Ist Hauptgeschäftsführer des GDV: Jörg Asmussen. © GDV
  • Von Juliana Demski
  • 01.07.2022 um 15:14
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Die anhaltende Hitze bereitet dem Versicherungsverband GDV Sorgen. Schon jetzt liege die Zahl der Hitzetage über dem jährlichen Durchschnitt des vergangenen Jahrzehnts, schreibt er in einer Mitteilung. Noch seien die Folgen des Klimawandels versicherbar. Doch damit das so bleibt, müsse man mehr tun.

Der erste Sommermonat des Jahres liegt hinter uns – und in weiten Teilen Deutschlands war er geprägt von Hitze und Dürre. „Mit 12 Tagen über 30 Grad liegen wir bereits jetzt über dem Gesamtjahresdurchschnitt von 11,1 Tagen der vergangenen zehn Jahre“, zeigt sich Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), besorgt.

Dabei bezieht er sich auf eine GDV-Analyse von Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Gezählt wurden die Tage, an denen in diesem Jahr an mindestens einer Messstation des Deutschen Wetterdienstes 30 Grad überschritten wurden. Zentrales Ergebnis: Die Zahl der Hitzetage hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verdreifacht. Pro Jahrzehnt kamen durchschnittlich 2,3 Hitzetage hinzu. Für Asmussen sei es somit offensichtlich, „dass der Klimawandel auch in Deutschland deutliche Spuren hinterlässt“.

Andreas Becker, Leiter Klimaüberwachung beim DWD, ergänzt: „Die zunehmende Treibhausgaskonzentration führt außerdem dazu, dass auch die Zahl heißer Tage von Jahrzehnt zu Jahrzehnt massiv zunimmt.“ Bei ungebremstem Treibhausgasausstoß müsse zwischen 2031 und 2060 mit einer weiteren Zunahme um fünf bis zehn heiße Tage im Jahr in Norddeutschland und zehn bis zwanzig heiße Tage in Süddeutschland gerechnet werden.

Laut dem GDV dürften die Folgen dramatisch ausfallen – so sei unter anderem mit mehr Hitzetoten, Dürren und Ernteausfällen zu rechnen. Zugleich dürfte es den Daten nach zugleich mehr und intensivere Starkregen, Hochwasser und Sturzfluten geben, weil die aufgeheizte Atmosphäre mehr Feuchtigkeit speichere. „Flutkatastrophen wie jüngst an Ahr und Erft zeigen, mit welcher Wucht uns der Klimawandel treffen und welches Ausmaß er anrichten kann“, so Asmussen.

Osten und Süden besonders betroffen

Die heißen Tage sind laut DWD regional ungleich verteilt. Besonders betroffen seien der Osten und der Südwesten Deutschlands. „Die unterschiedliche Verteilung der Hitzetage liegt vor allem daran, dass sich Landregionen schneller erwärmen als Meeresregionen“, erklärt Becker. So bremst im Norden und Westen Deutschlands die Nähe zum Meer den Anstieg.

Zusätzlich komme bei Hitzetagen die Luft meist aus Südwesten: „Föneffekte nahe der Mittelgebirge und Städte verstärken die Entwicklung. So sind am stärksten Städte im Rheintal betroffen, wie Köln in Eifelnähe oder Mannheim, Ludwigshafen und Speyer in der Nähe des Pfälzer Waldes, aber auch Leipzig und Berlin beeinflusst durch den Thüringer Wald und den Harz“, so der DWD-Experte weiter.

Wo am meisten und am wenigsten geschwitzt wird

Regional betrachtet gab es der Studie zufolge im rheinland-pfälzischen Speyer in den vergangenen zehn Jahren die meisten Hitzetage. Seit den 1950er Jahren stieg deren Zahl von durchschnittlich 9,3 auf 23 Hitzetage pro Jahr in den 2010er Jahren.

An zweiter und dritter Stelle folgen Ludwigshafen am Rhein und Mannheim mit zuletzt jeweils 21,6 Hitzetagen pro Jahr. „Die wenigsten heißen Tage verzeichneten die Stadt Flensburg und der Kreis Schleswig-Flensburg. Dort gab es im Schnitt jeweils nur zwei Hitzetage im Jahr“, berichtet Asmussen.

Im Bundesländervergleich hatte Berlin im vergangenen Jahrzehnt mit durchschnittlich 15,7 die meisten Hitzetage. Im Vergleich zu den 1950er Jahren hat sich diese Zahl fast verdreifacht. Es folgen Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Die wenigsten heißen Tage verzeichnete Schleswig-Holstein mit 3,7 Tagen. Im Vergleich zu den 1950er Jahren hat sich die Zahl der Hitzetage hier jedoch mehr als vervierfacht – der höchste Anstieg im Bundesländervergleich.

GDV-Hauptgeschäftsführer Asmussen blickt mit Sorgen in die Zukunft:

„Die Schäden bleiben versicherbar, wenn wir den menschengemachten Klimawandel begrenzen, so wie im Abkommen von Paris vereinbart.“ Daneben müsse aber auch auf die Folgen des Klimawandels reagiert werden. „Das bedeutet Klimafolgenanpassung, mehr Prävention, um Städte, Häuser und Industrie widerstandsfähiger zu machen und Schäden zu beschränken“, so Asmussen.

>>> Weitere Infos zur Analyse finden Sie hier.  
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Juliana Demski

Juliana Demski ist seit 2021 Junior-Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört sie seit 2016 an.

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