Tobias Schmidt, CEO der f-fex AG © f-fex AG
  • Von Lorenz Klein
  • 08.06.2020 um 12:53
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Fondspolicen könnten viel besser sein als sie sind, ist Tobias Schmidt, Chef des digitalen Fondspolicenmanagers f-fex, überzeugt. Denn die Fonds-Performance wirkt sich erheblich auf die Altersvorsorge der Kunden aus, wie er im Interview mit Pfefferminzia vorrechnet. Darin kritisiert Schmidt auch die Versicherungsbranche, von der er eine bessere Betreuung ihrer Kunden einfordert.

Pfefferminzia: In Ihrer aktuellen Studie „Fondsgebundene Lebensversicherungen in Deutschland“ heißt es, dass die Ausgestaltung des Anlageportfolios, „letztendlich die entscheidende Stellgröße für die Ablaufleistung einer fondsgebundenen Rentenversicherung ist“. Über welche Unterschiede in den Ablaufleistungen reden wir hier?

Tobias Schmidt: Der Unterschied in der Ablaufleistung kann beträchtlich sein. Wenn wir einmal mögliche Garantien und die direkten Kosten der Policen außen vor lassen, gibt es vor allem zwei Stellgrößen, die die Nettoperformance und damit die Ablaufleistung der Police determinieren: Die Risikovorgabe beziehungsweise der Aktienanteil des Portfolios und die Qualität der ausgewählten Fonds.

Ein aktives Portfolio mit 80 Prozent Aktien- und 20 Prozent Rentenanteil, das zehn Jahre mit 100 Euro im Monat bespart wurde, hat – beispielhaft bestückt mit den in vielen Fondspolicen zu findenden Fonds Templeton Growth Fund (Aktien) und Amundi Total Return (Renten) – am 30. April 2020 eine Ablaufleistung von 13.527 Euro erreicht. Ein Portfolio mit gleicher Ausrichtung aber deutlich erfolgreicheren Fonds, wie zum Beispiel dem Threadneedle Global Focus (Aktien) und dem PIMCO Diversified Income Fund (Renten) hat hingegen für den gleichen Zeitraum eine Ablaufleistung von 23.067 Euro erreicht. Das sind in „nur“ 10 Jahren Laufzeit inklusive des jüngsten Börsen-Crashs durch die Corona-Krise immerhin knapp 10.000 Euro beziehungsweise 70 Prozent Unterschied.

Auch bei einem deutlich defensiveren Portfolio – 20 Prozent Aktien, 80 Prozent Renten – und gleicher Fondskonstellation liegt die Ablaufleistung des besseren Portfolios immerhin noch mit 45 Prozent über der des schlechteren.

Pfefferminzia: Weiter wird in der Studie betont beziehungsweise bedauert, „dass die Entwicklung des Fondsportfolios nach Vertragsabschluss Sache des Kunden sei“. Eine Stimme aus den Versicherungsunternehmen teilte uns nun kürzlich mit, dass die meisten Fonds die Ergebnisse erwirtschaftet hätten, „die in der Krise zu erwarten waren. Dies zeigt übrigens auch die Tatsache, dass nur sehr wenige Kunden, von Shift oder Switch Gebrauch gemacht haben“. Ist diese verhaltene Reaktion seitens der Kunden der Gelassenheit oder der Überforderung der Betroffenen geschuldet?

Eine Fondspolice ohne Garantien ist eigentlich nichts anderes als ein steuerlich begünstigter Fondssparplan mit Absicherung des Langlebigkeitsrisiko – sofern die Verrentung bereits zu Beginn gewählt wird. In dieser Form ist einen Fondspolice daher in erster Linie ein langfristiges Anlageprodukt.

Leider ist es eben nicht so, dass man bei Policen-Abschluss nur einmal die Fonds festlegen muss und der Rest, das heißt die erwartete Ablaufleistung – sich von selbst ergibt. Bei einem Anlagehorizont von 20 oder 30 Jahren kann viel passieren. Es ist kaum zu erwarten, dass ein Fonds beziehungsweise ein Anlagekonzept über 30 Jahre überdurchschnittlich performt und daher kontinuierlich die beste Wahl ist.

Jeder Vermögensverwalter überprüft laufend die Portfolios seiner Kunden, verändert gegebenenfalls die Gewichtung der Anlageklassen und tauscht unterdurchschnittliche Fonds rechtzeitig aus. Das sollten Versicherer und Kundenbetreuer bei Fondspolicen ebenfalls tun. Der eigentlich Grund für die geringe Nutzung des Shift- und Switch-Angebots ist, dass der Normalkunde mit der eigenständigen Bewertung und Auswahl der Fondsalternativen überfordert ist. Wir glauben, dass bei der Kostenbelastung, die üblicherweise mit Fondspolicen verbunden ist, eine bessere Betreuung angebracht wäre.

Pfefferminzia: „Die Corona-Krise wird dafür sorgen, dass die Zinsen auch mittel- bis langfristig auf einem sehr niedrigen Niveau verharren werden und viele traditionelle Produkte unattraktiv bleiben werden. Kunden werden künftig noch stärker nach Alternativen suchen und hier führt an Fondspolicen kein Weg vorbei“, sagte uns Christian Nuschele, Vertriebsleiter Standard Life Deutschland. Teilen Sie diese Einschätzung – und was müsste ggf. seitens Versicherer und Makler geschehen, dass die positive Prognose aus Branchensicht auch tatsächlich eintritt?

Das trifft im derzeitigen Umfeld sicher zu. Allerdings ist keineswegs ausgemacht, dass das Zinsniveau auf Sicht von 20 oder 30 Jahren – also während der Ansparzeit einer heute abzuschließenden Police – so bleibt wie es ist. Märkte ändern sich und darauf sollte man von Zeit zu Zeit reagieren. Das gleiche gilt für die heute ausgewählten, vermeintlich guten Fonds.

Natürlich kann der Fondspolicen-Kunde nicht erwarten, dass der Versicherer und/oder der Vermittler laufend auf sein individuell zusammengestelltes Fondsportfolio schaut. Allerdings gibt es heute eine Vielzahl von digitalen Lösungen, die mögliche Fehlentwicklungen eines Fondsportfolios rechtzeitig erkennen und automatisch Verbesserungsvorschläge generieren können.

Auch ein jährlicher Check-up des Portfolios oder ein besseres Reporting kann bereits viel bewirken. Hier könnten Produktanbieter und Vertriebe ihren Kunden deutlich mehr bieten. In der Vermögensverwaltung sind solche Lösungen längst Standard.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit Oktober 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit Oktober 2016 an.

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