Ben Urbanke, Gründer und Geschäftsführer von Fairpension, erhielt eine Auszeichnung vom Deutschen Nachhaltigkeitspreis. © Fairpension
  • Von Manila Klafack
  • 29.11.2023 um 16:16
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Nachhaltige Produkte liegen im Trend – auch in der Versicherungswelt. Doch wie nachhaltig beispielsweise die Angebote zur betrieblichen Altersvorsorge sind, und woran es immer mal wieder hapert, erzählt uns Ben Urbanke, Gründer von Fairpension aus Berlin, einem Spezialisten für eben dieses Thema.

Pfefferminzia: Vor einer Woche wurde im Maritim Hotel in Düsseldorf zum 16. Mal der Deutsche Nachhaltigkeitspreis verliehen und Fairpension gehörte zu den drei Finalisten im Bereich Versicherungen. Wie kam es dazu?

Ben Urbanke: Die Nominierung war eine unerwartete Ehre. Wir haben uns nicht darum beworben, sondern wurden von der Jury gefunden. Das macht uns sehr stolz. Die Verleihung selbst war eine große Veranstaltung, bei der 100 Unternehmen aus vollkommen verschiedenen Branchen ausgezeichnet wurden. Auch viele Prominente, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben, waren dabei. Und Sternekoch Nelson Müller zum Beispiel kochte für die rund 1.000 Gäste ein ausschließlich vegetarisches und veganes Essen.

Was genau verbirgt sich hinter Fairpension?

Urbanke: Bei uns dreht sich alles um nachhaltige betriebliche Altersvorsorge. Unternehmen und ihre Mitarbeiter wissen, sie müssen aktiv werden und gleichzeitig ist es ihnen oft zu undurchsichtig. Deshalb schieben sie eine Entscheidung vor sich her. Auch Vorurteilen begegnen wir häufig. Es sei zu kompliziert und vor allem bei nachhaltigen Produkten glauben viele noch immer, sie erwirtschaften weniger Rendite als klassische Angebote.

Dem ist nicht so?

Urbanke: Nein, im Gegenteil. Heute schon erwirtschaften alternative Anlagen oftmals mehr als klassische. Das wird sich zukünftig noch mehr bemerkbar machen, wenn sich unter anderem die politischen Rahmenbedingungen zur Einhaltung von Klimazielen weiter verändern.

Wonach wählen Sie Ihre angebotenen Produkte aus?

Urbanke: Zunächst schauen wir, wie nachhaltig die Gelder der Kunden durch den Versicherer angelegt werden und das gilt vor allem für den Deckungsstock bei Versicherern. Denn aktuell legen alle einen nachhaltigen Fonds auf oder investieren in nachhaltig aufgestellte Unternehmen. Der Trend zu mehr Nachhaltigkeit ist in der Geldanlage angekommen. Wir schauen jedoch etwas tiefer und prüfen, wie nachhaltig der Versicherer selbst aufgestellt ist, ob er das lebt, und wie ernst es gemeint ist.

Auch beispielsweise die Produkte von Pangaea Life haben Sie im Portfolio. 

Urbanke: Ja, Pangaea Life ist 2018 auf uns zugekommen. Ihr Konzept beruht auf einem Impact Investing in Sachwerte. Mit dieser Art der nachhaltigen Investition, die vorangeht und Werte, konkret in Immobilien und Energiegewinnung, schafft, spricht viele Menschen an. Der Versicherer war in seinem Deckungsstock aber damals noch nicht so aufgestellt, wie es sein könnte. Hier gab es seither einige Verbesserungen.

Wie sieht das bei anderen Versicherern aus?

Urbanke: Ähnlich, der Deckungsstock ist überall der Knackpunkt. Und wenn wir einen Blick auf die Zahlen werfen, wird sofort klar, welche Macht die Versicherer, speziell die Lebensversicherer, mit diesem Kapital haben. Im Jahr 2022 verwalteten sie laut GDV rund 1.038 Milliarden Euro. Dazu ein Vergleich: Das Steueraufkommen von Bund, Ländern und Gemeinden betrug im vergangenen Jahr nicht ganz 900 Milliarden Euro.

Neben der Auswahl der Produkte unterstützt Fairpension auch in der Beratung, etwa durch ein Arbeitgeberportal. Wie funktioniert das?

Urbanke: Manche Unternehmen, die in zweiter oder dritter Generation existieren, haben ihren Mitarbeitern bereits eine klassische bAV angeboten und entsprechende Bestandsverträge mit diversen Versicherern. Für diese Mitarbeiter bestehen meist finanzielle Nachteile, wenn sie wechseln würden. Unser Arbeitgeberportal verwaltet sie dann ebenso wie neu abgeschlossene. Somit muss die Personalabteilung lediglich in einem System arbeiten. Der Aufwand zur Betreuung der bAV-Verträge wird damit deutlich gesenkt. Es gibt Schnittstellen, etwa zu Datev oder anderen Programmen und alle Änderungen werden voll digital und papierlos vorgenommen. Zudem bekommt der Mitarbeiter einen eigenen Zugang.

Und wie nachhaltig ist Fairpension als Unternehmen selbst?

Urbanke: Unsere Produkte, also unser Kerngeschäft sind komplett auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Zudem steht bei uns nicht der Gewinn im Vordergrund, sondern das Gemeinwohl. Wenn Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitentscheidung im Unternehmen zusammentreffen, ist das für alle gut. Wir sind ein entsprechend Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) bilanziertes Sozialunternehmen. Fair gehandelter Kaffee, papierloses Arbeiten und ähnliches im Büroalltag gehören selbstverständlich ebenso zu unserer nachhaltigen Lebenseinstellung wie die Nutzung der Bahn für weitere Geschäftsreisen und das Jobrad innerhalb von Berlin.

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Manila Klafack

Manila Klafack ist Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach Studium und redaktioneller Ausbildung verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

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