Rentner im Supermarkt: 2023 entstand Inflation vor allem bei Essen und Trinken © picture alliance/dpa | Markus Scholz
  • Von Andreas Harms
  • 05.04.2024 um 12:43
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Nicht selten heißt es, dass die stark gestiegenen Preise vor allem Rentner belasten. Jetzt hat sich das Institut der deutschen Wirtschaft mit dieser These befasst – und kommt zu einem anderen Ergebnis. Vor allem, weil man auch die Einkommen in der Corona-Phase mitberücksichtigen sollte.

Die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Preise haben vor allem Empfänger von gesetzlicher Rente belastet? Das will das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) so nicht stehen lassen. In einer Studie zusammen mit dem Forschungsnetzwerk Alterssicherung ermittelte die wirtschaftsnahe Einrichtung, wie sehr sich die Inflationswelle auf Rentner und auf andere Haushalte ausgewirkt hat. Ergebnis: Seit 2018 sank die Kaufkraft der Rentner um 1,7 Prozent. In anderen Haushalten ging sie gar um 2,2 Prozent zurück. Insgesamt, wohlgemerkt, und nicht etwa pro Jahr.

Die gesamte Studie können Sie hier herunterladen. Und man sollte bei so etwas nicht vergessen, dass das IW auf der Seite der Wirtschaft steht und deshalb nicht ganz neutral ist.

Zurück zur Studie: Um das Ergebnis nachzuvollziehen, muss man zwei Aspekte betrachten, die insgesamt die Kaufkraft bestimmen: Einkommen und Preise. Und beide haben sich die Studienautoren vorgenommen.

Die gesamten Zahlen legen nahe, dass Rentner und Arbeitsbevölkerung mit ähnlich steigenden Preisen zu kämpfen hatten. So lag die Jahresinflationsrate im schwierigen Jahr 2023 für Rentnerhaushalte bei 5,8 Prozent und für sonstige Haushalte bei 5,7 Prozent.

Größere Unterschiede entstehen erst, wenn man das Einkommen mitberücksichtigt. Denn die Inflation entstand hauptsächlich durch höhere Lebensmittelpreise. Die belasteten aber vor allem einkommensschwache Haushalte, da sie einen größeren Teil für Essen und Trinken ausgeben. Deshalb liegt die Inflationsrate für jene 20 Prozent Rentnerhaushalte mit den niedrigsten Einkommen bei schon viel heftigeren 6,4 Prozent. Die 20 Prozent mit den höchsten Renten sahen „nur“ 5,6 Prozent Inflation. Was sicherlich auch einiges ist, aber eben weniger als bei den sonstigen Haushalten.

Denselben Zusammenhang zwischen Einkommen und erlittener Inflation haben die IW-Leute – nicht sonderlich verwunderlich – auch bei den sonstigen Haushalten entdeckt.

Einkommensausfälle als Knackpunkt

Wichtiger Schlüssel sind aber mitnichten nur die Preise. Es ist auch das Einkommen, das in der Coronapandemie für manche zurückging oder gar ausfiel – und für Rentner eben nicht. Die Schutzklausel in der Rentenanpassungsformel habe verhindert, dass der Rentenwert im Folgejahr sinkt. So heißt es vom IW:

„Vor allem im ersten Jahr der Coronapandemie waren [gesetzliche] Rentner weniger stark von Einkommenseinbußen betroffen. Während Selbständige kein Geld verdienen konnten und viele Beschäftigte aufgrund von Kurzarbeit weniger Geld in der Tasche hatten, bekamen Rentnerhaushalte weiterhin ihre Rentenzahlung, die immer noch die wichtigste Einkommensquelle im Alter ist.“

Hinzu kommen weitere Einkommensfaktoren: Das 2020 erhöhte Wohngeld und die Wohngeld-Plus-Reform 2023, aber auch der Umstand, dass gesetzliche Rentnerhaushalte im Schnitt bei den eher schwachen Einkommen zu finden sind.

Unterm Strich entkräftet die Studie damit die These vom Rentner als Hauptverlierer der Inflation. Die bringt aber vor allem Arbeitsminister Hubertus Heil gern, um flächendeckend über dem Inflationsniveau steigende Renten zu rechtfertigen.

Davon halten die IW-Leute nicht viel. Stattdessen solle man speziell bei den ärmeren Menschen in diesem Land ansetzen und ihnen helfen. „Zielgenaue Entlastungen einkommensschwacher Haushalte wie durch die Wohngeld-Plus-Reform 2023 waren daher richtig“, sagt IW-Ökonom und Studienautor Maximilian Stockhausen.

Ein Lob für die Ampel? Das hört man vom IW immerhin nicht alle Tage.

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Andreas

Andreas Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

kommentare
Wilfried Strassnig Versicherungsmakler
Vor 2 Monaten

Im Herbst 22 meinte der Präsident der Stadtsparkasse München “50% der Bürger sind nicht in der Lage 1 EURO zu sparen.”
Die ausbezahlte Durchschnittsrente in D beträgt € 1050,00. Die Neudurchschnittsrente für alle ab 2022 € 805,00.
Man benötigt sehr viel Phantasie um sich vorstellen zu können, dass es diesen Personen leicht fällt, nur weil diese Studie aus dem gehobenen Einkommensbereichelfenbeinturrm erscheint, mit dem Geld einigermaßen bis zum Monatsende auszukommen. Kanal FATAL

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Wilfried Strassnig Versicherungsmakler
Vor 2 Monaten

Im Herbst 22 meinte der Präsident der Stadtsparkasse München “50% der Bürger sind nicht in der Lage 1 EURO zu sparen.”
Die ausbezahlte Durchschnittsrente in D beträgt € 1050,00. Die Neudurchschnittsrente für alle ab 2022 € 805,00.
Man benötigt sehr viel Phantasie um sich vorstellen zu können, dass es diesen Personen leicht fällt, nur weil diese Studie aus dem gehobenen Einkommensbereichelfenbeinturrm erscheint, mit dem Geld einigermaßen bis zum Monatsende auszukommen. Kanal FATAL

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