Stimmen zur Finanztransaktionssteuer

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Hintergrund: Finanztransaktionssteuer – was ist das?! Die geplante Finanztransaktionssteuer (FTS) verteuert den Handel mit Wertpapieren. Jedes Mal, wenn jemand zum Beispiel eine Aktie oder Anleihe kauft oder verkauft, muss er einen Steuersatz von 0,1 Prozent auf das Handelsvolumen zahlen. Bei Derivaten sind es 0,01 Prozent. Bei einem Aktien-Handel werden also insgesamt 0,2 Prozent Steuern fällig – 0,1 Prozent vom Verkäufer und 0,1 Prozent vom Käufer. Das soll Banken & Co. zu einer ruhigeren Hand zwingen und den Hochfrequenzhandel, bei dem in sehr kurzer Zeit sehr viel gehandelt wird, quasi abschaffen. Elf Länder haben sich bisher bereit erklärt, die FTS 2014 einzuführen, darunter Deutschland und Frankreich. Schätzungen der Europäischen Kommission zufolge wird die Steuer pro Jahr rund 30 Milliarden Euro an Einnahmen in die Kassen spülen. In welche, ist dabei noch unklar. Noch haben sich die Parteien nicht geeinigt, ob das Geld an die EU oder die einzelnen Staaten geht.

Walter Hohenstatt, Leiter Produktmanagement Altersvorsorge bei der Dekabank „Gewöhnliche Fonds schichten ihre Anlagen regelmäßig um, um Gewinnchancen zu realisieren oder Verluste zu vermeiden. Teilweise müssen bestimmte Produkte ihre Anlagen zum Ende einer Laufzeit in anderen Anlageklassen umschichten. Hierunter fallen etwa die Produkte der privaten oder der betrieblichen Altersvorsorge. Nehmen Sie nur die sogenannten Lebenszyklusmodelle. Vereinfacht ausgedrückt schichtet der Fondsmanager bei diesen Modellen die Anlagen mit zunehmender Annäherung an den Renteneintritt des Kunden in festverzinsliche Anlagen um. Dadurch verursacht er zwar Handelsaktivität, handelt gleichzeitig aber im Anlegerinteresse, da der Kunde ansonsten seine Rente leichtfertig ins Risiko stellt. In diesen Fällen kann das Fondsmanagement nur in Grenzen Einfluss auf die Handelsaktivität nehmen. Eine Finanztransaktionssteuer führt dazu, dass höhere Umschlaghäufigkeit bestraft wird. Ein Fonds mit geringerer Handelsaktivität wird dann zwar eine geringere Steuerbelastung haben, aber ob er deshalb auch höhere Erträge erwirtschaftet, steht auf einem anderen Blatt.“

 

Uwe Siegmund, Chefstratege und Abteilungsleiter Strategie und Grundsatz im Finanzressort der R+V „Die Finanztransaktionssteuer ist nicht geeignet, die Verursacher der Finanzkrise an den Kosten zu beteiligen. Denn es werden nicht nur die Verursacher der Finanzkrise getroffen, sondern auch deren Opfer, so wie etwa Versicherungen. Bitte bedenken Sie, dass mindestens 90 Prozent der Kapitalanlagegewinne per Gesetz den Kunden gehören. Insofern werden sie diese Steuer tragen müssen. Das wiederum schmälert ihre – auch politisch gewollte - Altersvorsorge.“

 

Udo Rössler, Sprecher Altersvorsorge bei der Allianz

"Klar ist, dass eine undifferenzierte Einführung der Finanztransaktionssteuer die private sowie die betriebliche Altersversorgung in erheblichem Umfang schädigen würde. Die bei jedem Erwerb und jeder Umschichtung der Anlagemittel anfallende Finanztransaktionssteuer würde die Kosten für Versicherungsunternehmen, Pensionsfonds, Pensionskassen et cetera erhöhen und im Ergebnis zu deutlich geringeren Erträgen der Altersversorgung insgesamt führen.“

 

Sinan Temelli, Pressesprecher Union Investment „Wir haben errechnet, dass ein Anleger, der monatlich 100 Euro über 40 Jahre in einen Riester-Fondssparplan anlegt, am Ende über 14.000 Euro an Steuern abzuführen hätte. In Zeiten negativer Realzinsen führt in der privaten Altersvorsorge kein Weg an der Aktie vorbei. Dass hier eine volkswirtschaftlich und gesellschaftspolitisch dringend benötigte private Kapitalbildung bestraft wird, während sie anderseits bei der Riester-Rente mit Zulagen gefördert wird, ist unverständlich. So kann man Altersarmut entfachen.“

 

Henning von der Forst, bei der Nürnberger zuständiger Vorstand für die Kapitalanlagen „Zum heutigen Stand können wir hier noch keine exakte Rechnung vorlegen. Je nachdem, bei wie vielen Beteiligten in der Kette einer Transaktion die Steuer tatsächlich anfallen wird, gehen wir davon aus, dass die jährliche Nettoverzinsung eines vorsichtig umschichtenden Lebensversicherers durch die Finanzmarkttransaktionssteuer um 5 bis 10 Basispunkte reduziert werden wird.“

 

Ein vollständiges Interview mit Finanzvorstand Torsten Utecht von Generali zur Finanztransaktionssteuer finden Sie hier: https://www.pfefferminzia.de/die-kapitalanlagekosten-konnten-sich-verdoppeln/

Pfefferminzia HIGHNOON