Sorge vor „Arbeitsplatzvernichtung“ Debeka-Betriebsräte lehnen Bürgerversicherung ab

Die Debeka-Hauptverwaltung in Koblenz: Deutschlands größter Krankenversicherer ist von dem Plan vieler Politiker, hierzulande eine Bürgerversicherung zu integrieren, nicht angetan.
Die Debeka-Hauptverwaltung in Koblenz: Deutschlands größter Krankenversicherer ist von dem Plan vieler Politiker, hierzulande eine Bürgerversicherung zu integrieren, nicht angetan. © Debeka

Einige Parteien – SPD, Linke und Grüne – unterstützen die Idee einer Bürgerversicherung. Demnach soll das bisherige duale Krankenversicherungssystem aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung in ein einheitliches System überführt werden. Deutschlands größter privater Krankenversicherer, die Debeka, ist von dieser Idee alles andere als begeistert.

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Vor jeder Bundestagswahl erlebt die Idee einer Bürgerversicherung neuen Auftrieb. Grund: der Wahlkampf. Doch nicht überall kommt das Konzept an – zum Beispiel bei den Betriebsräten der Debeka Versicherungen. Zur Bürgerversicherung sagen sie „Nein, danke!“ und „Schluss damit!“, wie aus einer aktuellen Pressemitteilung des größten privaten Krankenversicherers in Deutschland hervorgeht.

Die darin enthaltenen Argumente gegen die Einheitskasse sind nicht neu, werden aber mit umso mehr Leidenschaft vorgetragen:

„Wer wissen will, wie eine Bürgerversicherung in anderen Ländern funktioniert, der soll sich gerne einmal in Großbritannien umhören“, sagt Thomas Hein, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Debeka. Die medizinische Grundversorgung sei dort mehr als dürftig.

„Was an einem solchen System gerecht sein soll, konnten uns in zahlreichen intensiven Gesprächen auch die Bundestagsabgeordneten der entsprechenden Parteien nicht plausibel erklären“, fügt Hein hinzu.

Die freie Arzt- und Krankenhauswahl sowie ein flächendeckendes medizinisches Versorgungsnetz seien im Wesentlichen auf das duale System aus GKV und PKV zurückzuführen, heißt es weiter von Seiten der Debeka-Betriebsräte.

In Einheitssystemen hätten jedoch nur Menschen, die es sich leisten können, Zugriff auf eine höherwertige Versorgung.

Hein: „Jede einzelne Leistung, die nicht über die Grundversorgung abgedeckt ist, muss aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Die Einführung eines solchen Systems wäre der Beginn einer echten Zwei-Klassen-Medizin und würde nicht mehr, sondern weniger soziale Gerechtigkeit für alle bedeuten.“

Deshalb habe eine Bürgerversicherung eine „deutlich schlechtere medizinische Versorgung aller Bürgerinnen und Bürger in Deutschland zur Folge.“

Weniger Arbeitsplätze durch Bürgerversicherung

Außerdem würde sie laut Debeka-Zahlen mehr als 50.000 Arbeitsplätze in der Versicherungswirtschaft vernichten – sowie auch 300.000 Stellen im Gesundheitswesen.

„Bei der Debeka Krankenversicherung alleine stehen Tausende von Arbeits- und Ausbildungsplätzen auf dem Spiel“, so Hein.

„Daher haben sich bereits im Mai 2017 über 650 Betriebsräte der Debeka einstimmig gegen die Einführung einer Bürgerversicherung und die damit verbundene Arbeitsplatzvernichtung ausgesprochen.“

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