Amazon und Co. „können alle Daten in einen Topf werfen“ Signal-Iduna-Chef beklagt ungleiche Regelungen beim Datenschutz

Ulrich Leitermann, Vorsitzender der Vorstände der Signal Iduna Gruppe
Ulrich Leitermann, Vorsitzender der Vorstände der Signal Iduna Gruppe © Signal Iduna

Die Informationen eines Kunden in der Krankenversicherung dürfe die Signal Iduna nicht in der Lebensversicherung verwenden – hingegen würden Google, Facebook und Amazon „alle Daten in einen Topf werfen und keinen stört es“, ärgert sich Konzernchef Ulrich Leitermann. Gegen diese Wettbewerbsverzerrung müsse sich die Versicherungsbranche wehren, forderte Leitermann in einem Interview. Darin kündigte er auch eine neue digitale bAV-Plattform für kleine Handwerksbetriebe an.

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Vor wenigen Wochen dachte Allianz-Chef Oliver Bäte laut über eine stärkere Kontrolle von Internetkonzernen nach. „Wenn wir in der Lebensversicherung 75 Prozent Marktanteil hätten, würde sicher jemand kommen und sagen, das geht so nicht, das ist ein Monopolist“, sagte Bäte im Gespräch mit dem Handelsblatt. Schließlich sammelten Firmen wie Amazon und Google Daten ihrer Kunden „wie verrückt“.

In der gleichen Zeitung äußerte sich nun auch Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann kritisch über die vermeintlich ungleichen Regelungen beim Datenschutz, die einerseits für Versicherer und andererseits für die großen US-Tech-Riesen Google, Amazon, Facebook gelten würden.

Die großen Plattformen hätten derzeit „einen unfairen Wettbewerbsvorteil“, so Leitermann, der von der Politik ausgelöst worden sei. „Versicherer müssen strengste Datenschutzregeln befolgen. Und Unternehmen wie Facebook haben zig Datenskandale in Folge – und nichts passiert. Der Gesetzgeber schaut einfach zu.“ Die unterschiedlichen Maßstäbe beim Datenschutz seien für den Kunden nicht verständlich, befand der Signal-Iduna-Chef.

Neue Plattformen für Handwerksbetriebe und Bäckereien

Im Interview machte Leitermann außerdem deutlich, dass sein Unternehmen die Vorteile einer Plattform-Technologie ebenfalls für sich nutzen möchte. Konkret geht es dabei um eine digitale Verwaltungsplattform in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) als Teil des Transformationsprogramms „Vision 2023“. Die Plattform sei gezielt auf Handwerksunternehmen zugeschnitten. So hätten bislang rund eine Million Betriebe, die nur über eine „Handvoll Mitarbeiter“ verfügten, davor zurückgeschreckt, eine bAV anzubieten, weil ihnen der Verwaltungsaufwand zu groß gewesen sei. Die neue digitale Plattform solle das nun ändern.

Geplant ist zudem eine neue Plattform, an der Bäcker ihre „smarten Backöfen“ anschließen sollen. Diese warne beispielsweise bei drohenden technischen Problemen und liefere unter anderem Wetterdaten, um die Nachfrage besser einschätzen zu können.

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