Die Betreuung von Pflegebedürftigen zuhause bedeutet zum Teil eine sehr starke Belastung. Sie muss daher bei der Pflegeversicherung stärker als bisher berücksichtigt werden, so eine Forderung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. © picture alliance/ ZB/ Britta Pedersen
  • Von Manila Klafack
  • 08.09.2020 um 12:18
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lesedauer Lesedauer: ca. 01:30 Min

Die Pflegeversicherung müsse nicht nur im Hinblick auf die steigenden Eigenanteile in der stationären Pflege weiterentwickelt werden – auch die emotionale und psychische Belastung der Pflegenden zuhause, gelte es einzubeziehen. Das fordert Antje Schwinger, Leiterin des Forschungsbereichs Pflege im Wissenschaftlichen Institut der AOK. Sie beruft sich auf die AOK-Studie „Pflege-Report 2020“.

Obwohl die Leistungsangebote der Pflegeversicherung in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut und flexibler gestaltet worden seien, sei „jede vierte Person, die einen Angehörigen zu Hause pflegt, durch die Pflege insgesamt hoch belastet“. Dieses Fazit zieht Antje Schwinger, Leiterin des Forschungsbereichs Pflege im Wissenschaftlichen Institut der AOK (Wido), auf Basis des aktuellen „Pflege-Report 2020“.

„Es greift zu kurz, bei der Weiterentwicklung der Pflegeversicherung nur über eine Begrenzung der Eigenanteile für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen zu sprechen“, sagt Pflege-Expertin Schwinger, die Mitherausgeberin des Berichts ist. „Auch in der häuslichen Pflege gibt es erhebliche Belastungen.“

Diese seien weniger finanzieller Art, sondern lägen vor allem in der zeitlichen und emotionalen Belastung der pflegenden Personen. Hier sei das Bild sehr heterogen – von relativ entspannten Pflege-Situationen bis zu pflegenden Angehörigen, die mit ihrer Kraft am Ende seien und dringend Unterstützung bräuchten.

Jeder Vierte durch die Pflege zuhause sehr stark belastet

„Deshalb müssen wir auch in der ambulanten Pflege die individuell sehr unterschiedlichen Bedarfslagen der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen stärker in den Blick nehmen“, fordert Schwinger. Etwa ein Viertel der Pflegehaushalte fühlt sich dem Report zufolge durch die Pflege zeitlich und psychisch sehr stark belastet. 8,6 Stunden geben die durch das Marktforschungsinstitut Forsa befragten Pflegehaushalte pro Tag für die Unterstützung der Pflegebedürftigen an.

Fast drei Viertel dieser Zeit übernehmen demnach die Haupt-Pflegepersonen. Für etwa 1,5 Stunden tun dies andere, nicht bezahlte, Personen. Knapp eine Dreiviertelstunde (0,7 Stunden) pro Tag erbringen Pflegedienste oder andere Leistungen der Pflegeversicherung.

Kosten in Pflege-Haushalten deutlich geringer als im Pflegeheim

Auf der anderen Seite seien die finanziellen Aufwendungen der Pflege-Haushalte im Verhältnis zur vollstationären Unterbringung deutlich geringer. Im vergleichbaren Zeitraum zur Befragung im 4. Quartal 2019 musste die Pflegebedürftigen in Heimen nur für Pflege und Betreuung durchschnittlich 775 Euro pro Monat aufbringen.

Dagegen gibt in der häuslichen Pflege nur jeder vierte Pflegebedürftige an, Eigenleistung für Pflege und Betreuung zu tragen. In diesen Fällen liege der Durchschnitt bei rund 250 Euro monatlich. Haushalte, die Sachleistungen der Pflegeversicherung wie einen Pflegedienst oder Tagespflege nutzen, seien ebenfalls nicht voll, sondern nur zu knapp 40 Prozent von Eigenanteilen betroffen. Sie müssten im Schnitt etwa 200 Euro pro Monat zahlen. Nur fünf Prozent der Befragten gaben an, zusätzlich privat weitere Hilfen zu bezahlen.

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Manila Klafack

Manila Klafack ist Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach ihrer Ausbildung zur Redakteurin verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

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