Pfefferminzia: Viele Versicherer suchen derzeit nach der richtigen Strategie, wie sie mit der Digitalisierung umgehen sollen. Haben Sie einen Rat?

Julian Teicke: Ich sehe ich mich eher nicht in der Rolle eines Ratgebers, aber ich kann Ihnen sagen, was ich beobachte. Meiner Meinung nach sind die Entscheidungsstrukturen in den Konzernen sehr kompliziert und werden daher der Geschwindigkeit nicht gerecht, mit der sich die Kundenbedürfnisse verändern. Der Wandel, der in der Digitalisierung zum Ausdruck kommt, ist meines Erachtens weniger ein Problem der fehlenden Technologie als vielmehr ein Thema von Schnelligkeit, von schnellen Entscheidungen. Wem es gelingt, diese Geschwindigkeit zu einem wesentlichen Teil seiner Unternehmens-DNA zu machen, sollte kein Problem mit dem technologischen Wandel haben.

Was erwartet der Kunde heute von einer Versicherung?

Das Versicherungserlebnis der Zukunft sollte eine Mischung aus dem persönlichen Kontakt und der Technologie sein. Die Vorteile der Technologie müssen für den Kunden erlebbar sein.  Die persönliche Beratung bleibt auch in Zukunft gefragt. Mit Hilfe moderner Technologien können Vermittler viel effizienter und kundenfokussierter arbeiten. Das ist auch notwendig. Da bin ich im Übrigen auf einer Linie mit Maklerverbänden, wie etwa dem AfW.



Setzen Sie sich bewusst von den als „Bestandsräubern“ geschmähten Insurtechs ab oder gibt es eine Grundsolidarität unter den Start-ups?

Wir sind anders als die Unternehmen, auf die Sie anspielen. Das hat damit zu tun, woher ich komme: Mein Vater arbeitet seit 30 Jahren in der Versicherungsindustrie. Deshalb habe ich von Anfang an einen ganz anderen Blick auf die Branche als manch anderer Insurtech-Gründer. Ich bin überzeugt davon, dass die Branche dann überdauern kann, wenn sie das Versicherungserlebnis für den Kunden revolutioniert. Was machen wir nun anders? Wir bringen die traditionelle Welt mit ihrem Produktwissen und dem Wissen, wie gute Beratung funktioniert, mit der jungen Welt zusammen, die weiß, wie man schnelle Technologien nutzt, Unternehmen aufbaut und Prozesse optimiert.

Wie stellt sich das Zusammenbringen beider Welten bei Finance Fox dar?

Unsere Kunden kommen zu 80 Prozent über Makler. 20 Prozent gewinnen wir über direktes Marketing. Diese Kunden geben wir an unsere Maklerpartner weiter. Das sind unsere sogenannten Fokus-Makler. Hier unterscheiden wir uns von Grund auf von anderen Insurtechs. Wir verstehen uns als Service-Plattform für Makler, mit der sie ihre Kunden viel effizienter betreuen, Kosten sparen und mehr Umsatz erzielen können.

Was kann man sich unter einem Fokus-Makler vorstellen?

In Deutschland kooperieren wir mit rund 130 Maklern – darunter finden sich aber nicht nur Fokus-Makler. Genau genommen sind es ein paar Dutzend Fokus-Makler, mit denen wir sehr eng zusammenarbeiten. Dabei haben wir gelernt, dass jene Makler am erfolgreichsten sind, die ihren gesamten Bestand an privaten Haushalten bei uns verwalten. Diese Makler schätzen den Mehrwert von Finance Fox und bauen die größte Loyalität zur Marke auf. Das hilft uns dabei, unser Geschäft weiterzuentwickeln – und das wollen wir jetzt verstärkt tun. Dazu haben wir in einem ersten Schritt das Bundesgebiet nach Postleitzahlen aufgeteilt. Pro adäquater Region suchen wir einen kompetenten Partner, der für uns dort die Repräsentanz übernimmt. Im Gegenzug bekommt dieser Fokus-Makler alle Kunden, die sich in seiner Region über unsere Plattform anmelden und Face2Face-Beratungsbedarf haben.

Wie viele Fokus-Makler sollen es werden?

In Deutschland haben wir über 200 Regionen definiert. Wenn wir einem Fokus-Makler eine Region zuteilen und benachbarte Regionen noch frei sind, bekommt dieser in der Zwischenzeit die Kunden aus dieser Region bis alle Regionen verteilt sind.