Das Wort Digitalisierung dürfte vielen Maklern längst zu den sprichwörtlichen Ohren herauskommen – wurde zu dem Thema nicht schon alles gesagt, nur eben noch nicht von allen? Nun ja, manchmal macht es eben doch einen Unterschied, wer etwas zu diesem Thema sagt – zum Beispiel, wenn es sich um Jan Meessen handelt, seines Zeichens Versicherungschef – oder besser gesagt „Industry Manager Insurance“ – von Google Deutschland.

Wird Google künftig in den Markt für Vergleichsrechner einsteigen? Das wollte ein Vermittler von Meessen erfahren, der am Dienstag auf dem 14. Norddeutschen Versicherungstags in der Handelskammer Hamburg sprach. „Ich weiß es nicht“, entgegnete der Google-Mann. Nur so viel ließ Meessen durchblicken: „Das Bestreben meines Teams ist es, den Versicherern die IT-Infrastruktur von Google zur Verfügung zu stellen.“ Man versuche die  Digitalisierung zu „hebeln“, ohne selber als Versicherer aufzutreten, so der Manager.

Anders gesagt: Solange die Versicherungsbranche dem Internetriesen als gut zahlender Kunde dient, besteht für die US-Amerikaner offenbar keine Notwendigkeit, sich in das komplizierte Geschäft zu begeben – zumal ein erster Ausflug mit Google Compare in den USA scheiterte. Der einstige Online-Versicherungsvermittler für Kfz-Versicherungen hat sich längst wieder aus dem Markt zurückgezogen. Der Großangriff eines „Super-Insurtechs“ dürfte also auf absehbare Zeit ein Hirngespinst bleiben.

Heinz: Versicherer vernachlässigen Fürsorgepflicht gegenüber Vermittlern

Und dennoch: Zurücklehnen ist nicht angebracht. Google befinde sich aufgrund der gesammelten Daten seiner Nutzer längst im Kernmarkt der Versicherer ohne dabei unter die Regulatorik zu fallen, sagte Wissenschaftler Florian Elert von der HSBA Hamburg School of Business Administration. Die Branche müsse nun für sich klären, welche Kernleistung sie künftig anbieten wolle, so Elert. Geht es ihr zum Beispiel eher darum, Schäden zu regulieren oder Schäden zu verhindern?

Auch Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), nahm die Versicherer im Hinblick auf die Digitalisierung in die Pflicht. Es werde „völlig verkannt“, dass die Unternehmen eine gesetzliche Fürsorgepflicht gegenüber der Mehrzahl der Vermittler in Deutschland hätten – nämlich gegenüber jenen, die sich anders als die Makler in der Exklusivbindung befänden. Diese Menschen hätten das Recht und die Versicherer im Umkehrschluss die Pflicht, dass sie ihre Vertreter „mitnehmen in diese neue Welt“ – „nicht mehr jeden“, wie Heinz hinzufügte, aber sehr wohl jene, „die zukunftsfähig sind und bereit sind, in diese neue Zukunft zu gehen“.

„Das Geld ist ja nicht weg, sondern nur woanders“

Diese Pflicht würden die Versicherer allerdings vernachlässigen, wenn „solch ein Hype“ um die Digitalisierung gemacht werde, erklärte der BVK-Präsident unter dem Applaus der Zuhörer. So landeten die Einsparungen, die die Unternehmen bei den Vermittler-Provisionen vornähmen, oftmals in „obskuren Projekten“, befand Heinz. Frei nach dem Motto: „Das Geld ist ja nicht weg, sondern nur woanders“, wie er hinzufügte.

Den Rüffel des BVK-Präsidenten musste der Signal-Iduna-Vorstand Johannes Rath stellvertretend für seine Branchenkollegen entgegennehmen: Der Geschäftsführer von Signal Iduna Digital Ventures und Sijox-Gründer wies unter anderem darauf hin, dass das Investitionsklima für Insurtechs derzeit so gut wie noch nie sei. Rath zufolge sei es für Gründer aktuell nicht besonders schwierig, zweistellige Millionenbeträge einzusammeln.