Eine Ärztin und eine Pflegerin auf einer Intensivstation: Die PKV-Beiträge ziehen im Neugeschäft weiter an. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bodo Schackow
  • Von Juliana Demski
  • 13.07.2021 um 17:27
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Die aktuelle Ausgabe des Ratings „PKV-Beitragsstabilität“ aus dem Haus Morgen & Morgen zeigt: Auch in diesem Jahr sind die Beiträge im Neugeschäft der privaten Krankenversicherung (PKV) wieder gestiegen – wenn auch nur leicht um 2,53 Prozent. Mit der Corona-Pandemie habe das jedoch nichts zu tun.

Für das jährliche Rating „PKV-Beitragsstabilität“ hat das Analysehaus Morgen & Morgen auch dieses Mal wieder den Markt der privaten Krankenversicherung (PKV) unter die Lupe genommen. Zentrales Ergebnis: Auch in diesem Jahr bleibt die Tendenz der Beitragsanpassung (BAP) leicht steigend. Insgesamt ging es im Neugeschäft um durchschnittlich 2,53 Prozent nach oben.

Zum Vergleich: 2020 lagen die BAP im Neugeschäft noch durchschnittlich bei 1,77 Prozent, im Jahr 2019 bei 1,68 Prozent und im ersten Rating-Jahrgang nach Einführung der Unisex-Tarife bei 1,44 Prozent. Diese Entwicklung sei vor allem der Unisex-Tarifgeneration aus dem Jahr 2021 zu verdanken, heißt es in der Analyse. Diese komme langsam in die Jahre; und mit zunehmendem Alter der Tarife fielen nun auch ihre BAP höher aus. Die diesjährigen Beitragsanpassungen liegen laut Morgen & Morgen hauptsächlich am medizinischen Fortschritt und an der Alterung des Bestands.

Einen direkten Zusammenhang mit der Corona-Pandemie konnten die Analysten nicht feststellen. Die pandemiebedingt höheren Ausgaben im Bereich von Prävention, Hygienemaßnahmen oder Tests hätten verminderten Ausgaben, etwa aufgrund aufgeschobener Behandlungen, gegenübergestanden. Insgesamt seien zudem weniger Gesundheitsleistungen in Anspruch genommen worden.

Die Krankenversicherer rechneten allerdings mit einem verzögerten Anstieg der Leistungsausgaben in den kommenden Jahren. Aufgeschobene Behandlungen, in diesem Zusammenhang unerkannte Krankheiten, Langezeitfolgen von Covid-19-Erkrankungen und eine zeitlich verzögerte Beleg-Einreichung, etwa aus der dritten Welle der Pandemie, könnten die zukünftigen Leistungsausgaben erhöhen, schreiben die Analysten. Die Versicherer hätten diesbezüglich mit der Bildung von Schadenrückstellungen reagiert.

„Die Herausforderungen für die PKV-Versicherer werden in den nächsten Jahren vor allem in der Alterung ihrer Bestände, in erhöhten Leistungsausgaben aufgrund verzögerter Pandemie-Auswirkungen, in erhöhten Kosten im Rahmen des medizinischen Fortschritts, sowie in der anhaltenden Niedrigzinsphase liegen“, ergänzt Thorsten Bohrmann, Senior Versicherungsanalyst bei Morgen & Morgen.

Großer Teil der Tarife „sehr stabil“

Die Verteilung innerhalb der Rating-Bewertung bestätigt diese Tendenz. Fünf-Sterne-Tarife, die nur eine sehr geringe Anpassung der Beiträge vornehmen, sinken in der Zahl. Im Ergebnis zeigt sich, wie bereits in den Vorjahren, eine leichte Verschiebung in der Sterneverteilung weg von den Höchstwertungen. Mit 82 Fünf-Sterne- und 32 Vier-Sterne-Tarifen von 808 untersuchten Tarifen zeige sich aber nach wie vor „ein großer Teil sehr stabil“, heißt es im Rating-Papier.

>>> Hier geht es zu der Tabelle mit allen Versicherern und deren Bewertungen.  

Im Rating wurden für die Tarifbausteine ambulant, stationär und Zahn die Neugeschäftsprämien für die jeweils vergangenen fünf Jahre herangezogen. Hierbei wurden die Beiträge der Eintrittsalter von 21 Jahre bis einschließlich 50 Jahre gemittelt. Sind für einen Tarif keine historischen Beiträge für den Fünf-Jahres-Zeitraum vorhanden oder fehlen Beiträge für die erforderlichen Eintrittsalter, so wird dieser Tarif nicht im Rating bewertet.

Effektivbeitrag für mehr Vergleichbarkeit

Die vorliegenden Monatsbeiträge wurden auf das Jahr umgerechnet und der Selbstbehalt – sofern vorhanden – wurde addiert. So kam der „Effektivbeitrag“ zustande. Dieser ermögliche den Vergleich von Tarifen mit unterschiedlichen Selbstbeteiligungen, erklären die Analysten im Rating. Anpassungen der Selbstbehalte im Rahmen von Beitragsanpassungen hätten somit entsprechend berücksichtigt werden können.

Die durchschnittliche Steigerung des „Effektivbeitrags“ ergab sich als Mittel der Steigerungen über die 30 Eintrittsalter für jedes Jahr. Die fünf durchschnittlichen Steigerungen der „Effektivbeiträge“ wurden statistisch analysiert. Berechnet wurde der Mittelwert – also die durchschnittliche Steigerung im Zeitraum, und die Standardabweichung. Die Standardabweichung sei hierbei ein Indikator für die Gleichmäßigkeit der Anpassungen im Zeitverlauf, heißt es weiter.

Anhand der beiden Parameter „Mittelwert der durchschnittlichen Beitragssteigerung“ und „Schwankung der durchschnittlichen Beitragssteigerung“ werden die Tarife in die fünf Ratingkategorien von einem bis fünf Sternen eingestuft. Eine gute Bewertung im Rahmen des M&M Rating PKV Beitragsstabilität gab es dann für den Versicherer, wenn sowohl der Mittelwert als auch die Streuung der durchschnittlichen Beitragssteigerung gering waren.

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Juliana Demski

Juliana Demski ist seit 2021 Junior-Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört sie seit 2016 an.

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