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Weltweite Insurtech-Studie „Auf einige Insurtechs kommen schwierige Zeiten zu“

Heinz Schmeer (91), ältester Teilnehmer eines Tablet-Lernkurses, und seine Frau Hilde (81) üben in Saarbrücken mit Tablet-Computern.
Heinz Schmeer (91), ältester Teilnehmer eines Tablet-Lernkurses, und seine Frau Hilde (81) üben in Saarbrücken mit Tablet-Computern. © dpa/picture alliance

Mehr als 1.000 Start-ups sind in der Versicherungsbranche aktiv – doch längst nicht alle sind strategisch gut positioniert. Das zeigt eine Analyse der Unternehmensberatung Oliver Wyman und des Policenhändlers Policen Direkt. So würden sich viele Insurtechs auf Geschäftsmodelle setzen, die wenig Ertrag bieten und andere lukrative Felder dafür vernachlässigen.

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„Während die meisten Versicherungsunternehmen Insurtech-Aktivitäten in der Vergangenheit zunächst außeracht ließen, sitzen Insurtech-Gründer heute längst auf Panel-Diskussionen wie selbstverständlich neben Geschäftsführer großer Traditionsanbieter“, sagt Nikolai Dördrechter, Geschäftsführer von Policen Direkt und Co-Autor der Studie. „Kaum jemand unterschätzt die Insurtechs heute noch. Die interessantere Frage: Wo überschätzen sie sich selbst?“

Die Gemeinschaftsstudie kommt zum Ergebnis, dass eine Konsolidierung im Insurtech-Markt bevorsteht. „Auf einige Insurtechs kommen schwierige Zeiten zu“, sagt Kottmann. Gerade in bereits überbesetzten Geschäftsfeldern, die häufig in den Bereichen Angebot und Vertrieb anzutreffen sind, sei eine Bereinigung unvermeidlich. „In der heutigen ersten Welle traten auch Start-ups an, die kaum über Branchenwissen verfügten“, sagt Kottmann. Das räche sich jetzt.

Auch einige Investoren irrten mit der Annahme, es ließen sich ähnlich wie im disruptiven E-Commerce einfach Nachfrageströme unterbrechen und umleiten. „Dieser Ansatz läuft im Versicherungsgeschäft meist ins Leere. Denn es existieren nur sehr wenige Gebiete, in denen Kunden aktiv nach einer Absicherung suchen“, sagt Kottmann.

Bei der zweiten Welle gehen die Studienautoren von besser aufgestellten Insurtechs aus. Heißt: Sie haben mehr Branchenwissen und die intelligenteren Ansätze. Beispiel Zhong An. Mehr als 450 Millionen Kunden gewann der Online-Versicherer aus Schanghai nach eigenen Angaben, seit er 2013 startete. Ausgestattet mit umgerechnet 930 Millionen Dollar Investorengeld will das Insurtech nun in den Weltmarkt starten. „Es ist eine reine Frage der Zeit, bis Unternehmen wie Zhong An die europäischen Märkte bearbeiten“, sagt Dietmar Kottmann, Insurance-Partner bei Oliver Wyman.

Im Versicherungsbetrieb wäre viel zu holen

Um zu einer realistischen Einschätzung der Chancen und Risiken zu kommen, haben die Studienautoren 19 Geschäftssegmente in Marktgröße und Erfolgsaussichten bewertet – und mit der Aktivität der Insurtechs verglichen. „Es zeigt sich ein deutliches Ungleichgewicht zwischen investiertem Wagniskapital und vorhandenem Potenzial“, sagt Kottmann. So seien die europäischen Insurtechs vor allem beim Angebot situativer und Community-basierter Produkte stark – das seien aber nicht sonderlich gewinnträchtige Geschäftsfelder.

Mehr Hoffnung auf nachhaltigen Erfolg machen die Experten jenen Start-ups, die den Betrieb digitalisieren. „Dort finden sich viele attraktive Chancen“, sagt Kottmann und verweist auf Technologien, die den Vertrieb unterstützen („Digital Sales Enabling“), die Schadenabwickung erleichtern („Claims Management“) oder versicherungstechnische Kernprozesse optimieren („Underwriting“).

Die vollständige Studie „Insurtech caught on the Radar – Hype or the next Frontier?“ steht auf der Oliver-Wyman-Website und der Policen-Direkt-Website zum Download bereit.

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