Courtagekürzungen im Rahmen des LVRG „Auf Dauer Verluste zu machen, kann nicht die Alternative sein“

Eine partnerschaftlichere Zusammenarbeit zwischen Vermittler und Versicherer wünscht sich Finanzberater Michael Deising.
Eine partnerschaftlichere Zusammenarbeit zwischen Vermittler und Versicherer wünscht sich Finanzberater Michael Deising. © Panthermedia

Egoistisch findet Finanzberater Michael Deising das Verhalten der Versicherer bei der Auslegung des Lebensversicherungreformgesetzes (LVRG). Die Formel „Courtage runter, Haftungszeit rauf“ hält er für eine Verkürzung der eigentlichen Intention des Gesetzgebers. Welche Versicherer er besonders kritisiert und wie sie es hätten besser machen können, erzählt er im Interview.

| , aktualisiert am 17.12.2015 17:29  Drucken
Michael Deising, Vorstandsvorsitzender der Juntos Finanzberatung, ist stinkig. Dass viele Versicherer das LVRG so interpretieren, als ob es ausschließlich um die Kürzung der Courtagen gehe, hält er für falsch. Genauer: „Das ist eine vollkommen einseitige, auch ungerechtfertigte Verkürzung und sogar auch noch unwahre Auslegung der Absichten des Gesetzgebers“, so Deising in einem Interview mit dem Versicherungsjournal. Die Verkürzung auf die Formel „Courtage runter, Haftungszeit nach oben“ sei Egoismus pur seitens der Versicherer.

Zu den Versicherern mit den höchsten Courtagereduzierungen von zum Teil 40 Prozent und Haftzeitverlängerungen gehörten unter anderem Arag, Concordia Oeco Leben, Continentale, Ergo, Helvetia, Ideal, Inter, Interrisk, LV 1871, Neue Leben, Stuttgarter, Volkswohl Bund, Württembergische und Zurich.

Versicherer sollten auch ihren Teil übernehmen

Die einzelnen vorgeschlagenen Modelle könne man aufteilen in Courtagereduzierung ohne Ausgleich, Reduzierung Abschlusscourtage (AC) zu Gunsten laufender Abschlusscourtage (LAC),    Reduzierung AC zugunsten höherer Betreuungscourtage (BC), Reduzierung der AC durch Einführung von Laufzeitfaktoren (LZF), gleichbleibende AC und Verlängerung der Stornohaftzeit (SHZ), Umverteilung der AC.

Fairer fände Deising es, wenn die Versicherer auch ihren Teil übernehmen würden. So könnten sie Kostenreduzierungen nur zur Hälfte an die Makler weitergeben und die andere Hälfte selber tragen.

Die Kunden sind die Leidtragenden

Das Verhalten der Versicherer mache Vermittlern wirtschaftlich das Leben unnötig schwer. Um den Einkommensverlust auszugleichen müssten sie Leistungen kürzen beziehungsweise Kosten erhöhen und das an die  Kunden weitergegeben. Deising: „Natürlich wehren wir uns mit Händen und Füßen gegen derart unpopuläre Maßnahmen, nur auf Dauer Verluste zu machen kann aber auch nicht die Alternative sein, das ist jedem klar.“

Eine weitere Lösung sei es, Aufgaben an Hilfskräfte im Unternehmen weiterzugeben, um so mehr Zeit für die Gewinnung neuer Kunden zu haben. Und: „Viele unnötige Telefonate und Mails wären überflüssig, wenn wir bei den Versicherern direkt entsprechende Fachleute erreichen würden. Wir investieren Stunden und Tage im Jahr, weil hier die Anbieter an der verkehrten Stelle sparen“, so Deising.
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