EU-Kommissarin Mairead McGuinness startete im vergangenen Jahr die Diskussion um ein mögliches Provisionsverbot © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Virginia Mayo
  • Von Sabine Groth
  • 13.02.2024 um 10:26
artikel drucken artikel drucken
lesedauer Lesedauer: ca. 02:30 Min

Ein zentraler Punkt der geplanten Kleinanlegerstrategie ist für Makler das partielle Provisionsverbot. Doch hat es tatsächlich nur Nachteile? Und wie wirkt sich die Richtlinie auf den Markt aus? Pfefferminzia hat zusammen mit den Marktforschern von Nordlight Research bei seinen Lesern und Leserinnen nachgefragt. Das förderte Schlechtes, aber auch Gutes zutage – und einige markige Aussagen.

Die geplante EU-Kleinanlegerstrategie soll die Geldanlage verbraucherfreundlicher gestalten und das bisher vielfach schwierige Verhältnis von Kleinanlegern und Kapitalmärkten verbessern. Die EU-Kommission sieht hierfür in ihrem Entwurf zur Richtlinie auch ein Provisionsverbot in bestimmten Bereichen vor, unter anderem für die unabhängige Beratung zu Versicherungsanlageprodukten.

Die Maklerschaft ist not amused und steht mit ihrem Unmut nicht allein da. Schließlich könnten die partiellen Verbote – so die Befürchtungen – nur der erste Schritt sein und den Weg zu einem generellen Provisionsverbot ebnen.

„Provisionsverbote schaden dem Kunden“

Aber nicht nur aus Maklersicht, auch aus der Sicht der Anleger sind Provisionsverbote nicht von Vorteil. So sieht das zumindest der Großteil der Teilnehmer an der Pfefferminzia-Umfrage zu dem Thema, die das Marktforschungsinstitut Nordlight Research durchführte. Befragt wurden Abonnenten des Pfefferminzia-Newsletters.

Während 79 Prozent der Meinung sind, dass ein partielles Provisionsverbot für Makler mehr Nachteile als Vorteile bringt, erwarten 64 Prozent das gleiche für ihre Privatkunden. Bei einem vollständigen Provisionsverbot würden sogar noch mehr Befragte überwiegend mit Nachteilen für die Kunden rechnen.

„Durch ein (teilweises) Provisionsverbot werden große Teile der Bevölkerung von der Altersversorgungsberatung abgeschnitten, da sie sich eine Honorarvereinbarung nicht leisten können“, begründet ein Umfrageteilnehmer. Oder ein anderer: „Ausführliche und passgenaue Beratung wird so nicht mehr möglich sein, da das Entgelt dazu nicht ausreicht.“

Das bewertet einer (der wenigen) der Honorarberatung zugeneigten Umfrageteilnehmer anders: „Das Argument, schwache Einkommensgruppen können sich keine Beratung leisten, ist absurd und negiert die Tatsache, dass sie sich diese dann teure Provision auch leisten müssen und dazu den Interessenskonflikten der Berater vollständig und schutzlos ausgeliefert sind.“

Weniger Kunden und Nachwuchssorgen

Insgesamt glauben 83 Prozent der Befragten, dass sich – falls die Kleinanlegerstrategie wie derzeit geplant umgesetzt wird – weniger Kunden überhaupt beraten lassen. Drei von vier erwarten, dass die Kunden weniger Geld anlegen, ebenso viele rechnen damit, dass die Beratung komplizierter wird und auch dass der Maklerberuf für junge Leute an Attraktivität verliert. Etwas mehr als die Hälfte geht davon aus, dass Versicherungsprodukte teurer würden – was der Verbraucherfreundlichkeit nicht gerade dienlich wäre.

Vergleichsportal statt Beratung

Durch die Kleinanlegerstrategie könnte sich auch das Kundenverhalten verändern. So erwartet das Gros der Umfrageteilnehmer, dass Vergleichsportale stärker genutzt werden (72 Prozent) und ebenso Online-Beratungs- und Investment-Tools sowie Robo-Advisor (67 Prozent). Eine Beratung hingegen wird nur noch bei komplexen Produkten (75 Prozent) und riskanten Entscheidungen (71 Prozent) genutzt.

Dürftige Vergütung: 50 Euro pro Beratung

Nur 6 Prozent glauben, dass Kunden bereitwillig ein Honorar für eine Beratung zahlen würden. Die meisten schätzen, dass maximal 30 Prozent ihrer Kunden bereit wären, für eine Honorarberatung zu zahlen. Und wie viel würden sie bezahlen? Nicht mehr als 50 Euro pro Beratung, meinen 54 Prozent. Ein gutes Drittel kann sich vorstellen, dass den Kunden eine Beratung bis zu 100 Euro wert wäre.

Es gibt auch Positives

Auch wenn es bisher so scheint. Es ist nach Ansicht der Umfrageteilnehmer nicht alles schlecht an der Kleinanlegerstrategie. Das verpflichtende Informationsblatt, das sämtliche Kosten und Risiken auf der ersten Seite aufführt wird überwiegend positiv bewertet. Auch dass Vermittler eine breitere Produktpalette anbieten sollen, kommt bei vielen gut an. Dass Vermittler getestet werden, um zu gewährleisten, dass im besten Interesse des Kunden gehandelt wird, lehnen nur 35 Prozent ab.

Und zwei weitere Punkte sollten beim Blick auf die Kleinanlegerstrategie nicht zu kurz kommen. Erstens: Erst einmal abwarten. 49 Prozent der Befragten meinen, dass der Gesetzentwurf im Rahmen der politischen Verhandlungen noch gelockert wird.

Zweitens: Nicht nur die Kleinanlegerstrategie weckt Unmut bei Maklern und Beratern. 61 Prozent der Umfrageteilnehmer fühlten sich in den vergangenen fünf Jahren durch politische Entscheidungen „eindeutig schlecht unterstützt“, weitere 29 Prozent „eher schlecht unterstützt“.

Vielleicht könnte dies der Rat eines Umfrageteilnehmers künftig ändern: „Die Entscheidungsträger sollten sich vorab erst einmal ein Bild der Lage der Makler machen, bevor sie irgendwelche die Maklerschaft und ihre Kunden betreffenden Gesetze beschließen. Leider haben die meisten Politiker keine Ahnung von der Wirklichkeit!“

autorAutorin
Sabine

Sabine Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

kommentare

Hinterlasse eine Antwort