Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) © picture alliance/dpa | Michael Kappeler
  • Von Sabine Groth
  • 27.05.2024 um 15:18
artikel drucken artikel drucken
lesedauer Lesedauer: ca. 00:55 Min

Angesichts der stark gestiegenen Zahl der Pflegedürftigen sieht Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach die Pflegeversicherung unter enormem Druck. Eine umfassende Reform der Pflegefinanzierung hält er in dieser Legislaturperiode allerdings kaum mehr für umsetzbar, sagte er gegenüber dem RND.

Die Zahl der Pflegebedürftigen ist 2023 deutlich stärker gestiegen als zu erwarten war. Um mehr als 360.000 Personen ist sie gewachsen. „Demografisch bedingt wäre 2023 nur mit einem Zuwachs von rund 50.000 Personen zu rechnen gewesen“, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) und gesteht ein: „Woran das liegt, verstehen wir noch nicht genau.“

Von einem reinen Nachholeffekt nach der Corona-Pandemie geht er nicht aus. Vielmehr glaubt er an einen „Sandwich-Effekt“: „Zu den sehr alten, pflegebedürftigen Menschen kommen die ersten Babyboomer, die nun ebenfalls pflegebedürftig werden. Es gibt also erstmals zwei Generationen, die gleichzeitig auf Pflege angewiesen sind: die Babyboomer und deren Eltern.“

Die Pflegekassen setzt diese Entwicklung finanziell enorm unter Druck, vor allem wenn sich der starke Zuwachs als Trend erweist. Der Spitzenverband der GKV hat daher auch schon vor steigenden Beitragssätzen gewarnt.

Wie das deutsche Pflegesystem künftig finanziert werden soll, steht noch in den Sternen. Die Dringlichkeit einer grundlegenden Reform hat Lauterbach durchaus erkannt. Da die Ansichten der einzelnen Ministerien und Koalitionspartner allerdings zu weit auseinander liegen, glaubt er nicht, dass in der laufenden Legislaturperiode noch eine umfassende Reform umsetzbar ist. Die für Ende Mai angekündigten Vorschläge einer Arbeitsgruppe zu dem Thema würden aber kommen und könnten als Grundlage für eine spätere Reform dienen.

autorAutorin
Sabine

Sabine Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

kommentare

Hinterlasse eine Antwort

kommentare

Hinterlasse eine Antwort