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Pflegebedürftige Doris Linzert mit Partner Rudi Pschyk in einem Pflegeübungszentrum: Dort können Angehörige die häusliche Pflege üben © picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand
  • Von Andreas Harms
  • 22.05.2023 um 11:35
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Die Deutschen scheuen offenbar davor zurück, sich für den Pflegefall zusätzlich zu versichern. Aber sind die Beiträge wirklich so hoch? Bei Assekurata ging man der Sache auf den Grund – und kann Entwarnung geben. Zumindest zum Teil.

Bei der Rating-Agentur Assekurata schüttelt man die Köpfe. Und zwar darüber, dass sich offenbar nicht sonderlich viele Menschen in Deutschland dagegen versichern, zum Pflegefall zu werden. Schließlich kostet es viel Geld, sich pflegen zu lassen. Laut Verband der Ersatzkassen (VDEK) beträgt die Lücke zwischen den tatsächlichen Kosten für stationäre Pflege und dem, was die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt, im bundesweiten Durchschnitt 2.468 Euro. Im Vorjahr waren es noch 2.179 Euro. Wobei die Spanne von 1.868 bis 2.847 Euro reicht, es hängt halt vom Bundesland ab.

Doch auch für ambulante Fachpflege hat Assekurata nachgerechnet und beziffert je nach Pflegegrad folgende Pflegelücken (auch hier wieder bundesweiter Durchschnitt):

  • Pflegegrad 1: 375 Euro
  • Pflegegrad 2: 600 Euro
  • Pflegegrad 3: 1.000 Euro
  • Pflegegrad 4: 2.100 Euro
  • Pflegegrad 5: 2.100 Euro

Doch trotz solcher Lücken, hatten Ende 2021 lediglich 5,3 Prozent beziehungsweise 4,4 Millionen Menschen eine zusätzliche Versicherung für den Pflegefall abgeschlossen. Das kann man gerne für wenig halten, vor allem in Anbetracht dessen, dass die Zahl der Gepflegten in den kommenden Jahren wohl kräftig steigen wird (mehr dazu lesen Sie hier).

Bei Assekurata vermutet man – nicht ganz abwegig –, dass das an den Versicherungsprämien liegt. Die Deutschen sparen halt gern, vor allem an Dingen, die noch so weit in der Zukunft liegen und so vage sind wie der Pflegefall.

Weshalb die Analysten der Sache in einer Studie auf den Grund gegangen sind. Sie ermittelten, wie teuer so ein zusätzlicher Pflegschutz wirklich ist. Dazu unterscheiden sie die drei Arten der Versicherung: Pflegekostentarife (Kostenzuschüsse), Pflege-Bahr (Tagegeld) und Pflegetagegeld (Tagegeld). Wobei sie betonen, dass sich mit einer Pflegetagegeldversicherung gleichwohl ambulante als auch stationäre Pflegelücken gut schließen lassen.

Und was kostet der Spaß nun? Weniger als man zunächst denken mag, stellen die Assekurata-Leute fest. Für ihre Studie unterstellten sie unterschiedliche Eintrittsalter und simulierten eine Pflegekosten- und drei feste Pflegetagegeldtarife. Der Pflegekostentarif (VU A) verdoppelt den gesetzlichen Zuschuss bei stationärer Pflege (100 Prozent Aufstockung). Und die Tagegeldtarife (VU B bis D) zahlen monatlich 2.400 Euro ab Pflegegrad 2. Das könnte in den meisten Bundesländern reichen. Allerdings unterscheiden sich die Leistungen trotzdem, weshalb ein Tarif im unteren, einer im mittleren und einer im oberen Preissegment landet. Damit ergibt sich eine interessante Preisspanne. Die Ergebnisse zeigt die folgende Grafik:

Monatsbeiträge für Pflegezusatzversicherungen nach Alter bei Abschluss (Quelle: Assekurata)
Monatsbeiträge für Pflegezusatzversicherungen nach Alter bei Abschluss (Quelle: Assekurata)

Für wohlhabendere Menschen unterstellte Assekurata in einer zweiten Simulation, dass nur die halbe Pflegelücke besteht. Und siehe da: Die Beiträge halbieren sich ebenfalls genau. Es gibt also keinen Mengenrabatt für höhere Leistungen oder so ähnlich.

Nun muss ein 25-Jähriger die monatlichen 37 Euro, allein für den Pflegefall auch erst einmal aufbringen können – was nicht jedem gelingen dürfte. Allerdings ergab eine Umfrage von Allensbach, dass die Deutschen mit Beiträgen von durchschnittlich 236 Euro rechnen. 98 Euro wären sie bereit, für so eine Versicherung auszugeben. Und da liegen zumindest die Nicht-Premium-Tarife deutlich drunter. Tatsächlich teuer wird es hingegen im fortgeschrittenen Alter mit allein 222 Euro im Monat für den günstigsten Tarif. Aber das dürfte nicht wirklich verwundern.

Die komplette Studie können Sie hier kostenfrei bestellen und herunterladen.

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Andreas Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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