AOK-Auswertung Demenz ereilt arme Männer früher als reiche

An Demenz erkrankte Männer in einem Pflegeheim in Frankfurt (Oder).
An Demenz erkrankte Männer in einem Pflegeheim in Frankfurt (Oder). © dpa/picture alliance

Männer mit niedrigem Einkommen und Bildungsstatus erkranken durchschnittlich sechs Jahre früher an Demenz als solche, die gut verdienen und gebildet sind. Das zeigt eine Auswertung der Krankenkasse AOK Rheinland/Hamburg. Sollten Gesundheitspolitiker dieser Erkenntnis folgen, könnten die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) womöglich mehr Geld erhalten, denn sie versichern überdurchschnittlich viele sozial schwache Patienten.

| , aktualisiert am 05.01.2017 08:54  Drucken
Die Auswertung der Krankenkasse AOK Rheinland/Hamburg kommt zu dem Ergebnis, dass Männer mit einem Monatseinkommen von weniger als 800 Euro im Durchschnitt 75 Jahre alt waren als sie ihre erste Demenzdiagnose erhielten, bei Männern mit einem Einkommen von mehr als 1600 Euro traf dies mit rund 81 Jahren zu, also etwa sechs Jahre später.



Auch für die Pflegebedürftigkeit treffe der Zusammenhang zu, dass Männer mit niedrigem Einkommen und Bildungsstatus durchschnittlich sieben Jahre vor Gebildeten und gut Verdienenden zum Pflegefall werden. Das schreibt die Welt, die als erstes über die AOK-Auswertung berichtet hat. Die Zeitung beruft sich dabei auf Versichertendaten der Krankenkasse, die diese im Rahmen ihres aktuellen „Pflege-Reports“ ausgewertet habe.

Demenzforscher erklärten den deutlichen Altersunterschied zum Diagnose-Zeitpunkt damit, „dass Menschen mit vergleichsweise hohem Bildungsstand – und damit in der Regel einem vergleichsweise hohem Einkommen – sich in vielen Fällen gesünder ernähren und mehr Sport treiben“, berichtet die Welt.

Wie auch bei kardiovaskulären Krankheiten, also Schlaganfall oder Herzinfarkt, der Fall, begünstigten eine ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel die Entwicklung von Übergewicht und Bluthochdruck. „Das gilt für die Gefäße im Herzen ebenso wie für jene im Gehirn“, zitiert die Zeitung einen Experten des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in Berlin.

Warum die AOK von den Ergebnissen profitieren könnte

„Auch für die AOK selbst könnte es bedeutsam sein, welche Konsequenzen Gesundheitspolitiker aus ihrer Feststellung ziehen. Denn die Allgemeinen Ortskrankenkassen versichern deutlich mehr Hartz IV-Empfänger und Geringverdiener als zum Beispiel die Techniker Krankenkasse“, mutmaßt die Welt.

Der Beleg, dass ihre Versicherten nicht nur häufiger herzkrank seien, „sondern auch schneller demenzkrank werden, könnte für sie mittelfristig mehr Geld aus dem Umverteilungsmechanismus zwischen den Krankenkassen bedeuten“, schlussfolgert die Zeitung.


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