Viele Menschen sehen ihrem Ruhestand freudig entgegen. Befreit von den Pflichten der Berufstätigkeit wollen sie ihre Zeit genießen. Vielleicht Sport treiben, ein neues Hobby erlernen oder oft und lange auf Reisen gehen.

Dafür haben sie oft nicht oder nicht in ausreichendem Umfang vorgesorgt. Und wenn Vorsorge betrieben wird, dann viel zu häufig mit dem Gedanken an eine einmalige Auszahlung des Ersparten. „Das ist ein Problem“, stellt Alexander Kling vom Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) in Ulm fest. „Allein die Kombination aus steigender Lebenserwartung und geringer Geburtenrate wird unsere Gesellschaft nachhaltig verändern“, warnt Kling.

Das wirkt sich unter anderem auf die Leistungen der gesetzlichen Rente aus. Wenn zusätzlich die Langlebigkeit nicht bedacht wird, klafft eine umso größere Lücke. Versicherungsmathematiker Kling nennt diesen Effekt das „Mein-Geld-ist-weg-aber-ich-bin-noch-da-Risiko“.

„Wie viel länger wir leben, wird meist deutlich unterschätzt“, so Kling. Ein Grund dafür sei ein sogenannter Ankereffekt. Bei der Einschätzung der eigenen Lebenserwartung orientieren sich viele Menschen an dem Alter der vorherigen Generationen. Medizinischer Fortschritt und verbesserte Arbeits- und Lebensbedingungen werden außer Acht gelassen.

„Doch wir leben rund 15 Jahren länger als die Generation unserer Großeltern“, so der Experte.

Was heißt das?

Nach Berechnungen des ifa auf Grundlage der Sterbetafeln des Statistischen Bundesamtes haben beispielweise Frauen, die heute 50 Jahre alt sind, eine 17-prozentige Chance, 95 Jahre alt zu werden.

Das Problem:

Nach einer Umfrage des Munich Center for the Economics of Aging im Jahr 2012 rechnen Frauen jedoch lediglich mit einem Alter von etwa 80 Jahren, und werden laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich 87 Jahre alt. Männer schätzen, dass sie den 75. Geburtstag feiern können und leben durchschnittlich ebenfalls sieben Jahre länger.