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Zusatzversicherung Versicherer machen Millionen mit Schülern

Kinder auf dem Weg zur Schule: In Baden-Württemberg machen Versicherer mit Schülern ordentlich Geld.
Kinder auf dem Weg zur Schule: In Baden-Württemberg machen Versicherer mit Schülern ordentlich Geld. © dpa/picture alliance

In Baden-Württemberg sind Schüler die Goldmine für Versicherer: Jedes Jahr kassieren sie Millionenbeträge für Zusatzpolicen, die in vielen Fällen überflüssig sind. Die Lehrer werden angehalten, die Versicherungen zu vertreiben, und die Eltern zahlen aufgrund fehlender Aufklärung. Verbraucherschützer sehen bei diesen Geschäften rot.

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Alle 1,5 Millionen Schüler in Baden-Württemberg bekommen einmal jährlich bunte Elternzettel ausgehändigt, mit der Bitte, sie unterschrieben und gemeinsam mit einem Euro wieder abzugeben. Ein Euro für eine Schülerzusatzversicherung der Württembergischen Gemeinde-Versicherung AG (WGV) und im badischen Teil des Landes der Badischen Gemeinde-Versicherungs-Verbandes (BGV).

Inbegriffen sind neben einer Haftpflicht- auch eine Unfall- und Sachschadenversicherung. Zusätzlich lassen sich auch noch Versicherungen für Garderobe (ein Euro), Fahrrad (6 Euro), Musikinstrumente (6 Euro) und für Internatsschüler (6 bis 7 Euro) abschließen. Was viele Eltern nicht wissen: In der Regel ist mehr als die gesetzliche Unfallversicherung gar nicht nötig. Und in den meisten Fällen haben die Familien auch bereits eine Haftpflichtpolice.

Kritik kommt von vielen Seiten – auch von der Wettbewerbszentrale in Bad Homburg:

Peter Breun-Goerke ist dort als Rechtsanwalt tätig und sagte gegenüber dem Spiegel: „Bei 1,5 Millionen Schülern und Schülerinnen als potentielle Versicherungsnehmer kann man nicht von Geringfügigkeit sprechen.“ In seinen Augen sollte eine Schule ein werbefreier Ort sein.

Seit 1971 ist das Geschäft mit den Schülern bereits gang und gäbe in Baden-Württemberg. In anderen Bundesländern kennt man es gar nicht. „Die Schulen behandeln das Angebot meist wie eine Pflichtversicherung. Dabei ist es das gar nicht“, erklärte Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg dem Magazin. Den Schülern wird laut Spiegel auch damit gedroht, auf keinen Ausflug mehr mitfahren zu können, sollten ihre Eltern den Euro nicht zahlen.

In den Augen der Verbraucherschützer ist das Angebot lückenhaft.

So sei die Versicherungsleistung bei einer Vollinvalidität in Höhe von 112.500 Euro „nicht ausreichend“. Und auch die Beratung sei gleich null. Die Versicherungsunternehmen begründeten das damit, dass es bei einer Geringfügigkeit von einem Euro pro Kopf auch nicht nötig wäre, zu beraten.

Schaut man sich aber das Geschäft an, das die Versicherer allein mit den Schülerpolicen machen, kann nicht mehr von einer Geringfügigkeit die Rede sein: Bei einem bis 8 Euro Einnahmen pro Schüler kämen Millionen für den Versicherer zusammen, wie Ralph Audörsch, Inhaber einer freien Versicherungsagentur, dem Spiegel vorrechnete. Er habe zudem noch nie erlebt, dass es einen Schadenfall gab, fügte er hinzu.

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