Ist Bundestagsabgeordneter der Linkspartei und ehemaliger Finanzminister Brandenburgs: Christian Görke © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Soeren Stache
  • Von Juliana Demski
  • 23.12.2021 um 12:03
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Das Aufnehmen von Schulden hat sich für den Bund im laufenden Jahr als lukratives Geschäft entpuppt: Verschiedenen Medienberichten zufolge soll er so rund 6 Milliarden Euro verdient haben – den Negativzinsen sei Dank. Mehr zu den Hintergründen lesen Sie hier.

Im Jahr 2021 hat der Bund erneut Milliarden beim Schuldenmachen eingenommen. Das geht aus einem Antwortschreiben von Finanzstaatssekretär Florian Toncar (FDP) auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Christian Görke von der Linkspartei hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. „Zahlungen in Höhe von rund 5,855 Milliarden Euro vereinnahmt“, heißt es darin.

„Deutschland hat viele Probleme, aber die Staatsfinanzierung ist keines davon“, schreibt Görke auf Twitter. Auch in diesem Jahr habe der Bund wieder kräftig beim Schuldenmachen verdient. Insgesamt soll sich die öffentliche Hand im Jahr 2021 rund 483 Milliarden Euro am Finanzmarkt geliehen haben – eine neue Rekordsumme. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr fiel die Schuldensumme etwa um ein Fünftel geringer aus.

Die Durchschnittsrendite der emittierten Bundeswertpapiere habe bei minus 0,56 Prozent gelegen, zitiert Reuters dazu Florian Toncar. Dennoch seien die Auktionen 1,7-fach überzeichnet. „Trotz negativer Rendite gehen deutsche Anleihen weg wie warme Semmeln“, so Görke. „Der Bund hätte sogar problemlos noch mehr Anleihen verkaufen können.” Das bedeutet: Käufer von Bundesanleihen müssen sogenannte Negativzinsen zahlen. Sie geben dem Bund also mehr Geld für eine Staatsanleihe, als sie am Ende zurückbekommen.

„Finanzierungsbedingungen bleiben hervorragend“

Und ein Ende dieser Entwicklung ist laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) eher nicht in Sicht. „Die Finanzierungsbedingungen für den Bund bleiben hervorragend“, sagte Bernd Kampen von der Norddeutschen Landesbank gegenüber der Zeitung. „Wir rechnen auch im kommenden Jahr mit negativen Renditen.“ Das liege unter anderem auch daran, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Nullzinspolitik nicht vor 2023 beenden dürfte, so Kampen weiter.

Er gab aber auch eine positivere Prognose ab: Sollte es nach der Pandemie wirtschaftlich wieder besser laufen, könnten die Renditen auch ab der zweiten Hälfte des kommenden Jahres wieder anziehen. Das gelte vor allem für Anleihen mit langer Laufzeit, so Kampen. „Wir erwarten aber keinen dramatischen Anstieg.“

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Juliana Demski

Juliana Demski ist seit 2021 Junior-Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört sie seit 2016 an.

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