Versicherungsmakler Stephan Busch hilft Vermittlern und Versicherern dabei, die Generation Y zu verstehen und zu beraten. © Progress Finanzplaner
  • Von René Weihrauch
  • 14.10.2020 um 10:32
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Das Thema Nachhaltigkeit spielt vor allem bei Angehörigen der Generation Y eine immer wichtigere Rolle – auch wenn es um die Wahl ihrer Versicherung geht. Wie die zwischen 1980 und 1995 Geborenen ticken und was das für Makler bedeutet, erklärt Versicherungsmakler Stephan Busch von Progress Finanzplaner aus Dresden.

Pfefferminzia: Was erwartet die Generation Y beim Thema Nachhaltigkeit von einem Versicherungsmakler?

Stephan Busch: Im Grunde ist Nachhaltigkeit schon länger keine Frage mehr der Generation, sondern Teil der ganzen Gesellschaft. Aber ja: Die Generation Y hat schon einen besonders starken Fokus auf das Thema. Diese jungen Leute haben ein anderes Verhältnis zu Geld und zur Finanzindustrie. Wie in anderen Lebensbereichen gilt für sie auch hier: Sinn schlägt Status. Beispiel Verkehr: Für ihre Eltern und Großeltern war ein dickes Auto ein Statussymbol und deswegen etwas Erstrebenswertes. In der Generation Y ist ein SUV eher verpönt, weil sie eher dessen klimaschädliche Eigenschaften sehen und deshalb seinen Sinn infrage stellen. Warum soll ich eine Riesenmenge CO2 in die Luft stoßen, nur um von A nach B zu kommen?

Das bedeutet für Makler?

Eine Studie aus dem Herbst 2019 hat ergeben, dass in der Generation Y 85 Prozent zu einer nachhaltigen Versicherung wechseln würden. Für den Makler ergibt sich daraus: Er muss zum einen nachhaltige Versicherungsprodukte von nachhaltig agierenden Versicherern anbieten. Er muss sich aber auch selbst nachhaltig aufstellen – sofern er diese Zielgruppe nicht verlieren will.

Also den SUV schnell um die Ecke parken, wenn die Generation Y zum Beratungsgespräch kommt?

Genau (lacht)! Nein, im Ernst: Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur, nachhaltige Produkte zu verkaufen. Sie muss Teil der Unternehmens-DNA sein – auch bei Maklern. Kunden müssen spüren, dass sie jemandem gegenübersitzen, der das Thema verstanden hat und selbst umsetzt. Der eben keinen SUV fährt, sondern vielleicht ein E-Auto oder für sich und seine Kollegen Dienstfahrräder angeschafft hat. Der sein Büro papierlos organisiert, der Ökostrom nutzt, der keine Kekse anbietet, die einzeln in Plastikfolie verpackt sind. Kunden aus der Generation Y achten auf so etwas. Geht einer bewusst mit Ressourcen um? Natürlich stellt niemand von heute auf morgen komplett auf Nachhaltigkeit um. Man kann aber zeigen: Das Thema ist mir wichtig, es ist ein wesentlicher Teil meiner beruflichen Philosophie.

Was sind denn überhaupt nachhaltige Versicherungsprodukte?

Da gibt es bereits einiges. Zum Beispiel Hausratversicherungen, die im Schadensfall bis zu 20 Prozent mehr leisten, wenn der Kunde ein nachhaltiges Ersatzprodukt kauft, etwa energiesparende Elektrogeräte. Ähnliche Policen gibt es auch bei Haftpflichtversicherungen, wenn der Geschädigte dazu bewegt werden kann, ein nachhaltiges, neues Produkt zu kaufen oder die beschädigte Sache reparieren zu lassen, statt neu zu kaufen. Für viele Kunden ist aber vor allem entscheidend, welche Nachhaltigkeitsmaßnahmen der Versicherer in seinem eigenen Unternehmen umsetzt, wie nachhaltig er investiert. In der erwähnten Studie erklärten 87 Prozent der Teilnehmer, sie wollten kein Unternehmen fördern, das Raubbau an der Natur betreibt.

Die Zurich geht bei dem Thema aktuell in die Offensive, will beispielsweise bis 2050 treibhausgasneutral arbeiten. Wie bewerten Sie solche Programme oder auch Aktionen wie die Zurich Green Week aus diesem Herbst?

Das ist ein sehr gutes Beispiel für nachhaltiges Verhalten von Versicherern, weil es sehr konkret ist, nicht schwammig. Es wird klar gesagt: Wir sind noch nicht zu 100 Prozent nachhaltig, aber wir haben verstanden und nennen konkrete Schritte. Nachhaltigkeit ist immer ein Prozess und kein Ergebnis, auf dem man sich dann ausruhen kann.

Wird Nachhaltigkeit auch in Zukunft ein Thema bleiben oder wird es angesichts von Corona und anderer globaler Krisen in den Hintergrund treten?

Nachhaltigkeit wird Tag für Tag an Bedeutung gewinnen. Durch Corona ist das Thema ja nicht weniger brisant geworden, im Gegenteil. Vielen Menschen wurde bewusst: Hey, im Homeoffice kann ich mir ja das Pendeln mit dem Auto sparen! Viele Menschen haben erlebt, wie schnell eine Situation kippen kann, wie global das ganze System ist, wie existentiell ein Thema wie Gesundheit ist. Nachhaltigkeit wird das zentrale Menschheitsthema der Zukunft sein. Für Unternehmen und Versicherungen ergibt sich daraus ein riesiges Potenzial.

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René

René Weihrauch

René Weihrauch arbeitet seit 35 Jahren als Journalist. Einer seiner Schwerpunkte sind Finanz- und Verbraucherthemen. Neben Pfefferminzia schreibt er für mehrere bundesweit erscheinende Zeitschriften und international tätige Medienagenturen.

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