Wollen die Rente mittels Generationenkapital stabilisieren: Finanzminister Christian Lindner (li., FDP) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) © picture alliance/dpa | Britta Pedersen
  • Von Andreas Harms
  • 18.08.2023 um 12:55
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Während die Diskussion um die Rente noch läuft, haben sich zwei auf Vermögensanlage spezialisierte Institute einmal intensiv mit dem Generationenkapital auseinandergesetzt. Ihr Bericht soll mit Vorurteilen und Fehleinschätzungen aufräumen und die Möglichkeiten herausstellen. Und das tut er auch.

Das Fazit in der Analyse zum Generationenkapital lautet schlicht und ergreifend: „Spätere Generationen werden dankbar sein!“ Heißt etwas ausführlicher: Für die Rente der Babyboomer wird es kaum was beitragen können, dafür ist die Zeit zu knapp. Aber die darauf folgenden Generationen werden sehr wohl etwas davon haben.

Zu dieser Ansicht kommen Michael Heuser, Wissenschaftlicher Direktor beim Diva Deutsches Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung, und Helge Lach, Vorsitzender beim Bundesverband Deutscher Vermögensberater in einer kürzlich veröffentlichen Analyse.

Darin klopfen sie das von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) auf den Weg gebrachte Generationenkapital auf Stärken und Schwächen ab, vor allem in Hinblick auf gängige Vorurteile. Und weil von denen so einige gibt („Gewagte Wette“, „Zockerei“, „Aktienrente“), stellen die Autoren zunächst einmal fest, was das Generationenkapital alles nicht ist. Es ist nämlich keine Wette, sondern ein mit langfristigem Horizont gemanagter und breit gestreuter Mischfonds. Das ist ein Unterschied (wie wir übrigens ebenfalls betonen).

Fallende Kurse gefährden nicht die Funktionsfähigkeit

Zwar werden die Erträge schwanken – was man über Puffer abfedern kann – fallende Kurse gefährden aber nicht die Funktionsfähigkeit des Generationenkapitals, heißt es. Für Leute, die zwischenzeitliche Verluste als Gegenargument anführen, haben die Autoren deshalb eine klare Ansage: „Wer deshalb als Kritik beispielhaft die deutlich negative einjährige Dax-Performance des Jahres 2022 entgegenhält, hat sich nicht gründlich mit der Idee des Generationenkapitals oder dem Wesen langfristiger Aktieninvestments beschäftigt und entlarvt sich selbst als Polemiker.“

Und es ist auch keine Aktienrente, weil es nicht um eine individuelle Rente auf Aktienbasis geht. Stattdessen soll es das bestehende System ergänzen. So heißt es im Bericht: „Neben den Beiträgen und dem Steuerzuschuss erschließt das Generationenkapital also eine dritte Finanzierungsquelle für die laufenden Renten und kann so dazu beitragen, die drohende Anhebung des Beitragssatzes und/oder des Steuerzuschusses zu dämpfen beziehungsweise ganz zu verhindern.“

Die Autoren stellen fest, dass das Generationenkapital den Druck auf Rentenbeiträge und Bundeszuschüsse senken wird. Es ist der gesetzlichen Rente zugeordnet, was die Studienautoren für besonders wichtig halten.

Was sie hingegen gar nicht mögen, ist die Idee eines Staatsfonds in der privaten Altersvorsorge, wie er den Grünen vorschwebt. So ein Fonds würde der gesetzlichen Rente nicht helfen. Außerdem sei die private Vorsorge Sache der Bürger und der privaten Finanzwirtschaft, heißt es weiter: „Die Politik hat dabei als Schiedsrichter den Rahmen zu setzen, nicht aber mit einem staatlich verantworteten Fonds als übermächtiger Spieler am Spiel teilzunehmen.“

Seite 2: Vier weitere Aspekte zum Generationenkapital

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Andreas Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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