Gut zwei Drittel (64 Prozent) der Deutschen stimmen der These zu, wonach das hiesige Gesundheitssystem zu den Top-3 in der Welt gehöre, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage durch die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PWC). Zudem sind 79 Prozent der Bundesbürger der Ansicht, dass sie alle Leistungen für eine gute medizinische Versorgung erhalten würden (wir berichteten).

Wenn es Kritik an der heimischen Gesundheitsversorgung gibt, dann bezieht sich diese vor allem auf Bereiche, die man in anderen Teilen der Welt – so auch in vielen Ländern Europas – wohl als Luxusprobleme abtun würde: „Die Ärzte nehmen sich nach Einschätzung der Befragten zu wenig Zeit für ihre Patienten“, berichten die Studienautoren von PWC. Dieser Ansicht sind 41 Prozent der gesetzlich Versicherten, bei den Privatversicherten sind es immerhin noch 32 Prozent.

Zustände „wie in der Hölle“

Nun ja, das kann man so finden. Allerdings wären Patienten im Vereinigten Königreich heilfroh, wenn sie überhaupt mal einen Arzt zu Gesicht bekämen: Mehr als 35 Stunden habe eine 66-Jährige nach einem Schlaganfall auf dem Flur einer britischen Klinik gelegen, berichtete kürzlich die Bild-Zeitung, die angesichts weinender Krankenschwestern von Zuständen „wie in der Hölle“ schrieb.

Doch auch eine objektive Studie der British Medical Association (BMA) kommt zu einem vernichtenden Ergebnis: „Operationen werden oft monatelang hinausgezögert, Krankheitswellen können nur schwer bewältigt werden, weil die Krankenhausplätze schon unter normalen Umständen ausgelastet sind“, berichtet der Spiegel über die Studie, „die das Ausmaß des jahrelangen Sparens im NHS geißelt“.