Henning Kühl ist Chefaktuar von Policen Direkt. © Policen Direkt
  • Von Lorenz Klein
  • 22.04.2020 um 17:04
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Finanzstarke Lebensversicherer sind tendenziell im Vorteil, um souverän durch die Corona-Krise steuern zu können. Wie dick das Polster der einzelnen Anbieter ist, hat nun der Policenkäufer und -verwalter Policen Direkt einmal genauer untersucht. Hier kommen die Details.

„Wie sich die Corona-Pandemie auf deutsche Lebensversicherer auswirkt, ist aktuell noch schwer zu sagen“, räumt Henning Kühl, Chefaktuar von Policen Direkt, ein. Ein genauer Blick auf die Entwicklung zeige aber zumindest, welche Unternehmen „mit starken Puffern in die Krise gegangen sind“.

Kühl und sein Team haben dazu die relevanten Solvenzquoten, „die jetzt komplett für alle 84 Gesellschaften vorliegen“, näher untersucht. Das Fazit der Analysten lautet, dass die deutschen Lebensversicherer trotz einer verschärfter Zinssituation „weitgehend stabil in die Corona-Krise gegangen“ seien.

Kühl hält dabei die Solvenzquoten ohne Übergangsmaßnahmen für besonders relevant – die entsprechende Kennzahl lautet Nettoquote +VA. Ausgehend von dieser Kennzahl leitet er ab, welche Unternehmen „besonders gut gewappnet sind und welche ohnehin vor größeren Herausforderungen stehen“.

Und so schneiden die 84 Gesellschaften in dieser Disziplin ab:

21 Unternehmen stehen laut Policen Direct mit einer Solvenzquote ohne Bilanzierungshilfen von unter 150 Prozent (2018: 20) aktuell vor Herausforderungen, „insbesondere wenn sie noch Neugeschäft betreiben wollen“, wie Kühl berichtet. Bei der Wahl der Produkte für das Neugeschäft und bei der Höhe der Überschussbeteiligung seien sie ohnehin eingeschränkt.

34 Unternehmen sieht Kühl im grünen Bereich, mit einer Nettoquote von 150 bis 300 Prozent (2018: 27), und damit weitgehend finanzstark und gerüstet für Extremszenarien. Sie seien in der Lage, den eingegangenen Versprechen unverändert auch in Zukunft nachzukommen.

29 Unternehmen sind laut der Analyse aufgrund ihrer komfortablen Solvenzkapitalausstattung mit einer Nettoquote +VA von mehr als 300 Prozent gut gewappnet (2018: 36) in die aktuelle Krise gegangen und können ihren Kunden „auch weiter höhere Leistungen anbieten, zum Beispiel in Form von Überschüssen oder Garantien im Neugeschäft“.

>>> Die Quoten aller 84 Lebensversicherer hat Policen Direkt in einer Tabelle aufgeführt.

Davon haben 20 Gesellschaften für die Abgabe ihres kompletten Solvenzberichts eine Fristverlängerung in Anspruch genommen, die ihnen die Versicherungsaufsicht Bafin wegen der Corona-Krise gewährt hat (wir berichteten). Die reinen Solvenzquoten mussten ursprünglich bis Dienstag, 21. April, veröffentlicht sein. Für die kompletten SFCR-Berichte gibt es nun eine neue Frist bis 2. Juni.

„Allerdings gibt es viele Versicherer wie die VPV Leben, die Allianz, die Deutsche Leben oder die Swiss Life, die ihren Bericht bereits zum ursprünglichen Termin, dem 7. April veröffentlicht hatten – auch mit Prognosen, wie sich die Corona-Krise auf das Geschäft auswirkt“, kommentiert Kühl.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

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