Der Westhafen Tower in Frankfurt am Main: Dir sitzt die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa). © dpa/picture alliance
  • Von Juliana Demski
  • 31.03.2020 um 16:28
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Eigentlich wäre der 7. April Stichtag für die jährlichen Berichte zur Solvenz- und Finanzlage (SFCR) der Versicherer gewesen – wegen der Corona-Krise gewährt ihnen die zuständige Finanzaufsicht Eiopa nun einen zeitlichen Aufschub. Mit der verlängerten Frist kommt aber auch mehr Arbeit auf die Unternehmen zu.

Aufgrund der Corona-Krise dürfen sich die europäischen Versicherer etwas mehr Zeit für einige Teile ihrer jährlichen SFCR-Berichte nehmen. Laut der Finanzaufsicht Eiopa darf es nun bis zu acht Wochen länger dauern.

Die Versicherer sollten die Verlängerung der Fristen nutzen, um die quantitativen Auswirkungen von Corona im Rahmen der Quartalsberichterstattung differenziert zu ermitteln und anschließend auch im SFCR darüber zu berichten“, empfiehlt Tommy Berg, leitender Berater der aktuariellen Beratungsgesellschaft Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) aus Köln. Denn: „Corona greift die finanzielle Stabilität der Versicherer an vielen Stellen gleichzeitig an.“

Auf der „Aktivseite“ gibt es laut MSK die Talfahrt der Kapitalmärkte, die fast vollständig auf die Marktwerte der Kapitalanlagen durchschlage. Auf der Passivseite müssten die Versicherer mögliche Schadenbelastungen abschätzen – aber ebenso „die Implikationen auf Bestand und Neugeschäft“, schreibt das Beratungsunternehmen. Auch die erneute Absenkung der Zinsstrukturkurve treffe gerade Versicherer mit langabwickelndem Geschäft zusätzlich – und am Ende kumulierten sämtliche Effekte miteinander. Auf all das müssten die Versicherer für ihre Berichte ein Auge haben.

Grundsätzlich falle die finanzielle Belastung durch Corona aber recht individuell aus:

Während einige Gesellschaften wie ‚Captives‘ möglichweise nur sehr eingeschränkt betroffen sind und ihre Berichterstattung durchaus pünktlich zum 7. April abliefern können, werden andere Marktteilnehmer signifikante Verwerfungen spüren und sind möglicherweise angehalten, sogar eine außerordentliche unternehmenseigene Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung durchzuführen“, heißt es in der aktuellen MSK-Pressemitteilung.

Immerhin bringt die Krise der Branche einen positiven Nebeneffekt:

Die verordneten Vorsichtsmaßnahmen führen laut MSK zu deutlich weniger Straßenverkehr – und das wiederum führe zu stetig sinkenden Unfallzahlen. „Jede Woche wird sich aktuell mit diesem historisch niedrigen Mobilitätsniveau die Schadenquote um 0,5 bis 1 Prozent verbessern“, schätzt MSK-Geschäftsführer Onnen Siems.

Weitere positive Effekte seien ebenfalls in der Hausratversicherung aufgrund sinkender Einbrüche zu erwarten. Für die Rechtsschutzversicherer sei dieser Trend aber leider nicht zu erwarten. „Wie in jeder Rezession wird die Schadenbelastung durch den Anstieg der Arbeitsrechtsfälle ansteigen, die in dieser Krise leider historische Ausmaße erwarten lassen“, so Siems.

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Juliana Demski

Juliana Demski ist seit 2021 Junior-Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört sie seit 2016 an.

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