Blick in ein Zimmer auf der Corona-Station des Uniklinikums Leipzig: Die PKV kann auf ein positives Geschäftsjahr 2020 zurückblicken – trotz Pandemie. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Büttner
  • Von Juliana Demski
  • 07.01.2022 um 16:07
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Die 25 größten privaten Krankenversicherer (PKV) können auf ein positives Geschäftsjahr 2020 zurückblicken – so lautet die zentrale Erkenntnis aus dem aktuellen Branchenmonitor des Analysehauses V.E.R.S. Leipzig. Trotz der Corona-Pandemie wechselten mehr als 20.000 Personen in die PKV und trugen auch zu dem erneuten Beitragswachstum auf rund 43 Milliarden Euro mit bei.

Die 25 größten privaten Krankenversicherer hierzulande können trotz unruhiger Zeiten relativ beruhigt sein – trotz Corona konnten sie im Pandemiejahr 2020 einen Prämienzuwachs von 4,4 Prozent erwirtschaften. Das hat das Analysehaus V.E.R.S. Leipzig im Rahmen ihres alljährlichen Branchenmonitors Krankenversicherung herausgefunden. Insgesamt decke die Analyse mit den untersuchten Unternehmen 97 Prozent des hiesigen PKV-Gesamtmarktes ab, wie es in einer Mitteilung hieß.

Nicht zuletzt wegen des erneut positiven Wanderungssaldos von 20.500 Personen verzeichnete die Branche zudem ein erneutes Wachstum der Beitragseinnahmen auf 42,8 Milliarden Euro. Insgesamt wuchs der Bestand der Versicherten in 2020 um 1,9 Prozent auf fast 36,1 Millionen Menschen. Die Zahl der Vollversicherten hingegen verblieb mit knapp 9 Millionen Menschen auf einem „konstanten Niveau“, schreiben die Experten von V.E.R.S. Leipzig. Zuwächse gab es somit vor allem in der Zusatzversicherung; hier ging es um 2,5 Prozent auf 27,3 Millionen Personen nach oben.  

Den Analysten zufolge resultierte die positive Beitragsentwicklung vor allem aus einem Anstieg sowohl in der Krankenversicherung (plus 2,2 Prozent) als auch in der Pflegeversicherung (plus 30,3 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr stellten die Experten jedoch auch eine leichte Verschiebung des Anteils der Krankenvollversicherung (von 67,9 Prozent auf 66,1 Prozent) hin zur Pflegeversicherung (von 7,8 Prozent auf 9,8 Prozent) fest. Von den gesamten Beitragseinnahmen flossen in der kapitalgedeckten Finanzierung der PKV rund 33 Prozent der Gelder – ähnlich wie auch in den vergangenen Jahren – in die Altersrückstellungen. Damit gelang es trotz anhaltender Niedrigzinsphase die Rücklagen der Versicherten auf 288 Milliarden Euro zu erhöhen.

Wachsende Leistungen vor allem in der Pflegeversicherung

Auch die Versicherungsleistungen fielen mit rund 30,7 Milliarden Euro um 2,1 Prozent höher aus als im Vorjahr. Zum Vergleich: In den vergangenen fünf Jahren verzeichnete die Branche laut Analyse ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 3,65 Prozent. Der größte Leistungsblock – der der Krankenvollversicherung – stieg mit 1,7 Prozent nur leicht an.

Die Versicherungsleistungen der Pflegeversicherung jedoch unterlagen in den vergangenen Jahren „insbesondere aufgrund politischer Reformen und den Auswirkungen des demografischen Wandels“ einem starken Zuwachs, heißt es in der Untersuchung weiter. Im Geschäftsjahr 2020 kam es zu Auszahlung von mehr als 1,7 Milliarden Euro und damit fast 10 Prozent mehr als im Vorjahr.

Ferner zeigt die Analyse, dass die untersuchten Versicherer sowohl in den Verwaltungs- als auch in den Abschlusskosten eine leichte Erhöhung verzeichneten; und das wiederum führte in Summe zu einer Verschlechterung der Bruttoaufwendungen für den Versicherungsbetrieb. Mit einem Zuwachs von 2,55 Prozent lagen die Aufwendungen zum Ende des Geschäftsjahres bei durchschnittlich 140,99 Millionen Euro. Das versicherungsgeschäftliche Ergebnis der 25 untersuchten Krankenversicherer fiel mit 215,59 Millionen Euro indes deutlich höher aus als im Vorjahr (2019: 184,44 Millionen Euro), was sich entsprechend auch in der Ergebnisquote niederschlug. Diese stieg im Durchschnitt um 1,69 Prozentpunkte auf 14,36 Prozent zum Ende des Geschäftsjahres 2020.

Digitalisierung: PKV avanciert zum Gesundheitsmanager

Positive Entwicklungen nahm die PKV insbesondere in Sachen Digitalisierung wahr. Neben der elektronischen Patientenakte und der Beteiligung an der Telematikinfrastruktur enthalten einige Tarife laut Analyse bereits moderne digitale Gesundheitsanwendungen. „Damit kam die PKV ihrem Ziel vom rein finanziellen Unterstützer zum Gesundheitsmanager zu avancieren, wieder etwas näher“, resümieren die Analysten.

Das Fazit der Analysten:

„Trotz der Pandemie und den damit verbundenen zusätzlichen Ausgaben in Höhe von 1,1 Milliarden konnten die Versicherer ein stabiles Geschäftsergebnis erzielen. Die zum Beginn der Krise befürchtete Abwanderung hin zur GKV blieb aus – nicht zuletzt aufgrund angebotener Stundungsregelungen oder anderen individuellen Lösungen.“

>>> Den aktuellen Branchenmonitor samt der Ergebnisse aus der Zeit zwischen 2015 und 2020 können Sie hier bestellen. 

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Juliana

Juliana Demski

Juliana Demski ist seit 2021 Junior-Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört sie seit 2016 an.

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