Ein Riesenrad und eine Pyramide drehen sich auf dem Cottbuser „Weihnachtsmarkt der 1.000 Sterne“. Statt Erleuchtung empfinden viele Angehörige der mittleren Generation Ernüchterung im Angesicht der Energie- und Wirtschaftskrise. © picture alliance/dpa | Patrick Pleul
  • Von Lorenz Klein
  • 29.11.2022 um 15:21
artikel drucken artikel drucken
lesedauer Lesedauer: ca. 04:25 Min

Sorge des Lebens verhall‘? Leider nein. In der beginnenden Weihnachtszeit sorgt eine Studie im Auftrag des Versicherungsverbandes GDV für eine bittere Erkenntnis: „Deutschland erlebt einen beispiellosen Stimmungseinbruch“, lautet eine zentrale Aussage der jährlichen Befragung der 30- bis 59-Jährigen in Deutschland – der „Generation Mitte“, die als Leistungsträger der Gesellschaft gilt.

Man sei zu einem „alarmierenden Befund“ gekommen, teilte der Versicherungsverband GDV am Dienstag in Berlin mit: Mehr als die Hälfte (51 Prozent) der 30- bis 59-Jährigen in Deutschland schaut mit großen Befürchtungen auf die kommenden Monate, weitere 27 Prozent mit Skepsis (siehe Grafik). Die „Generation Mitte“ sei durch die aktuellen Krisen und deren wirtschaftliche Folgen stärker verunsichert als durch die Corona-Pandemie, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Er beruft sich dabei auf eine Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach, die jedes Jahr im Auftrag des GDV die Stimmungslage bei den 30- bis 59-Jährigen ermittelt.

Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher spricht von einem „beispiellosen Stimmungseinbruch“. So seien die Menschen zwar auch im vergangenen Jahr und insbesondere im ersten Pandemiejahr 2020 besorgt gewesen, „aber sie waren nicht annährend so pessimistisch wie jetzt“, sagt Köcher.

Insbesondere der „fatalistische Blick“ der mittleren Generation auf die aktuelle ökonomische Lage stimme ihn nachdenklich, fährt Asmussen fort: „Drei Viertel der Befragten rechnen für das kommende halbe Jahr mit einem wirtschaftlichen Abwärtstrend. Und auch mittelfristig erwartet die Mehrheit keine Besserung, sondern eine längerfristige Schwächephase.“

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Pessimismus auf einem Allzeithoch

Noch augenfälliger werde der Pessimismus im Langfristvergleich der persönlichen wirtschaftlichen Situation. So meinen 38 Prozent, dass es ihnen heute schlechter gehe als vor fünf Jahren; lediglich 33 Prozent beurteilten ihre ökonomische Lage als besser. Damit übersteigen zum ersten Mal seit Beginn der Befragungsreihe im Jahr 2013 die Wohlstandseinbußen die Wohlstandsgewinne. „Selbst in den beiden Pandemiejahren war in diesem Vergleich der Anteil der Optimisten doppelt so groß wie der Anteil der Pessimisten“, gibt Asmussen zu bedenken.

Die Angst vor dem wirtschaftlichen Abstieg zeigt sich laut GDV ganz konkret an den steigenden Preisen. „Für 85 Prozent der Befragten ist das der größte Sorgenpunkt“, sagt Asmussen. 56 Prozent befürchten, dass sie wegen der Inflation in finanzielle Schwierigkeiten geraten könnten und 45 Prozent, dass dadurch ihre Ersparnisse entwertet werden.

Konsumverhalten massiv eingeschränkt

Heruntergebrochen auf ihren Alltag bedeute die anhaltend hohe Teuerung für die große Mehrheit der „Generation Mitte“, dass sie sich in ihrem Konsumverhalten einschränken müsse. Knapp die Hälfte spricht den Marktforschern zufolge sogar „von erheblichen Einschränkungen“. Besonders hart getroffen fühlen sich die Befragten von den Preissteigerungen bei Lebensmitteln (82 Prozent) und Heizkosten (74 Prozent). Als Reaktion darauf kauften die Menschen nun preisbewusster ein, heißt es.

Neben der Inflation beunruhigt die mittlere Generation auch die Sicherheit der Energieversorgung. Zwar sei die Sorge vor Versorgungsengpässen im bevorstehenden Winter zurückgegangen – zugleich sei sich der Mehrheit aber darüber bewusst, dass die Sicherung der Energieversorgung auch im kommenden Jahr eine große Herausforderung bleibe. Allein: Aufforderungen zum Energiesparen scheinen vielerorts zu verhallen. Denn die große Mehrheit der mittleren Generation sieht bei sich persönlich kaum Spielraum für Einsparungen. Nur 7 Prozent sehen erhebliche, 69 Prozent nur geringe und 22 Prozent überhaupt keine Einsparpotentiale.

Lauter Ruf nach dem Staat

Eine sehr große Mehrheit von 83 Prozent votiert dann auch dafür, dass der Staat den Bürgern bei den Energiekosten unter die Arme greift. „Nur fünf Prozent vertreten die gegenteilige Position“, sagt Asmussen. Und fast zwei Drittel erachten es als staatliche Aufgabe, die Auswirkungen von Inflation und Energieknappheit so gering wie möglich zu halten. Nur 25 Prozent halten das für eine überzogene Erwartungshaltung.

Zugleich sind viele Befragten allerdings skeptisch, ob die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen zur Krisenbewältigung richtig sind: Lediglich 14 Prozent haben laut der Umfrage „großes oder sehr großes Vertrauen“, dass die Maßnahmen greifen. Dagegen haben drei Viertel der Befragten wenig oder kein Vertrauen ins Krisenmanagement der Regierung.

Seite 2: Vorrang für sozial Schwächere? Die Mehrheit ist dagegen

autorAutor
Lorenz

Lorenz Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

kommentare
Ludger Schillmöller
Vor 1 Jahr

Kaum bekommt diese “Wohlfühlgeneration” Gegenwind schon fängt sie an zu jammern und muss auf die Couch.

Eurone
Vor 1 Jahr

Zur Rettung dieses von grün-rot-gelb-schwarz geschundenen Landes wird es wohl ohne eine baldige AfD-Allein-Regierung nicht gehen.

Hinterlasse eine Antwort

kommentare
Ludger Schillmöller
Vor 1 Jahr

Kaum bekommt diese “Wohlfühlgeneration” Gegenwind schon fängt sie an zu jammern und muss auf die Couch.

Eurone
Vor 1 Jahr

Zur Rettung dieses von grün-rot-gelb-schwarz geschundenen Landes wird es wohl ohne eine baldige AfD-Allein-Regierung nicht gehen.

Hinterlasse eine Antwort