 Uhr alle Anfragen von Finanztip um eine Stellungnahme ignoriert. Wir können nur hoffen, dass Kunden im Leistungsfall nicht ähnlich behandelt werden.“). Vor allem geht er in seinem Beitrag auf eine „unangenehme Eigenheit bei Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherungen“ ein. Denn solche Erhöhungen seien dort „umstandslos möglich“, wie er schreibt.

„Der Versicherer kann mit dem schön niedrigen Preis sein Produkt viel besser verkaufen“

Demnach nutze die WWK eine Vertragsklausel, die in vielen Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherungsverträgen enthalten sei: „Der Versicherer nennt einen Bruttopreis, also den Betrag, den die Versicherung eigentlich Jahr für Jahr kosten müsste - verlangt aber nur einen Nettopreis, der deutlich niedriger ist“, berichtet Tenhagen. Dies habe den Hintergrund, dass die Versicherer „die ohnehin relativ hohen Beiträge der Kunden am Kapitalmarkt anlegen“. Die dort erwirtschafteten Renditen verwendeten sie dann zur Beitragsminderung. Außerdem seien die Zahl der Schäden und die jeweiligen Kosten oft niedriger, als vom Versicherer ursprünglich erwartet.

„Der Vorteil für den Versicherer: Er kann mit dem schön niedrigen Preis sein Produkt viel besser verkaufen“, schreibt der Finanzjournalist. „Und wenn das Geld dann nicht reicht, kann er bis zum ursprünglich genannten Bruttopreis erhöhen – im Fall der WWK zu diesem Jahreswechsel oft um 30 bis 40 Prozent.“

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