Ein vom Borkenkäfer zerstörter Wald im Nationalpark Harz. © picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte
  • Von Achim Nixdorf
  • 22.10.2021 um 13:06
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Fast alle deutschen Finanzinstitute beschäftigen sich bereits mit Nachhaltigkeitsrisiken. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Finanzaufsicht Bafin. Allerdings gibt es große Unterschiede in der Umsetzung und in einigen Bereichen ist noch viel Luft nach oben. Die Behörde drängt deshalb zum Handeln.

Wie gehen Finanzunternehmen mit Nachhaltigkeitsrisiken um? Um das herauszufinden, hat die Finanzaufsicht Bafin gut 400 Unternehmen aus dem Banken-, Versicherungs- und Wertpapiersektor befragt. Das Ergebnis: Die ersten Schritte sind getan, doch es besteht noch Handlungsbedarf.

Einerseits gibt es der Umfrage zufolge kaum ein Unternehmen, das Nachhaltigkeitsrisiken für gänzlich irrelevant hält, andererseits würden diese Risiken aber häufig noch unterschätzt. Viele Unternehmen seien auch noch nicht in der Lage, Risiken überhaupt zu identifizieren oder zu beurteilen, heißt es bei der Bafin. Nachholbedarf besteht demnach vor allem im Risikomanagement, insbesondere bei der Verwendung interner Stresstests, aber auch bei strategischen und organisatorischen Festlegungen.

Kredit- und Reputationsrisiken

Acht Risikoarten fragte die Bafin ab. Wie zu erwarten war, sehen fast alle befragten Kreditinstitute einen Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeits- und Kreditrisiken. Immerhin etwas mehr als vier Fünftel der befragten Kredithäuser halten auch Reputationsrisiken für relevant, genau wie 86 Prozent aus dem Versicherungs- und Wertpapierbereich.

Als positiv bewertet die Bafin, dass die befragten Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit nicht nur auf Klima- und Umweltrisiken schauten, sondern in ebenso hohem Maß soziale Faktoren und Aspekte der Unternehmensführung einbezögen, also alle ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) berücksichtigten. Auch seien die Zeiten, in denen Nachhaltigkeitsrisiken auf Vorstandsebene keine Rolle spielten, offenbar vorbei.

Gleichwohl erwartet die Bonner Behörde, dass die von ihr beaufsichtigten Unternehmen ihr Management für Nachhaltigkeitsrisiken verbessern. Mittelfristig werde dies auch Gegenstand des aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsverfahrens sein.

Klimawandel bedroht Versicherungswirtschaft

Der Klimawandel und die Zunahme extremer Wetterlagen stellt nach Ansicht der Bafin vor allem die Versicherungswirtschaft vor große Herausforderungen. Und das nicht nur, weil die Prämien in der Wohngebäude- und Betriebsunterbrechungsversicherung deutlich steigen dürften. „Gelingt es nicht, die Erderwärmung zu bremsen, ist sogar das Geschäftsmodell der Schadenversicherer bedroht“, heißt es in einem Bafin-Bericht.

Dies wiederum hätte weitergehende Auswirkungen auf andere Teile des Finanzsystems, beispielsweise Kreditinstitute, die darauf angewiesen seien, dass die von ihnen finanzierten Immobilien oder Gewerbebetriebe gegen Elementarschäden versichert werden könnten.

Mehr zu den Umfrageergebnissen finden Sie hier.

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Achim Nixdorf

Achim Nixdorf ist seit April 2019 Content- und Projekt-Manager bei Pfefferminzia. Davor arbeitete er als Tageszeitungs- und Zeitschriftenredakteur mit dem Fokus auf Verbraucher- und Ratgeberthemen.

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