Wenn die Bürgerversicherung kommt Arztpraxen verlieren laut PKV-Studie 50.000 Euro Honorar im Jahr

Umgerechnet auf die niedergelassenen Ärzte in Deutschland würde die Bürgerversicherung laut Studie Einbußen von 50.200 Euro im Jahr bedeuten.
Umgerechnet auf die niedergelassenen Ärzte in Deutschland würde die Bürgerversicherung laut Studie Einbußen von 50.200 Euro im Jahr bedeuten. © dpa/picture alliance

Sollte die Bürgerversicherung kommen, würde jede Arztpraxis durchschnittlich 50.200 Euro weniger Honorar im Jahr einnehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP).

| , aktualisiert am 12.06.2017 11:07  Drucken

Im anlaufenden Bundestagswahlkampf dürfte die Debatte um die Bürgerversicherung erneut hochköcheln. Entsprechend wappnet sich die private Krankenversicherung (PKV) mit Argumenten, die ihre Position stützen - und das geht am besten über Zahlen.

Wenn die Privatversicherten nach den gleichen Vorgaben und Regularien wie in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) abgerechnet und versorgt würden, „ergäben sich statt den Ausgaben von 10,70 Milliarden Euro im Jahr 2015 Ausgaben in Höhe von 4,64 Milliarden Euro“, heißt es in einer aktuellen Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) (Download hier). „Damit liegt der Mehrumsatz von Privatversicherten in diesem Leistungsbereich bei 6,06 Milliarden Euro im Jahr 2015“, rechnen die Analysten des WIP vor.

Einbußen für Zahnarztpraxen gut 12.000 Euro höher als für Allgemeinärzte

Umgerechnet auf die niedergelassenen Ärzte in Deutschland ergibt dies laut Studie im Schnitt einen Mehrumsatz von etwa 50.200 Euro im Jahr (1,2 Prozent gegenüber 2014). Dieser würde bei Einführung einer Bürgerversicherung wegfallen.

Zahnarztpraxen würden demnach im Mittel sogar fast 62.000 Euro pro Jahr verlieren. Bei der Heilmittelversorgung, welche Leistungen für Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie umfasst, lägen die Einbußen pro Praxis im Schnitt bei 15.600 Euro, heißt es.

Der durchschnittliche Mehrumsatz je Versicherten ist der Studie zufolge auch abhängig von der Altersstruktur der Versicherten: Während der Mehrumsatz bei den 8- bis 10-Jährigen unter 100 Euro je Privatversicherten lag, betrug er bei den über 74-Jährigen mehr als 1.400 Euro.

Auswirkungen auf Krankenhaussektor vergleichsweise gering

Vor allem im Krankenhaussektor sind die Leistungsausgaben „in hohem Maße altersabhängig“ geprägt, heißt es weiter. Ab dem 55. Lebensjahr liegen die Pro-Kopf-Ausgaben bei den Männern über denen der Frauen. Mit Ausnahme der Jahre von Schwangerschaft und Geburt (zwischen dem 25. und 42. Lebensjahr) liegen die Pro-Kopf-Ausgaben von Männern und Frauen unterhalb des 55. Lebensjahres auf gleichem Niveau.

Gleichwohl fallen die Leistungsunterschiede zwischen PKV und GKV im Krankenhausbereich nicht so gravierend aus: Im stationären Bereich entfallen demnach etwa 11,6 Prozent aller Ausgaben auf Privatversicherte. Dieser Anteil liegt nur leicht über dem Versichertenanteil der Privatversicherten an der Gesamtbevölkerung. Der Grund: Allgemeine Krankenhausleistungen in der PKV werden laut WIP dem gleichen Vergütungssystem wie in der GKV abgerechnet.

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