Zunächst: Ja, es wird teurer für Kunden der Privatkrankenkassen (PKV). Im Schnitt werden sich die Beiträge zum Jahreswechsel wohl um rund 11 Prozent erhöhen. Wer hat aber Schuld daran? Gerd Güssler, Geschäftsführer des Analysehauses KVpro.de, hat für sich den Haupt-Schurken gefunden. Schuld ist vor allem die politisch gewollte Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

PKV-Kunden zahlen mit ihren Beiträgen für lebenslang garantierte Tarifleistungen; darin ist auch die Tarifliche Altersrückstellung (T-AR) enthalten. Junge Leute zahlen deshalb auch noch mehr in die PKV ein, als sie durchschnittlich an Leistungen verbrauchen.

Dieser Mehrbeitrag wird dann zu einem Rechnungszins angelegt. Vor der Unisex-Umstellung im Dezember 2012 lag der Rechnungszins standardmäßig noch bei den gesetzlich vorgeschriebenen 3,5 Prozent. Danach gab es vielerorts bereits einen reduzierten Rechnungszins von durchschnittlich 2,75 Prozent. Das ist der eine Baustein.



Der andere: „In der Vergangenheit haben die PKV-Versicherer über Jahrzehnte hinweg mehr als 3,5 Prozent Zinsen einnehmen können – und zwar aus ihren gesamten Kapitaleinlagen. Diese Zinseinkünfte nennt man Nettoverzinsung“, so Güssler. Die Differenz zwischen Nettoverzinsung und Rechnungszins nennt sich Überzins. 90 Prozent muss der Versicherer dem Kollektiv zur Verfügung stellen, um die Beiträge zu stabilisieren.

Und jetzt das Problem: Dieser Überzins fällt langsam aus, und der Rechnungszins nicht mehr erreicht werden kann. Daraus ergibt sich also, dass der eigentliche Übeltäter der höheren Kosten ab Januar eben diese politisch gewollte Nullzinspolitik ist, findet Güssler.