Pfefferminzia: Das Run-off-Geschäft in der Lebensversicherung nimmt derzeit kräftig an Fahrt auf. Woran liegt das?

Bernd Neumann: Unternehmen passen ihre Strategie in regelmäßigen Zyklen den Marktgegebenheiten an. Zu den sich ändernden Rahmenbedingungen gehören in der Versicherungsbranche unter anderem die anhaltende Niedrigzinsphase und die Vorschriften nach Solvency II, aber auch Investitionsstaus in der IT oder in Prozessen. Aufgrund dieser Umstände bieten einige Versicherungsgesellschaften keine klassischen Altersvorsorgeprodukte mehr an. Sie ändern ihre Strategie und konzentrieren sich zunehmend auf andere Produkte.

Beim Verkauf der Bestände kommen dann Run-off-Plattformen wie die Frankfurter Leben ins Spiel. Was machen Sie mit den aufgekauften Verträgen?

Die Versicherungsbedingungen, die Dynamisierungen und Änderungsoptionen bleiben eins zu eins bestehen. Die Frankfurter Leben Gruppe verwaltet die Verträge bis zum Ende der jeweiligen Laufzeit. Für die Versicherten entstehen damit keinerlei Nachteile.

Verbraucherschützer werfen den Run-off-Plattformen vor, dass sie keinen Anreiz mehr haben, für den Kunden ein gutes Ergebnis zu erzielen. Es gehe vielmehr um die eigene Gewinnmaximierung. Was sagen Sie zu der Kritik?

Diese Bedenken sind unnötig. Auch wir haben ein großes Interesse, die Versicherungsbestände stabil zu halten. Daher achten wir auf eine marktgerechte Überschussbeteiligung und einen guten Service für Kunden und Vermittler. Zudem unterliegen wir der Aufsichtsbehörde Bafin, die darauf achtet, dass die Interessen der Kunden gewahrt werden. Auch die in Deutschland geltenden hohen Standards zur Überschussbeteiligung gelten für uns.

Gibt es Einsparmöglichkeiten bei den Kosten?

Durch die Zusammenführung der Bestände, die Nutzung einer modernen IT-Infrastruktur und der Industrialisierung in der Verwaltung erzielen wir Synergieeffekte.