Datenschutz Versicherung als Datenkrake „ausgezeichnet“

Sitz der Generali in München.
Sitz der Generali in München. © dpa/picture alliance

Der Datenschutzverein Digitalcourage hat erneut seinen „Big Brother Award“ verliehen. Dabei handelt es sich aber um einen Negativpreis für Datenkraken. Auch ein Versicherer hat dieses Mal die zweifelhafte Ehre, zu den „Gewinnern“ zu zählen.

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Seit dem Jahr 2000 vergibt der Datenschutzverein Digitalcourage regelmäßig den Big Brother Award an Firmen, Organisationen und Personen, die, wie es auf der Webseite heißt, „in besonderer Weise und nachhaltig die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigen oder persönliche Daten Dritten zugänglich machen“.

„Sieger“ in der Kategorie Verbraucherschutz ist in diesem Jahr die Generali mit ihrem neuen Konzept Vitality. Das Programm verspricht Kunden Vorteile, wenn sie etwa ihre Fitnessdaten oder ihr Einkaufsverhalten per App kontrollieren lassen.



Zwar habe die Generali in einer Pressemitteilung folgendes klargestellt:

„In der Medienberichterstattung ist fälschlicherweise von einer Vitality-Fitness-App die Rede, die die Kunden überwacht. Dabei besteht für die Kunden kein Grund zur Sorge: Das „Vitality“-Programm und das eigentliche Versicherungsprodukt werden rechtlich und organisatorisch voneinander getrennt. Der Versicherer erhält nur eine Information über das Statuslevel des Kunden. Zudem entscheidet der Kunde selbst, ob er am „Vitality“-Programm teilnehmen und welche Daten er im Rahmen des Programms übermitteln möchte.“

Trotzdem bleiben die Datenschützer unzufrieden. „In eine Versicherung zahlen alle ein, auch diejenigen, die das Glück haben, eine robuste Gesundheit zu haben. Damit finanzieren wir alle auch die Menschen mit, die nicht das Glück ewiger Gesundheit haben – oder das Pech eines Unfalls. Darum geht's bei einer Versicherung. Das ist Solidarität. Es ist fatal, wenn sich immer mehr Menschen aus einer mitfühlenden und helfenden Gesellschaft verabschieden und nur auf individuelle Erfolge und Vorteile aus sind“, heißt es etwa in der Laudatio.

Ohne Zustimmung keine Daten

Natürlich hat die Generali auf die Preisverleihung reagiert: „Wir freuen uns zwar über die große Aufmerksamkeit, die Generali Vitality schon jetzt zu Teil wird, aber wir sind auch etwas erstaunt, einen solchen Preis bereits heute zu erhalten, da die eigentliche Produkteinführung erst ab dem 1. Juli 2016 vorgesehen ist“, heißt es in der Stellungnahme der Unternehmenskommunikation.

Und weiter: „Im Hinblick auf den Datenschutz stehen wir in einem umfassenden Austausch mit den zuständigen Datenschutzbehörden und Organisationen. Der sensible und vertrauenswürdige Umgang mit personenbezogenen Daten ist für uns oberste Verpflichtung. Beim Generali Vitality Programm wird den Kunden vollständig transparent dargestellt: welche Daten erhoben werden, wie erhoben wird, was nur der Kunde sehen kann, welche Informationen wir als Versicherer erhalten und was wir mit den Daten machen. Grundsätzlich ist bei ALLEN Datenerfassungen eine Check-Box für das Akzeptieren der Datenrichtlinien vorgesehen, das heißt ohne Zustimmung werden keine Daten übertragen.“
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