Oft machen Ärzte die Patienten auf dem Papier auch kränker als sie tatsächlich sind – des Geldes wegen. Denn manche Krankenkassen bieten Medizinern pro schwer erkranktem Patienten Extrazahlungen an. Dass das Nachteile für die Patienten selbst hat, spielt für die Unternehmen anscheinend keine Rolle.



Ein Beispiel für diese Praxis ist Timo Heilmann. Ihn hat die ARD für die Sendung Plusminus besucht. Nur ganz durch Zufall erfuhr er, dass er auf dem Papier unter Fettleibigkeit und nächtlichen Atemaussetzern im Schlaf leidet. Dabei ist er kerngesund. Anscheinend brauche er sogar Flüssigsauerstoff – so steht es jedenfalls in seiner Patientenakte.

Als er von der gesetzlichen in eine private Krankenversicherung wechselte, machte er Angaben zu Gesundheit und Co. Als die PKV dann die erste Arztrechnung bezahlen sollte, weigerte sie sich – in seiner Patientenakte stehe, er sei kränker als er selber angegeben habe – was eben nicht stimmte. Sein Arzt hatte ihn in seiner Akte kränker gemacht. Auch vor Gericht konnte man ihm daraufhin nicht helfen.

Patienten bemerken es erst, wenn es zu spät ist

Patienten bemerken solche Diagnosen meist erst dann, wenn es schon zu spät ist. Und oft sind sie dann unwissentlich – wie im Fall von Timo Heilmann – nicht versichert.

Krankenkassen drängen Ärzte oft dazu, ihre Patienten kränker zu machen. Der Grund: Je kränker und teurer die Versicherten einer Kasse, desto mehr Geld kassieren sie durch den sogenannten Risikostrukturausgleich vom Gesundheitsfonds. So bekommen Ärzte pro schwer krankem Patienten bis zu 12 Euro mehr von der Kasse.