Es war am Mittwoch das letzte BDVM-Pressegespräch mit Hans-Georg Jenssen (zweiter von rechts) als geschäftsführender Vorstand des Bundesverbands Deutscher Versicherungsmakler. © Pfefferminzia
  • Von Lorenz Klein
  • 16.09.2022 um 15:48
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Trotz der wachsenden Unsicherheit infolge des Ukraine-Kriegs schauen viele Versicherungsmakler positiv in die Zukunft. Laut einer Umfrage des Maklerverbands BDVM unter seinen Mitgliedern erwarten rund 60 Prozent der 131 Teilnehmer weiter steigende Courtage-Einnahmen. Allerdings könnte der Optimismus aktuell wieder gesunken sein, wie es am Mittwoch in Hamburg hieß.

Die durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ausgelöste Zeitenwende und die noch nicht beendete Corona-Situation hat den Optimismus vieler Versicherungsmakler nicht erschüttern können: Für das kommende Jahr erwarten 59 Prozent der 131 Makler, die an einer Mitgliederbefragung des Bundesverbands Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) teilnahmen, weiter steigende Courtage-Einnahmen. 2021 waren es 61 Prozent gewesen.

Jeder dritte (Vorjahr: 29 Prozent) rechnet mit gleichbleibenden Werten. Mit 8 Prozent ist der Anteil der Firmen, die Einbußen erwarten, sogar noch einmal leicht gesunken – im Vorjahr rechneten 10 Prozent mit einem Abschwung im Vertrieb. 

Gleichwohl gab der geschäftsführende BDVM-Vorstand Hans-Georg Jenssen am Mittwoch in Hamburg zu bedenken, dass die Zuversicht angesichts der Energiekrise inzwischen wieder geringer sein dürfte. Der Verband hatte die Umfrage vor gut vier Wochen und damit früher als sonst gemacht und nun im Rahmen eines Pressegesprächs vorgestellt.

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Zumindest das bis dato Erreichte dürfte der Branche durchaus Rückenwind geben: Wie schon im Vorjahr bezeichneten 98 Prozent der befragten BDVM-Makler ihre Geschäftslage/Gewinnsituation in den ersten acht Monaten 2022 als gut (67,9 Prozent) oder befriedigend (29,8 Prozent). Das ist noch ein Stückchen besser als im Vorjahr als sich 63 Prozent beziehungsweise 35 Prozent entsprechend äußerten.

„Vielen Maklern geht es gut“

Grund für die erfreuliche Geschäftslage sind nicht zuletzt steigende Courtage-Einnahmen bei 75,4 Prozent (68,5 Prozent) der teilnehmenden Unternehmen. „Vielen Maklern geht es gut“, sagte Jenssen und führte weiter aus, dass die mehrheitlich gute Ausgangslage vor allem der Tatsache geschuldet sei, dass die BDVM-Makler überwiegend – und oft auch ausschließlich – Sachgeschäft betreiben. Die Sorgen der Makler in der Lebens- und Krankenversicherung erscheinen da eher weit weg.

Doch auch die Lebensversicherung liegt Jenssen, der für 2023 seinen Rückzug in den Ruhestand bekannt gab, am Herzen: Es müsse der Branche gelingen, in der Lebensversicherung endlich „Pflöcke“ einzuschlagen. Es habe hier drei verlorene Jahre gegeben, kritisierte der Verbandsvorstand. Er vermisse ein „toughes Angebot der Versicherungswirtschaft“ – gemeint ist ein standardisiertes Produkt für die Altersvorsorge. Wenn die Branche hier nicht liefere, könnte es Jenssen zufolge passieren, dass die Politik ein Modell auf den Weg bringe, das ohne Lebensversicherer auskomme.

Jenssen: Bafin arbeitet an neuer Studie zur Vertriebsvergütung

Zugleich verwies der BDVM-Vorstand darauf, dass die Finanzaufsicht Bafin an einer neuen Studie zur Vertriebsvergütung arbeite. An dieser Stelle betonte Jenssen, dass insbesondere Makler bei den Ergebnissen dieser Studie sehr genau hinschauen müssten, sobald sie vorliegen: So hätte etwa der Finanzvertrieb DVAG viele Aufgaben vom Versicherer Generali übernommen – was sich wiederum auf die Höhe der Vertriebsvergütungen auswirke. Das sei aber eine Entwicklung, an der Makler nicht beteiligt seien.   

Provisionsrichtwert als kleineres Übel

Auch die Debatte um die Einführung eines Provisionsdeckels oder gar die Abschaffung der Provision insgesamt in der Lebensversicherung bewegt den BDVM weiterhin. Hier vertritt der Verband mittlerweile die Position, dass ein Provisionsrichtwert, wie ihn Bafin-Versicherungsaufseher Frank Grund unlängst vorschlug, gewissermaßen als das Kleinere aus mehreren Übeln zu sehen sei. Der Provisionsrichtwert müsse als „eine Art Entgegenkommen gegenüber Brüssel“ verstanden wissen, um einen harten Deckel oder gar ein Provisionsverbot zu verhindern, wie es in Hamburg hieß.

Ansonsten habe der Verband auch mit einem Provisionsdeckel von 4 Prozent kein grundsätzliches Problem, machte Jenssen noch einmal deutlich. Problematisch sei es aber, wenn die darin enthaltene Extra-Vergütung von 1,5 Prozent vom Versicherer kontrolliert würde. Hintergrund: Nach einer ursprünglichen Planung der Bafin sollten Makler 1,5 Prozent Provision zusätzlich zu einer Abschlussprovision von 2,5 Prozent bekommen, wenn sie bestimmte Qualitätsmaßstäbe einhalten, beispielsweise niedrige Stornoquoten dank zufriedener Kunden aufweisen.

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Lorenz Klein

Lorenz Klein ist seit 2019 stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Dem Pfefferminzia-Team gehört er seit 2016 an.

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