Finanzwissenschaftler Professor Claus Kriebel © Claus Kriebel
  • Von Anette Bierbaum
  • 29.04.2020 um 11:04
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lesedauer Lesedauer: ca. 02:15 Min

Viele der 3,1 Millionen Selbstständigen in Deutschland bekommen die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise unmittelbar zu spüren. Genauso schlecht wie um die Rücklagen für die kommenden Monate ist es bei den meisten um die Altersvorsorge bestellt. Grund genug für die Bundesregierung, die Vorsorgepflicht für Selbstständige möglichst bald umsetzen zu wollen. Wir sprachen darüber mit dem Finanzmathematiker, Aktuar und Trainer Claus Kriebel.

Pfefferminzia: Durch die Corona-Krise geraten viele politische Vorhaben in die Warteschleife. Warum glauben Sie, dass die Rentenversicherungspflicht für Selbstständige 2020 trotzdem noch Thema sein wird?

Claus Kriebel: Die Rentenversicherungspflicht für Selbstständige ist eines der Kernthemen im Koalitionsvertrag. Dass sie in diesem Jahr noch kommt, steht außer Frage. Ich glaube sogar, sie kommt schneller, als vielen Selbstständigen lieb ist. Schon am 7. April 2020 haben ja Ausschussmitglieder angekündigt, den eigentlich schon für das Frühjahr vorgesehenen Referentenentwurf direkt nach der Rückkehr eines einigermaßen normalen Alltags umzusetzen. Sobald die Corona-Krise in geregelten Bahnen läuft, kann das Gesetz innerhalb kürzester Zeit kommen. Und dann ist schnelles Handeln gefragt.

Was gilt es, bei der bald kommenden Rentenpflicht zu beachten?

Selbstständige sollten das Thema auf dem Schirm haben. Sie müssen sich Gedanken darüber machen, ob sie in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen möchten – oder doch lieber eine rentablere Alternative wählen. Wenn sie nicht rechtzeitig widersprechen, wird ihnen nichts übrigbleiben, als in den sauren Apfel zu beißen. Im Durchschnitt 590 Euro monatlich müssten sie dann automatisch aufbringen.

Was heißt das für Vermittler im Beratungsgespräch?

Im Beratungsgespräch würde ich selbstständige Kunden beispielsweise fragen, wie viel Rendite sie sich mindestens wünschen. Die meisten werden erfahrungsgemäß einen Wert zwischen zwei und drei Prozent nennen. Das wäre zum Beispiel ein guter Ausgangspunkt, um damit die passenden Rentenprodukte zu berechnen. Die zuletzt in vielen Medien kommunizierte Berechnung, wonach in der GRV Bund eine Rendite von über fünf  Prozent zu erzielen ist, ist schlichtweg falsch. Die Rendite bei der gesetzlichen Rente liegt bei einem Prozent – im Vergleich dazu gibt es bessere Alternativen.

Sie sagen, die Krisenzeit ist die Zeit der Basisrente. Warum?

Anders als für Angestellte, für die ja Riestern eher infrage kommt, ist für Selbstständige die Basisrente die einzig vorgesehene private Vorsorgemöglichkeit. Ein Vorteil ist, dass die Rürup-Rente relativ flexibel ist. Anleger können frei entscheiden, wie sie ihr Geld anlegen wollen. Es sind sowohl Einmalanlagen als auch Sparpläne möglich. Man kann selbst bestimmen, wann man Einzahlungen vornehmen möchte, ohne zu viele Abschlussgebühren zahlen zu müssen. Hinzu kommen steuerliche Vorteile, die sich umgehend bemerkbar machen: Anleger können hier jährlich bis zu 25.000 Euro einzahlen. In dem Fall würden sie am Jahresende 10.000 Euro zurückbekommen.

Außerdem empfehle ich die Basisrente schlichtweg auch aus strategischen Gründen für jeden, der ein Vermögen aufbauen möchte, ohne Angst vor staatlichen Repressionen zu haben. In der Nullzinsphase und den aktuell attraktiven Kursen an den Finanzmärkten stellt das Produkt meines Dafürhaltens eine ideale Kombination dar aus der Wahrnehmung von Chancen, steuerlichen Vorteilen und dem speziellen Schutz des Produktes durch den Staat.

Welche Repressionen wären denn zu befürchten?

Ich gehe davon aus, dass der Staat nach der der Corona-Krise neue Einnahmequellen erschließen möchte – etwa in Form einer Vermögensteuer. Es ist also davon auszugehen, dass die Basisrente als möglicherweise einziges privates Produkt vermögensteuerfrei sein wird. Im Falle einer Währungsreform oder einer Enteignung, wie sie 2013 in Zypern für Geldvermögen oberhalb von 100.000 Euro stattgefunden hat, würde die Basisrente ebenfalls besonders vom Staat geschützt werden. Andernfalls wären auch gesetzliche Renten oder Pensionen gefährdet, was nicht zu erwarten ist.

Das Interview mit Claus Kriebel führten wir im Anschluss an das Zurich Webinar: Kann man von „Leben“ noch leben.

 

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Anette

Anette Bierbaum

Anette Bierbaum schreibt seit 2015 als freie Redakteurin für Pfefferminzia. Darüber hinaus unterstützt die gelernte PR-Fachfrau seit über zehn Jahren Medienhäuser, PR-Agenturen und redaktionell geprägte Content-Plattformen.

kommentare
Achim Klass
Vor 4 Wochen

Echt jetzt? Nicht Euer Ernst – oder? In der momentanen Situation sich über so was Gedanken zu machen ist wie beim freien Fall aus dem Flugzeug überlegen, was es morgen in der Kantine zu Mittag gibt!

    Ridschie Blanko
    Vor 4 Wochen

    ????
    Wir sind eine lustige Gesellschaft!!

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Achim Klass
Vor 4 Wochen

Echt jetzt? Nicht Euer Ernst – oder? In der momentanen Situation sich über so was Gedanken zu machen ist wie beim freien Fall aus dem Flugzeug überlegen, was es morgen in der Kantine zu Mittag gibt!

    Ridschie Blanko
    Vor 4 Wochen

    ????
    Wir sind eine lustige Gesellschaft!!

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