Der Westhafen-Tower in Frankfurt ist Sitz der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA). Am jüngsten Pensionskassen-Stresstest der Behörde regt sich nun Kritik. © picture alliance/dpa
  • Von Manila Klafack
  • 19.12.2019 um 10:34
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Der diesjährige Stresstest der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa fällt ernüchternd für die hiesigen Pensionskassen und -fonds aus. „Risiken durch unerwartete Marktszenarien dürften substanzielle Auswirkungen auf die Finanzausstattung haben, die Träger müssten dann noch mehr Hilfe leisten“, so das Fazit. Deutsche Pensionsaktuare raten hingegen zu einer umsichtigeren Betrachtung der Lage.

Die Aktuare des Instituts der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung (IVS) mahnen zur Umsicht angesichts der aktuellen Ergebnisse der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa bezüglich der Pensionskassen und -fonds.

„Die Zahlen sind im Kontext der vorgegebenen Systematik der Eiopa zu bewerten und dürfen nicht unreflektiert verwendet werden“, betont Friedemann Lucius, Vorstandsvorsitzender des IVS, in einer Mitteilung der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Gleichwohl sei die Situation zahlreicher Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) aufgrund der anhaltenden Nullzinsphase zunehmend angespannt.

Was genau stört die Versicherungsmathematiker?

In diesem Jahr hat Eiopa die Auswirkungen einer extremen Kapitalmarktsituation auf die Pensionskassen und -fonds untersucht. Dieser Ansatz stelle zwar aus IVS-Sicht ein mögliches Instrument zur Risikobeurteilung dar. „Die Aussagekraft der Ergebnisse über die langfristige Finanzkraft der hiesigen Pensionseinrichtungen und ihrer Trägerunternehmen ist aber begrenzt“, stellt Experte Lucius fest.

Nationale Besonderheiten müssten berücksichtigt werden

Zwar würden die Aktuare der IVS grundsätzlich begrüßen, dass Eiopa länderübergreifend Transparenz schaffen wolle, doch „der jetzt gewählte EU-weit länderübergreifende und damit allgemein gehaltende Ansatz kann“, laut Lucius, die „lokalen Besonderheiten der betrieblichen Altersversorgung nicht in der erforderlichen Differenzierung abbilden“.

Besorgt zeigt sich der IVS-Vorsitzende darüber, dass die Ergebnisse von Eiopa als Beweis für angebliche Finanzierungslücken der EbAV missverstanden werden könnten, wie es beim letzten Stresstest vor zwei Jahren zu beobachten war. Denn ob und inwieweit ein zusätzlicher Finanzbedarf bestehe, hänge maßgeblich davon ab, nach welchen Ansätzen und Vorgaben das Vermögen und die Verpflichtungen der Einrichtung bewertet würden. „Um es klar zu sagen: Mit den aufsichtsrechtlichen Vorgaben einer Bafin, die den nationalen Gegebenheiten Rechnung trägt, sehen wir keine Multimilliarden-Lücke, die von den Trägerunternehmen der Pensionskassen und Pensionsfonds geschlossen werden muss“, so Lucius.

Zugleich weist der IVS-Vorsitzende darauf hin, dass die anhaltende Nullzinsphase den Druck auf die kapitalgedeckte Altersvorsorge in Europa weiter erhöhe. Er appelliert daher an die Währungshüter, bei ihren künftigen Zinsentscheidungen nicht nur das kurzfristige Wachstum, sondern wieder stärker die nachhaltige Vorsorge in den Blick zu nehmen.

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Manila Klafack

Manila Klafack ist Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach Studium und redaktioneller Ausbildung verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

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