Stille Teilhaber um Kapital betrogen? Versicherer verklagen HSH Nordbank

Blick auf den Eingangsbereich der HSH Nordbank in der Hamburger Innenstadt. Die Bank wird nach ihrer jahrelangen Krisengeschichte in diesem Sommer frei von Altlasten an ihre neuen Eigentümer übergeben.
Blick auf den Eingangsbereich der HSH Nordbank in der Hamburger Innenstadt. Die Bank wird nach ihrer jahrelangen Krisengeschichte in diesem Sommer frei von Altlasten an ihre neuen Eigentümer übergeben. © dpa/picture alliance

Der Verkauf fauler Kredite sollte für die HSH Nordbank ein Befreiungsschlag sein – doch dem Institut droht laut eines Medienberichts rechtliches Ungemach seitens mehrerer Versicherer. Die Gesellschaften, die sich als stille Teilhaber bei der Bank engagiert haben, fürchten bei dem geplanten Milliardendeal schlecht auszusehen – und haben die HSH verklagt.

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Die HSH Nordbank ist der Versicherungsbranche schon länger ein Dorn im Auge: Ein Kreis mit durchaus namhaften Vertretern glaubt, das Kreditinstitut enthalte ihnen bereits seit mehreren Jahren Kapital vor, indem das angeschlagene Geldhaus zu Unrecht Verluste ausgewiesen habe. Nun dürfte wohl das Landgericht Kiel den Vorwürfen nachgehen, denn wie die Welt berichtet, wird die HSH Nordbank von mehreren Versicherern verklagt.

Konkret geht es um stille Einlagen, die einige Gesellschaften – darunter Talanx, Baloise und Huk-Coburg – bei dem Institut halten. Diese Einlagen werden relevant, wenn die HSH Nordbank ihr Vorhaben umsetzt, einen großen Teil ihrer faulen Kredite mit einem Milliardenabschlag zu verkaufen. Hintergrund: Statt der 3,5 Milliarden Euro, die bei der Bank in den Büchern stehen, hat ein Gutachten den Wert der Altlasten nur auf 2,45 Milliarden Euro angegeben – und auch nur diese Summe würde die Zweckgesellschaft der neuen Eigentümer rund um die US-Investoren Cerberus und J.C. Flowers bezahlen.

Die Lücke zwischen Buch- und Realwert von rund einer Milliarde Euro müsste die Bank tragen – und somit auch jene Versicherer, die als stille Teilhaber bei der HSH Nordbank auftreten. „Als Besitzer stiller Einlagen haben sie in den Jahren, in denen die Bank Gewinne erwirtschaftete, vom Erfolg profitiert. Doch das Konstrukt sieht vor, dass sie bei Verlusten herangezogen werden“, erklärt die Welt die Vereinbarung zwischen Bank und Versicherer. Die betroffenen Gesellschaften sind nun laut dem Bericht der Meinung, in den Jahren 2012, 2014 und 2016 um ihr Kapital gebracht worden zu sein. Das Landgericht Kiel habe demnach zu klären, ob die Bank in den betroffenen Jahren tatsächlich einen Verlust ausweisen musste oder nicht.

Hat die HSH unnötig Verluste erzeugt?, fragen sich die Versicherer

Konkret werfen die Kläger der Bank vor, dass das Geldhaus in dieser Zeit seinen gesamten Gewinn dem Fonds für allgemeine Bankrisiken zugewiesen habe – und nichts an die Besitzer der stillen Einlagen. „In den Jahren 2012 und 2014 seien die Zahlungen an den Fonds sogar so hoch gewesen, dass dadurch Verluste unnötig erzeugt worden seien“, berichtet die Welt und verweist dabei auf die Kanzlei der klagenden Versicherer.

Bei der Bank selbst bewerte man die Klagen, die zum Teil bereits aus dem Jahr 2016 stammen, zum Teil aber auch von Ende 2017, nüchtern, berichtet die Zeitung. „Die Klagen sind seit Längerem anhängig. Wir sehen dem sehr gelassen entgegen“, sagte ein Sprecher der HSH Nordbank gegenüber der Welt.

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